ARBEITSJOURNAL

ON AIR – Brechtfestival präsentiert Radiogeschichte

Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. Und wer waren alle?“

Bertolt Brecht

Zur Ausstellung „ON AIR. 100 Jahre Radio“ arbeitet das Brechtfestivals erstmals mit dem Museum für Kommunikation in Berlin zusammen. Brechtfestivalleiter und Radio-Experte Jürgen Kuttner führt am 1. Oktober ab 19.00 Uhr durch den Eröffnungsabend. Der Audio-Live-Stream wird auch hier auf unserer Seite übertragen. Einschalten lautet die Devise!
Credits: Zitat aus: Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Schriften 1. Bd. 21. S. 552ff. Suhrkamp. 1992. Bild: Mit freundlicher Genehmigung des Museums für Kommunikation.
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Intro / intern 1

Jürgen Kuttner (mit Tom Kühnel Leiter des Brechtfestivals 2021) über die Schwierigkeiten eines Festivals in Corona-Zeiten und Sinn und Absichten dieses „Arbeitsjournals“

28. September


 

Roy Black, der andere grosse Sohn Augsburgs, rezitiert Brecht.

Nachtrag: Unbekannte stehlen eine neu enthüllte Roy-Black-Büste

27. September

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wb-von-bertold-brecht-gelesen-von-thomas-huber-15342438.html

26. September

1928: Nach einer persönlichen Erklärung vor dem Amtsgericht wird auf einer Karteikarte der Jüdischen Gemeinde vermerkt, daß Helene Weigel aus dem Judentum ausgetreten ist.

Aus: Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.252

25. September

Karl Kraus über den vom Theaterkritiker Alfred Kerr ausgelösten Plagiatsskandal um die Dreigroschenoper

„Im kleinen Finger der Hand (…) ist dieser Brecht originaler als der Kerr, der ihm dahintergekommen ist; und hat für mein Gefühl (…) mehr Beziehung zu den lebendigen Dingen der Lyrik und der Szene als das furchtbare Geschlecht des Tages, das sich nun an seine Sohlen geheftet hat. (…) Ausbündig ist die Trottelei, die einem weismachen will, dieser so geartete, so begabte und so sichtbar abwegige Autor hätte es nötig gehabt (…) die Verse, die ihm für den Bühnenzweck praktikabel schienen (…) als literarische Kontrebande auf die Seite zu bringen. Eine Bewusstseinshandlung, die hier noch ein »Copyright« anbringt, zu unterstellen, ist nicht die Bosheit der Satire, sondern der Idiotie.“

Aus: Karl Kraus, Kerrs Enthüllung, in: Kanonade auf Spatzen. Glossen 1920-1936. In:

https://www.projekt-gutenberg.org/kraus/kanonade/chap010.html)

24. September

Bertolt Brecht an Margarete Steffin in Moskau:

„Liebe Grete, ich war froh. Deine Stimme zu hören. Deine Armut ist eine große Sorge. Heute geh ich wieder zur Botschaft, um noch was zu unternehmen. Hoffentlich klappt es. Für das russische Dramenbändchen müssen noch Rückstand 1000 Rubel da sein. Willy muß ebenfalls was tun. Es wird alles gehen, wenn Du nur jetzt nicht Mangel hast! – Hier ist es trist. Regen. Erkältung. Bei der Arbeit (und sonst) bin ich nurmehr die eine Hälfte. Liebe Grete.

g.g.                 b

Schreibe oft. oft. oft!

Aus Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 28 S. 442, Suhrkamp, 1998

23. September

Kuttner/Schönborn.

Clemens Schönborn plant im Rahmen des Brechtfestivals einen (?) Film mit Laien zu produzieren. Das Ganze als schnelle Hit-And-Run-Produktion. Tag 1: Casting, Tag 2 und 3: Dreh, Tag 4: Schnitt, Tag 5: Premiere. Also so in etwa! Das Ganze kann sich auch noch ändern. Es schwebt ihm nämlich auch vor, sämtliche Drehbuch-Entwürfe Brechts zu verfilmen. In derselben Zeit. Wir werden sehen …
Wer sich von Clemens Arbeit schon einmal vorab einen Eindruck verschaffen will, kann das hier tun.

22. September

HELLI Driver – ein nichtalltäglicher Gebrauchtwagenkauf

Gleich nach dem Krieg und seiner Rückkehr aus dem Exil nach Berlin kauft Brecht sich ein Steyr Cabriolet. Nicht sein
erster Steyr. Dieses Fahrzeug fährt er zehn Jahre lang, bis 1955.  In einem Brief schrieb Brecht:

„Das Auto stinkt.“

Die Liebe zum österreichischen Steyr ist also vorbei. Die Liebe zum Auto hat sich vielleicht übertragen: Helene „Helli“ Weigel bestellt 1967 als Intendantin des Berliner Ensembles einen Mercedes Ponton (Baujahr 1959) und meldete ihn als Dienstfahrzeug an. 2018 bekam ich dann eine SMS von einer mir unbekannten Nummer. sie lautete etwa so:

„ich habe gehört, dass Sie am Berliner Ensmeble arbeiten werden. ich besitze den Dienstwagen von Helene Weigel mit dem originalen Fahrzeugbrief, in dem als Erstbesitzerin Helene Weigel und als Adresse das Berliner Ensemble eingetragen sind. Ich würde mich freuen, wenn der Mercedes wieder nach Hause darf!“

Ich habe die SMS gelesen und gemeinsam mit dem bildenden Künstler, Olaf Nicolai, das Auto gekauft. Es steht mittelweile in Berlin. Fahrtüchtig.

(Sabrina Zwach, Dramaturgin)

20. September

 

Voices & Piano: No. 1, Bertolt Brecht · Nicolas Hodges · Peter Ablinger

 

19. September – intern 3

Große Planungsrunde im Kulturamt und erstes gemeinsames Briefing. Eigentlich geht’s um Kommunikation. Aber irgendwie geht’s erstmal auch um Räume, Areale und Zonen. Um
explodierende Emotionen, unzähmbare Zahlenkolonnen und frei flottierende Minusgradängste. Wohin mit den raren Moneten? Festivals, die alles neu erfinden, sind so aufwändig!
Kommunikation soll nicht so viel kosten! Ich überlege mir, ob es dabei um mich geht, halte aber erst mal die Klappe. Also, hopp! Wir wollen ermöglichen. Wir wollen mitreißen. Programmpunkte werden erläutert, Zeitpläne geschmiedet, Kollaborationen erfunden, Netzwerke aktiviert und Ideen durch die Runde gekullert. Es geht um Frauen. Eine davon klingt angeblich wie PJ Harvey, von der Kuttner wohl ein Fan ist. Zwischenzeitlich erscheint mir das als die beste Nachricht des Tages. Aber so ist das halt. Ohne vernünftigen Soundtrack ist auch die produktivste Arbeitsbesprechung nur eine Runde. Wir hier jedenfalls bringen erstmal die Steine ins Rollen und dann das Festival auf die Straße. Und ins Netz. So ist der Plan, würde ich sagen.

Tina Bühner, Brechtfestival Pressearbeit.

19. September

1913: „Schule. Abends gefaulenzt. Lese fast nichts!“
(Brecht, Bertolt: Tagebuch N. 10 1913. Hrsg. v. Siegfried Unseld. Suhrkamp Verlag. Frankfurt, 1989. S. 77.)

17. September

1939: In Verbindung mit dem 100. Geburtstag seiner Großmutter Karoline Brecht entsteht die Geschichte Die unwürdige Greisin.
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 590, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

1944: Brecht rät seiner Tochter Barbara, die bei ihren Steppübungen schwitzt, »lieber mehr zu können, als sie macht, als mehr zu machen, als sie kann, bis sie soviel macht, als sie kann«
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 740, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

16. September

Brechtbüro

intern 2

„Ja, mach nur einen Plan“

Das Brechtfestival 2021 findet statt. Es ist aber noch nicht entschieden wo. Wandern wir aufs Gaswerk aus und schultern neben allen Unwägbarkeiten, die Corona mit sich bringt, die Erschließung von fünf nackten Industriehallen? Die Akustik im Scheibengasbehälter ist atemberaubend. Das Parkdeck gegenüber der Brechtbühne kurios. Die technischen Pläne für das Gaswerkareal haben wir erstellen lassen. Sie liegen jetzt beim Tiefbauamt. Ob wir sie genehmigt bekommen, wissen wir nicht. Während ich mir Sorgen um Hygienekonzepte und Leitsysteme für Besucherinnen einer Industriebrache im winterlichen Dämmerlicht mache, lautet die Ansage für unsere Künstler*innen: „Mobiles Straßentheater!“ Auf der anderen Seite stehen der martini-Park und das Textilviertel, das wir mit dem Brechtfestival 2020 schon bespielt haben und 2021 mit TIM und Provino erweitern könnten. Die Erfahrungen von diesem Jahr könnten wir ins nächste Jahr mitnehmen. Neue Hallen erschließen. Die schon beheizt sind. Schöne industrielle Kellergewölbe eröffnen. Genug Räume für Garderoben und Catering. Kuttner wird sagen: das brauchen wir alles nicht. Ich zeig ihm die Bilder von der wunderschönen Brache, auf der man auch ganz hervorragend eine LKW Wagenburg aufbauen kann. Von der sehr schönen industriellen Turbine, die den Kanal im martini-Park antreibt. Mobiles Straßentheater geht auch da. TIM und Provino sind auch in Laufweite. Morgen ist Ortstermin. Mit Festivalleitung aus Berlin. Dann muss eine Entscheidung her. Ich bin gespannt.
(Katrin Dollinger, brechtbüro)

15. September

1935: Die Nürnberger Gesetze, die „Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ verbieten werden vom Reichstag einstimmig angenommen.

 

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Aus: Bertolt Brecht: Ballade von der Judenhure Marie Sanders

 

Eines Morgens, früh um neun Uhr

Fuhr sie durch die Stadt

Im Hemd, um den Hals ein Schild, das Haar geschoren.

Die Gasse johlte. Sie

blickte kalt.

Das Fleisch schlägt auf in den Vorstädten

Der Streicher spricht heute nacht.

Großer Gott, wenn sie ein Ohr hätten

Wüßten sie, was man mit Ihnen macht.

(GBA 12, S. 16f.)

 

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1940: Ruth Berlau ist inzwischen wegen ihres Verhaltens … aus dem Gutshaus verwiesen worden. … »

Ich zog … weg und schlug ein Zelt in dem Birkenwäldchen auf. Es war nur einen Katzensprung von Brechts Haus entfernt. Ich hatte meine Schreibmaschine bei mir. Brecht besuchte mich in dem Zelt, und wir arbeiteten miteinander.«

Da sie ihn mehr für sich beansprucht, als ihm lieb ist, versucht ihr B zu erklären, daß er inmitten von Arbeiten »ganz und gar unsinnlich« sei und ihm »die harmlosesten Bemerkungen erotischer Art fast unerträglich werden«. »In solchen Zeiten finde ich jeden Gedanken von Dir, ich könnte hier eine finnische Sommernacht etablieren, schrecklich unadaequat, in der Tat beleidigend.«

(Werner Hecht, Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.621)

 

14. September

Eric Bentley (14.9.1916-5.8.2020) singt „Ballad of the Dead Soldier“:

13. September

DER DRAMATIKER PETER HACKS ÜBER BRECHT:

„Ich habe lange mit meiner Meinung geschwankt, ob Brecht bleiben wird. Ich bin deshalb auch oft widersprüchlich gewesen. Jetzt bin ich mir aber sicher: Er wird bleiben. Bei Brecht ist es dasselbe wie bei Tolstoi oder Wagner. Über letzteren habe ich einmal den Satz gelesen: ›Wagner hat sämtliche Irrtümer des 19. Jahrhunderts in seinem Werk versammelt.‹ Von Brecht kann man sagen: Bei ihm finden sich alle Irrtümer des 20. Jahrhunderts. Aber da ist kein Zweifel, ein solches Werk bleibt.“

(André Müller sen., Gespräche mit Hacks 1963 – 2003, Eulenspiegel Verlag, S. 327)

12. September

Maria Rose Amman – Die stille, blasse Liebe Bert Brechts

David Bowie besingt sie in „Remembering Marie A.“

11. September

 

DER SPIEGEL NR. 3/1967

10. September

Brecht-Boykott: …Im Jahre 1954 starteten Hans Weigel und Friedrich Torberg eine Kampagne gegen Brecht-Aufführungen in Wien. Schon 1946 hatte Torberg geschrieben: „Brecht, aus dem nun freilich seit zehn Jahren nur noch die blanke Scheiße herauskommt, doch vorher wenigstens etwas war, und es so einmalig war, dass diese Einmaligkeit ihm bis heute geblieben und anzurechnen ist?“ In der politisch-literarischen Zeitschrift FORVM (Deren Geldgeber war damals die  CIA-Vorfeldorganisaton „Congrès pour la Liberté de la Culture“) stellte Torberg die Frage „Soll Brecht in Österreich gespielt werden?“. Wobei er betonte „Ich bin nicht gegen Brecht. Ich bin gegen die Brechtokokken.“…

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Brecht-Boykott – cite_note-8)

 

9. September

intern 1

Jürgen Kuttner (mit Tom Kühnel Leiter des Brechtfestivals 2021) über die Schwierigkeiten eines Festivals in Corona-Zeiten und Sinn und Absichten dieses „Arbeitsjournals“

8. September

Update: https://www.stadtzeitung.de/region/augsburg/kultur/brechtfestival-corona-zeiten-geplant-id211972.html

 


2020: heute, 20.10 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

BILDBESCHREIBUNG, Hörspiel von Heiner Müller

Bearbeitung und Regie: Stephan Heilmann
Mit: Hille Darjes, Felix von Manteuffel, Herbert Fritsch, Angelika Schett
Produktion: DRS 1987

7. September

1942: „sehe einen hübschen film the remarkable andrew. Ein stadtschreiber entdeckt fälschungen in den büchern der Stadt, er ist mit zitaten von jefferson und franklin aufgezogen worden, und so besucht ihn eines tages der general jackson, um ihn in seinem fall gegen die Stadtverwaltung zu beraten, er wird angeklagt, er habe Unterschlagungen begangen, im gerichtssaal erscheinen als anwälte franklin, washington usw. — der film ist mit bemerkenswerter phantasielosigkeit fotografiert, die ständigen gespräche des (durch seine ehrlichkeit) bemerkenswerten andrew mit den historischen gestalten, …, sind unglaublich nüchtern und dilettantisch aufgenommen, ebenso die anwesenheit der erlauchten anwälte im gerichtssaal. — der film ist übrigens kein erfolg.“

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal 1938-1945, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977)

6. September

1921: „Auf jeden Fall sollte man sich nicht allzuweit von den einfachen Zielen losseilen. Seit zum ersten Male billige Bretter über Schnapsfässer gelegt wurden und zwei Burschen öffentlich irgendelnen Handel austrugen, war die Unterhaltung der Zuschauer das bezahlte Ziel. … Die naiven Abenteuer mußten bald durch lebenskluge, praktische Maximen gewürzt, durch leicht eingehende Stimmungen leicht verdaulich gemacht, durch halb verhüllten oder frech platzenden Witz gepfeffert werden. Jetzt, am Endpunkt einer Entwicklung, befriedigt nur mehr die Eitelkeit der Akteure jene eines Parterres von Köchen und Topfguckern.“

(Bertolt Brecht, Tagebuch 1921, BFA 26, S.236)

5. September

1945: Das FBI registriert, daß Brecht mit Peter Lorre eine dem Geheimdienst unbekannte Arbeit beginnt; es handelt sich um die Filmgeschichte Lady Macbeth of the Yards.

 

(Quelle: https://vault.fbi.gov/Bertolt%20Brecht%20/Bertolt%20Brecht%20Part%203%20of%204/view, p. 28.)

4. September

3. September

1944: „Zu dieser Zeit wurde ich durch Brecht schwanger. Ich war sehr glücklich, und Brecht war es auch, obwohl er äußerst bemüht war, meinen Zustand geheimzuhalten. Wir hatten uns auch schon über Namen geeinigt. Ein Mädchen sollte Susanne heißen, ein Junge Michel —wie das Kind im »Kreidekreis«. Kurz nachdem Brecht das Stück beendet hatte, am 3. September 1944, wurde Michel geboren. Brecht notierte in seinem »Journal«, daß ich in einem Hospital von Los Angeles »operiert« worden sei.

Ich war tat sächlich schwerkrank und lag mit hohem Fieber. Der Arzt verlangte eine Entscheidung: die Mutter oder das Kind? Ich sagte: »Rettet das Kind!« In diesem Augenblick stürmte Bertolt Brecht mit weißem Kittel und weißer Haube herein und rief: »Ich bin hier, ich bin gekommen.« Brecht kam jeden Tag. Davon hatte ich aber nicht viel, denn ich lag unter einem Atemgerät und war dem Sterben näher als dem Leben. Brecht hat seinen Sohn in dem Raum für Frühgeburten gesehen. Er erzählte mir später, daß ich immer nur nach Michel gefragt habe und daß mir nichts wichtiger war als die Rettung des Kindes.“

(BRECHTS LAI-TU. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Bunge, 1985 Luchterhand Verlag Darmstadt)

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2. September

1929: Theater am Schiffbauerdamm. Uraufführung von Happy End, „eine Magazingeschichte von Dorothy Lane“ (Anm: d.i. Elisabeth Hauptmann), Songs von Bertolt Brecht und Kurt Weill.

Alfred Kerr im Berliner Tagblatt 3.9.: „Ein paar nette Einfälle. Eine schmeichelnde Musik. Aber manchmal ein Gipfel der Stupidität. Der Beifall kam von einem bestimmten Teil der Zuschauerschaft“

1. September

1939: „früh 8 uhr 45. deutschland warnt alle neutralen, das polnische staatsgebiet zu überfliegen. Hitler an die deutsche wehrmacht. Dazwischen die melancholische marschmusik mit der die deutschen militaristen ihre schlächtereien einleiten.

das ist die clique, der gang, der fremdkörper, der den krieg beginnt ohne gott und mit brotkarte…“

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal 1938-1945, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977)

FAQ

In den kommenden Wochen und Monaten bis zum nächsten Brechtfestival wird auf unserer Website ein digitales Arbeitsjournal entstehen.

Genauso wie Brecht sein kreatives Schaffen dokumentierte, wollen auch wir unseren Prozess offenlegen. Mit den Einträgen in unserem Arbeitsjournal werden wir Brecht, sein Werk und das Kollektiv, das ihn umgab umkreisen. Helene Weigel, Elisabeth Hauptmann, Margarethe Steffin, Ruth Berlau und einige andere waren wichtige Mitarbeiterinnen für Brecht. Ihre künstlerischen Beiträge standen allerdings lange im Schatten der öffentlichen Figur, die Brecht nach außen darstellte. Ganz im Gegensatz zu ihrer Rolle als Brechts Freundinnen oder Geliebte. Mit Zeitzeugnissen, Schnipseln und Fundstücken aus den Archiven werden wir das spannungsreiche Verhältnis in Brechts Kollektiv dokumentieren. Dazwischen mischen sich Momentaufnahmen aus unserem eigenen, von den Folgen der Corona-Pandemie gebeutelten Arbeitsstand. Dazu zählen Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, die sich genauso wenig wie wir von einem Virus davon abhalten lassen, neue Ideen zu entwickeln und sich öffentlichkeitswirksam mit Brecht und seinen Positionen zu beschäftigen. Welche Bedingungen wir dafür im Februar 2021 vorfinden? Können wir nicht sagen. Wir werden sicherlich unsere Wege finden.

 

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