ARBEITSJOURNAL

25. Januar

Fokus: Elisabeth Hauptmann 1/3

„Ihre Chancen, als Frau vom Schreiben leben zu können, waren zu dem Zeitpunkt, als sie die Entscheidung hätte treffen müssen, äußert gering. Dennoch lässt nichts in Ihrem Leben darauf schließen, sie habe resigniert auf Berufsträume verzichtet oder sei durch Brecht von der Verwirklichung eigener Ziele abgehalten worden. Diese kluge, selbstbewußte Frau erfaßte deutlich den Unterschied zwischen Genie und Talent und zog es vor, im Arbeitsprozeß Brechts unentbehrlich zu sein, als mit eigenen Werken an die Öffentlichkeit zu drängen, ohne möglichweise den Qualitätsanspruch, den sie an Brecht geschult hatte. Es hieße, ihre selbstbewußte Unterordnung banalisieren, durch den Verdacht, sie habe nicht freiwillig ihren Platz gewählt.“

(Gerda Marko: So erwirbt der Apfel seinen Ruhm, indem er gegessen wird… Bert Brecht und Marieluise Fleißer, Elisabet Hauptmann, Margarete Steffin, Ruth Berlau. In: Schreibende Paare. Zürich, Düsseldorf, 1995. S. 181.)

 

Und heute? http://www.xn--frauenzhlen-r8a.de/studie_diagramme.html

 

24. Januar

„Originalität“ – eine Keuner-Geschichte von BB als Kurzhörspiel von David Tschöpe (Regie & Produktion).

 

23. Januar

Suse Wächter hat ihre Pavarotti-Puppe Brechts Kinderhymne singen lassen.
Wo? In einem Fußballstadion!
Wo genau? In der Alten Försterei, dem Stadion des 1.FC Union Berlin…
Christian Arbeit, dem Geschäftsführer Kommunikation des 1. FCU hat es jedenfalls gefallen.

22. Januar

Lothar Trolle (dessen Stück „Klassenkampf“ beim Brechtfestival 2020 in einer Inszenierung von Kalliniki Fili zu sehen war) schickt folgendes Gedicht an das Arbeitsjournal des Brechtfestivals 2021:

Polnisches Liedchen
(nach A.Wazyk und B. Brecht)  

im Buffet des Bahnhofs Nowa Huta das Fräulein Jadzia/ 

ist so hübsch, ist so hübsch/ 

ist so hübsch wie es da am Tresen steht/ 

gähnt und den Wodka in die Gläser laufen lässt/ 

hübsch, so hübsch ist das Fräulein Jadzia/ 

wenn es gähnt und die nächste Runde an den Tisch der Männer bringt/ 

hübsch, so hübsch ist das Fräulein Jadzia/ 

liegst du dann flach und sie gähnt/ 

und zieht dir dabei die Schuhe aus/ 

hübsch, so hübsch ist das Fräulein Jadzia…

 

Danke dafür und herzlichen Glückwunsch zum heutigen Geburtstag, lieber Lothar Trolle!

21. Januar

„Unter dem Titel „Heiner Müllers Text-Landschaften. Grenzen – Tod – Störung“ veranstaltet die Internationale Heiner Müller Gesellschaft im ersten Halbjahr 2021 über Zoom eine digitale Ringvorlesung zu Heiner Müller, organisiert von Janine Ludwig, Till Nitschmann und Florian Vaßen. Jüngere Wissenschaftler*innen werden jeweils einen halbstündigen Vortrag halten – mit anschließender Diskussion.

Diese digitale Ringvorlesung findet im ersten Halbjahr 2021 jeden dritten Donnerstag im Monat um 19.00 Uhr über Zoom statt.“

Das gesamte Programm sowie der jeweilige Link, die Meeting-ID und der Kenncode sind vor den einzelnen Vorträgen auf der Webseite der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft zu finden:

https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles

20. Januar

Harald Schmidt liest 1998 in seiner Late-Night-Show gemeinsam mit dem Studiopublikum „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht – mit verteilten Rollen:

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19. Januar

Nachts allein unterwegs auf den menschenleeren, verschneiten Augsburger Straßen – ein beeindruckendes, seltsames, besonderes Erlebnis sei das, sagt Bert Zander. Der Berliner Videokünstler arbeitet für das erste digitale Brechtfestival (26.2.-7.3.) gemeinsam mit der „Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot“ an einem Musikvideo. Letztes Wochenende war er deshalb in Augsburg unterwegs und hat bei den nächtlichen Streifzügen Filmaufnahmen für das Projekt gemacht. Beim Dreh im Scheibengasbehälter auf dem Augsburger Gaswerkgelände hat ihm das Fernsehteam von a.tv über die Schulter geschaut. Die künstlerischen Leiter Tom Kühnel und Jürgen Kuttner sprechen im Interview mit a.tv außerdem über das Festivalprogramm

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18. Januar

Aus der Kalligrafie- und Kuriositätenkiste: Wie schreibt man den Namen Brecht in schicker Schreibschrift?

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17. Januar

Erinnerung an Maria Osten

Als Kolzow, der u.a. auch einer der wichtigsten Vertrauten Stalins in Spanien war, offensichtlich auf Grund einer Denunziation André Martys am 14.12.1938 verhaftet worden war, reiste Maria trotz der Warnung von Freunden nach Moskau. Ihr Adoptivsohn Hubert weigerte sich, die »Frau eines Volksfeindes« in die Wohnung zu lassen. In einem billigen Hotel lebend, pflegte sie die todkranke Margarete Steffin, die Brecht auf der Durchreise in die USA in Moskau lassen musste. Die Kaderkommission der KPD schloss Maria Osten dann am 14.10.1939 u.a. wegen ihrer »Verbindungen zur Malik-Clique« aus der Partei aus. Am 24.6.1941 wurde sie vom NKWD verhaftet und am 16.9.1942 im Gefängnis von Saratov erschossen.

(Quelle: https://antifa.vvn-bda.de/2013/09/05/erinnerung-an-maria-osten/)

16. Januar

Bert oder Bertolt?

In den »Svendborger Gedichten« heißt der Autor Bertolt Brecht. Jahre zuvor hatte Brecht mir einmal gesagt: »Der Malik-Verlag fängt an, meine gesammelten Schreibereien herauszugeben. Ich überlege mir: Ist >Bert< richtig?« Alle Welt nannte ihn so. Ich war inzwischen gewöhnt, mit den merkwürdigsten Fragen konfrontiert zu werden. Machte Brecht sich einen Spaß, oder war die Frage wichtig für ihn? »Bert oder Bertolt? Bertolt Eugen Friedrich? Was meinst du? Gefällt dir Bert?« Man mußte schnell denken und schnell antworten bei ihm. Mir fiel damals nichts anderes ein als: »Willi statt William wäre seinerzeit wohl auch nicht richtig gewesen …« Brecht antwortete mit einem Grinsen. So verwandelte sich in Dänemark der Bert in den Bertolt.

(Brechts Lai-tu. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau, Eulenspiegel-Verlag, S. 86)

All rights: Hilda Hoffmann

Biographie Ruth Berlau: https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/ruth-berlau

15. Januar – intern 8

„Wir müssen auch mal realisieren: wir haben keine sechs Monate mehr, sondern sechs Wochen.“

Das Brechtsche Festivalkollektiv trifft sich. Die Zeit bis zum Festivalbeginn gibt sich dieses Jahr seltsam unförmig. Sie streckt sich und staucht sich. Wir sind schon mittendrin – und trotzdem am Anfang. Wir, das sind insgesamt acht intern oder extern am Thema arbeitende Personen, die sich um Organisation, Programminhalte, Marketingstrategie und Pressearbeit für das Brechtfestival kümmern. Als Praktikant sind mir die meisten Gesichter unbekannt.

Kulturamtsleiterin Elke Seidel meint, dass wir „in die Gegenwart einhaken“ wollen. „Vom Sofa aus für‘n Bierpreis.“ Was das heißt, wollen wir heute herausarbeiten. Zwischen Zuversicht und Unsicherheit, zwischen „Krisenmanagement“ und „formeller Avantgarde“ pendelt das Selbstverständnis des diesjährigen Brechtfestivals. Was sicher ist: Es wird anders. Und es wird #digitalbrecht. Das bedeutet auch, dass wir technische Fragen diskutieren: Wie wird der Stream genau funktionieren? Wie genau müssen wir den Kauf der Onlinetickets unseren Kunden erklären? Wie erreichen wir Zuschauer in der ganzen Welt? Vieles, was letztes Jahr noch undenkbar war, fällt nun in den Bereich des Möglichen.

Aber wie genau alles organisiert werden muss; wer für was zuständig ist – oft noch unklar. Ein zeitnahes zweites Treffen muss her. Trotzdem sollen heute noch Kategorien für die Website entstehen: „Behind the scenes“, „Brechtlesen“, „#brechtdigital-FAQs“ – erste Ideen hierfür bahnen sich langsam ihren Weg aus dem Abstrakten. Die Zeit drängt uns dazu Fristen zu setzen: Bis zum 15. Februar soll die inhaltliche Konzeption abgeschlossen sein. Das „Arbeitsjournal“, bei dem ich vor allem das Posten von Jürgen Kuttners Beiträgen übernommen hatte, wird irgendwann auslaufen. Was dann kommt, ist die Pause bevor der (digitale) Vorhang fällt.

Mit dem Ende des Arbeitsjournals, wird wohl auch mein Praktikum ein Ende finden. Ein (Corona-)Praktikum, in dem einem die Kollegen und Vorgesetzten unvermeidlich meistens nur als Email-Adressen begegneten, in dem man aber dafür nie zum Kaffeekochen gezwungen wurde.

Leo Blumenschein, Praktikant Brechtfestival

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14. Januar

Mit Textmarker, Schwamm und weißer Tafel gibt Aerin Hobbs in unter zwei Minuten einen Einblick in den Kosmos von Bertolt Brecht

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13. Januar

Lorre’s relationship with Bertolt Brecht.

Interview mit Stephen Youngkin, Autor von „The Lost One: A Life of Peter Lorre“

When I began researching Lorre’s life, there was precious little written about Brecht. In recent years, however, there’s been a deluge of material, some of it very scholarly, some of it less credible. Fortunately, one of the more recent works by John Fuegi that paints a distorted picture of Brecht the writer has been largely discredited. We know, of course, that Brecht the human being was something of a mixed blessing. To this day, Fuegi has failed to refute or correct any of the numerous errors and inaccuracies.

That aside, Lorre saw Brecht as one of the two most important writers in the 20th century, the other being James Joyce. This was the pivotal relationship in his life. He not only referred to Brecht as his best friend, but as himself as one of Brecht’s actors. Without understanding Brecht, you can’t understand Lorre. Some people have found Brechtian elements in Lorre’s acting style. Well, I guess you can find anything if you look hard enough. It’s a chicken and the egg argument.

When I first interviewed Brecht scholar Eric Bentley, I naturally asked about Brecht’s influence on Lorre. He told me it was actually the other way around, that Brecht saw actors he liked, things they were doing – in Lorre’s case, the clashing of opposite characteristics, doing two things at once – and formed those aspects into a new style of acting. Lorre was just doing what he had always been doing. It was an incredibly adaptable form. The same style could easily be plugged into different holes and given a new name, a new theoretical label. So, in a sense, Lorre’s performances were Brechtian by default, before we – or he – knew the use of the word.

http://www.peterlorrebook.com/interview03.html

12. Januar

ℹ FOKUS HELENE WEIGEL

„Wolf Biermann war mal „vor 100 Jahren“ von Helli mir zugeteilt — zusammen mit noch einem Youngster — damit sie keinen Blödsinn machen. Es war in der ganz frühen Zeit der Sezuan-Proben. Ein Schauspieler namens Kiwitt spielte den Barbier, es war keine leich­te Arbeit mit ihm. Am Bühneneingang auf einer vierstufigen Treppe sah ich, wie sich Kiwitt und Biermann begegneten. Biermann klopfte von einer oberen Stufe aus Kiwitt auf die Schultern und sagte in großer Gönnermanier: „Es wird schon werden.“ Was kommen musste, kam. Kiwitt beschwerte sich über den überheblichen jungen Schnösel bei der Weigel, die Weigel beschimpfte mich. Alle Versuche, Biermann von solchen Auftritten abzuhalten, blieben wirkungslos — ich denke, bis heute.

Als ich 1956 zum BE kam, lebten in Berlin drei der wichtigsten Frauen und Mitarbeiterinnen Brechts: Die Weigel, die Berlau und die Hauptmann. Ich habe keine von ihnen jemals auf den Brecht schimpfen hören — gegeneinander hatten sie allerdings eine Menge vorzubringen. Ich konnte von allen Dreien sehr viel lernen.

Die Totenfeier für Brecht war mein erster Arbeitstag im BE. Es war mir sehr zum Heulen. Am Ende der Feierlichkeiten drückten wir alle der Weigel die Hand. Sie neigte sich zu mir und sagte tröstend: „Sei nicht traurig, du hast ihn ja noch kennengelernt.“

(Uta Birnbaum: Weigel-Anekdoten aus „Anekdoten und Geschichten aus der Großen Ordnung„, in: Brecht-Jahrbuch 25, 2000)

11. Januar

Ein Gastbeitrag von Michael Friedrichs, Herausgeber des verdienstvollen „Dreigroschenhefts“:

„Brecht und Frauen“ – da sind nicht nur die bekannten Namen interessant. Über einen Artikel von Hans Peter Neureuter zu Brechts Gedicht „Die haltbare Graugans“ bin ich kürzlich auf eine Dichterin gestoßen, die für Brecht in seiner US-Zeit wichtig war und die verblüffenderweise noch lebt, inzwischen 102-jährig: Naomi Replansky. Zeitzeugin! Sie lebt in New York. Sie hat Brecht mit dem Lied „The Grey Goose“ des schwarzen Songwriters Leadbelly bekannt gemacht, (zu hören hier), aus dem dann Brecht sein Gedicht „Die haltbare Graugans“ machte.

James K. Lyon hat in seinem Buch Brecht in Amerika einiges über ihre Zusammenarbeit mit Brecht in Santa Monica festgehalten.

2012 sind Naomi Replanskys „Collected Poems“ erschienen, und für das Yearbook der International Brecht Society 1995, „Brecht Then and Now“, hat sie Erinnerungen notiert. Sie ist auch im Internet erfreulich präsent, z.B. mit ihrer Lesung bei der Manhattan Review 2017. In der Zeitschrift Twice a Year (1948) – also erst nach Brechts eiliger Abreise aus den USA – sind einige seiner Gedichte in der Übersetzung von Naomi Replansky erschienen.

Hier eines davon:

I, THE SURVIVOR
: Of course I know: only through luck 
have I survived so many friends. But tonight, in dream,
 I heard these friends say of me: The strongest survive.
And I hated myself.
1946

Es handelt sich um das Gedicht „Ich, der Überlebende“ (GBA 12, 125). Brecht bat Naomi Replansky übrigens nicht nur um Übersetzungen, sondern akzeptierte auch Kritik von ihr, so wie sie seine. Und er hat ihr mit „Kinderkreuzzug“ und „Kriegsfibel“ einige seiner wichtigsten Gedichte anvertraut.

Mehr dazu im nächsten Dreigroschenheft, das im April erscheint.

(Michael Friedrichs)

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10. Januar

Autorin Charlotte Roth über Carola Neher, die Hauptfigur ihres im letzten Jahr bei Droemer Knaur erschienenen Romans »Die Königin von Berlin

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9. Januar

Carola Neher († 1942) singt in Georg Wilhelm Pabsts 1931 erschienenem Spielfilm „Die Dreigroschenoper“ in der Rolle der „Polly“ den „Barbarasong“ (Der Song vom Nein und Ja):

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8. Januar

FOKUS HELENE WEIGEL

Was hing bei Brecht im Kleiderschrank? Was lag auf seinem Nachtkästchen? Auf welcher Schreibmaschine arbeitete Brecht? Elke Pfeil, Leiterin der Brecht-Weigel-Gedenkstätte, führt euch durch das Brecht-Haus in der Chausseestraße 125 in Berlin-Mitte, spricht über Bertolt Brecht und zeigt wie Brecht und Weigel gelebt haben.

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5. Januar

Die Philosophin Frigga Haug über Brecht als „lebenslangen Lehrmeister“ – Gespräch mit Joachim Scholl im Deutschlandfunk (26.5.2019):

Ein Leben für die Aufklärung – als marxistische Feministin sieht sie sich selbst, als Soziologin und Philosophin kämpft Frigga Haug seit über 50 Jahren für Gerechtigkeit. Unermüdlich betreibt sie auch im Alter mehrere Projekte gleichzeitig, gibt Zeitschriften heraus, tritt auf Tagungen und Kongressen auf.

„Sie haben einmal Bertolt Brecht als einen lebenslangen Lehrmeister bezeichnet. Was hat er Ihnen denn beigebracht?“

„Eigentlich hat er mir beigebracht, wie man mit Widersprüchen hantieren kann. …  Wie kriegt man die Kraft der Vernunft und die Kraft des Gefühls zusammen. Das lehrt Brecht. Ich brauch den praktisch immer, wo ich mit vielfältig anderen Menschen, mit Arbeitern, mit Frauen, mit… wo immer ich in schulender, in aufklärerischer Absicht unterwegs bin, gibt es von mir immer eine Kopfgymnastik mit Brecht…“

Zum ganzen Gespräch (Deutschlandfunk).

4. Januar

Arbeitsjournal 4. Januar

 

FOKUS HELENE WEIGEL

 

Helene Weigel singt „Das Frühjahr kommt“ von Bertolt Brecht.

 

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3. Januar

Akin: „Ich glaube, wir sind uns da einig, dass wir auf jeden Fall was Gutes machen wollen.“

Stefanie: „Absolut!“

Stefanie Reinsperger und Akin Isletme über ihr Projekt „Ich bin ein Dreck“ (Arbeitstitel) zum digitalen Brechtfestival 2021.

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2. Januar

FOKUS HELENE WEIGEL

Angesprochen auf ihre unerschöpfliche Energie sagt Helene Weigel im Gespräch 1969 – da ist sie selbst 69 Jahre alt: „Manchmal wären einige Leute froh, wenn ich nicht so viel hätte…“ Bei dem besagten Gespräch war nur ein Jahr vergangen, seit sie sich 1968 durch ihre vehemente Ablehnung des Einmarsches der Sowjetarmee in die CSSR auf für die DDR-Führung unliebsame Weise in die politischen Diskussionen eingemischt hatte. Zudem hatte sie auch vorher schon häufig besonders jungen Leuten Unterstützung gewährt, die mit ihrer Kritik an den politischen Verhältnissen Probleme bekommen hatten. Wie hoch Helene Weigel dies von kritischen Geistern angerechnet wird, zeigt ein Zettel aus dem Nachlass von Thomas Brasch. Er hatte gehofft, nach dem Prozess, der ihm und seinen Mitstreitern wegen der Flugblattverteilung gegen den Einmarsch in die CSSR 1968 gemacht worden war, nach der Haftverschonung im Brecht-Archiv anfangen zu können, was Helene Weigel ihm angeboten hatte. Es wäre für ihn eine Ehre, bei ihr anfangen zu dürfen: „wenn die flugblätter gegen den cssr-einmarsch und der knast solche arbeitsstelle eingebracht haben, hat sichs gelohnt.“

The B-Effect – Influences of/on Brecht//Der B-Effekt – Einflüsse von/auf BrechtFriedemann Weidauer, ed., The Brecht Yearbook/ Das Brecht-Jahrbuch Volume 37 (Storrs, CT: The International Brecht Society, 2012, S.97)

Quelle: https://search.library.wisc.edu/digital/A7GTGZXYCRDFUE84/pages/ABCN4MSA2MSVNZ8P

 

1. Januar

Jahresbeginn mit Suse Wächter, Laotse und Bertolt Brecht. Suse arbeitet zurzeit mit Matthias Trippner, Ulrike Gutbrod und den Künstlern von „Datenstrudel“ an dem Projekt „Helden des 20. Jahrhunderts singen Brecht“, das auch Teil des Brechtfestivals 2021 sein wird.

31. Dezember

Heiner Müller sagt im Gespräch mit Alexander Kluge: „Es gibt bei Brecht im >Ui< so einen Satz: ‚Wer raucht, sieht kaltblütig aus. Und wer raucht, wird kaltblütig.’ Vielleicht ist es das. Weil, du schließt dich kurz mit deiner Sexualität, wenn du rauchst, besonders Zigarren. Zigaretten – könnte ich wenig damit anfangen.“ (2’40“)

(© Alexander Kluge)

30. Dezember

Vor 25 Jahren, am 30.Dezember 1995, starb Heiner Müller.

Alexander Kluge hielt im Berliner Ensemble eine Trauerrede.

 

29. Dezember

»Erinnerung an die Marie A.«, Gedicht von Bertolt Brecht, mit Karin Baal.

28. Dezember

Das Hörspiel „Der Bau“ von Heiner Müller, nach den Motiven von Erik Neutsch‘ Roman „Spur der Steine“, wird heute, am 28.12.2020 um 22 Uhr auf „MDR KULTUR – Das Radio“ ausgestrahlt. Hier zu finden in der Mediathek des MDR.

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/audio-radio/audio-heiner-mueller-der-bau-100.html

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27. Dezember

Für alle, die es live verpasst haben: Das Berliner Ensemble zeigt begleitend zum Stream von Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ (Regie: Brecht/Engel) ein Online-Publikumsgespräch zur historischen Inszenierung und zur Aktualität Brechts. Mit Dr. Erdmut Wizisla, Leiter des Bertolt-Brecht-Archiv, und Jürgen Kuttner. Gesprächsleitung Johannes Nölting.

https://www.berliner-ensemble.de/be-live

 

26. Dezember

David Tschöpe: Hörspiel „Das Horoskop“ aus Brechts „Geschichten vom Herrn Keuner“

 

 

25. Dezember

Brechts alltägliche Sprache – ein kleines Wörterbuch:

a. Lobwörter

normal

freundlich

nützlich

hilfsbereit

begabt

lustig

echt

 

b. Schimpfwörter

korrupt

verkauft

Ausbeuter

undialektisch

unmarxistisch

 

c. Im Theater

zeigen

ausprobieren

Widerspruch

trocken

sprechen

Fabel

warum?

warum?

und immer wieder: warum?

 

Lieblingstier 

Sein Hund Rolf

 

Lieblingsfarbe

grau

 

Lieblingsmaterial

Leder

Holz

 

(Brechts Lai-tu. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau, Eulenspiegel-Verlag, S. 283)

 

24. Dezember

Die gute Nacht

Der Tag, vor dem der große Christ

zur Welt geboren worden ist,

war hart und wüst und ohne Vernunft.

Seine Eltern, ohne Unterkunft,

fürchteten sich vor seiner Geburt,

die gegen Abend erwaret wurd,

denn seine Geburt fiel in die kalte Zeit.

Aber sie verlief zur Zufriedenheit.

Der Stall, den sie doch noch gefunden hatten,

war warm und mit Moos zwischen seinen Latten,

und mit Kreide war auf die Tür gemalt.

daß der Stalll bewohnt war und bezahlt.

So wurde es doch noch eine gute Nacht,

auch das Heu war wärmer, als sie gedacht.

Ochs und Esel waren dabei,

damit alles in der Ordnung sei.

Eine Krippe gab einen kleinen Tisch,

und der Hausknecht brachte heimlich einen Fisch.

(denn es mußte bei der Geburt des großen Christ

alles heimlich gehen und mit List.)

Doch der Fisch war ausgezeichnet und reichte durchaus

und Maria lachte ihren Mann wegen seiner Besorgnis aus

denn am Abend legte sich sogar der Wind,

und war nicht mehr so kalt, wie die Winde sonst sind.

Aber bei Nacht war es fast wie ein Föhn,

Und der Stall war warm und das Kind war sehr schön.

Und es fehlte schon fast gar nichts mehr,

da kamen auch schon die Dreikönig daher!

Maria und Joseph waren zufrieden sehr.

Sie legten sich sehr zufrieden zum Ruhn

Mehr konnte die Welt für den Christ nicht tun.

 

(GBA 13, S.339f.)

 

In „Marianne“ reflektiert ein junger Bertolt Brecht über Beziehungen. Der auf Tagebuchaufzeichnungen basierende animierte Kurzfilm aus dem Jahr 2013 entstand beim New Yorker Produktionsbüro Ace&Son (Regie: Richard O`Connor).

 

23. Dezember

Weimar am Pazifik: Los Angeles als Kultur- und Musikstadt des Exils

„In dem Jahrzehnt zwischen 1940 und 1950 war Los Angeles die heimliche Hauptstadt der deutschen und österreichischen Exilkultur. Dort wurden einige der bedeutendsten deutschsprachigen Romane, Bühnenwerke und Gedichte verfasst. Man denke an Thomas Mann, Alfred Döblin, Bertolt Brecht oder Franz Werfel. Adorno und Horkheimer schrieben ihre Dialektik der Aufklärung.“ (SWR)

Und die Musiker, Komponisten, Regisseure? Arnold Schönberg, Erich Korngold, Ernst Krenek, Hanns Eisler, Bruno Walter, Otto Klemperer, Max Reinhardt. Ganz zu schweigen von den großen Filmregisseuren wie Ernst Lubitsch, Fritz Lang oder Billy Wilder.
Das hier aufgezeichnete Konzert stellt Komponisten vor, die in Los Angeles lange ihren Lebensmittelpunkt gefunden hatten, bis dann die McCarthy-Ära dieser Blüte ein jähes Ende bereitete.

Weimar am Pazifik: Los Angeles als Kultur- und Musikstadt des Exils

22. Dezember

James K. Lyon: Interview mit Barbara Brecht-Schall (7. Mai 1996)

Lyon: (…) in einem Brief an Korsch vom März 1944 schreibt Brecht: „Barbara geht zur High School und hat 3 Gedichte geschrieben, humoristische, was den Schock milderte.“ Haben Sie ihm die Gedichte selbst gezeigt?

Brecht-Schall: Selbstredend!

Lyon: Haben Sie Gedichte in einer Schülerzeitung oder -Zeitschrift oder sonstwo in den USA veröffentlicht?

Brecht-Schall: Nein. No one, no one, never, ever.

Lyon: Und haben Sie Gedichte auf Englisch und Deutsch geschrieben, oder nur auf Englisch?

Brecht-Schall: Englisch!

Lyon: Ich komme jetzt auf ein paar Titel von Gedichten, die Sie damals geschrieben haben wovon ich Kopien habe —

Brecht-Schall: — Papa war immer neidisch auf meine Dichtungen.

Lyon: Ja, das sagten Sie in einem Interview. Dort hieß es, er beneidete Sie wegen —

Brecht-Schall: — weil ich reimen konnte „like this“ (Handbewegung).

Lyon: Relativ leicht?

Brecht-Schall: Ja.

Lyon: So aus dem Ärmel geschüttelt?

Brecht-Schall: Aus dem Ärmel geschüttelt.

Lyon: Ist es Ihnen gar nicht schwer gefallen?

Brecht-Schall: Überhaupt nicht! Gar nicht!

Lyon: Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, wenn ich in einer Hinsicht ehrlich bin — your spelling was lousy. But your English was exceptional for a person of your age, and I’m amazed when I read it.

(Brecht-Jahrbuch Volume 12, 1997, zitiert nach: https://search.library.wisc.edu/digital/AGPWNWIRP5X46I8B/pages/A5IUWPXZJZOXNA8V) 

21. Dezember

Vor sechs Jahren stieß ich im Brecht-Archiv bei der Vorbereitung einer GALILEI-Inszenierung auf die Tonbänder seiner Proben aus dem Jahr 1955/56. Beim Hören wurde mir klar, dass sechzig Jahre Erinnerungs- und Interpretationsschutt die Theaterarbeit Brechts verdunkelt hatten. Die Probenmitschnitte eröffneten mir einen neuen, ungefilterten Blick auf seine praktische Arbeit. Brechts Klugheit, seine Sinnlichkeit, seine Vitalität und die Überzeugung, diese überliefern zu müssen, waren der Motor für diese Unternehmung. Aus knapp einhundert Stunden Material entstand ein zweistündiges Konzentrat, das Brechts Stück folgt und dem Regisseur mit seiner Klugheit, seinem Humor, seiner Vitalität. Als mir klar wurde, dass die Ordnung der Dinge auch mit Lebendigkeit bezahlt wird, bezog ich den Musiker und Komponisten Joachim Werner in diese Unternehmung ein. Er verwob unzählige Probenschnipsel zu einem vielschichtigem Hörbild, einem wild tanzenden Fest Brechtscher Dialektik. Daraus hier ein siebeneinhalbminütiger Ausschnitt.

Die gesamte Edition umfasst 2 CDs mit Probenausschnitten und eine CD mit dem Feature von Joachim Werner, sowie ein Booklet, mit Fotos und Text in der Manier der Brechtschen Modellbücher. (Stephan Suschke)

 

20. Dezember

„Trommeln in der Nacht“: Brecht revisited

Im September 1922 fand die legendäre Uraufführung statt. Ort der Handlung: die Münchner Kammerspiele – eine akustische Zeitreise durch die Theatergeschichte.

https://www.br.de/radio/bayern2/trommeln-in-der-nacht-revisited100.html

19. Dezember

Ein kurzer Eintrag in Brechts Notizbuch aus dem Jahr 1941 besagt:

“Le[e] Masters epigramme als film. die personen der kleinen stadt rezitieren.”

Die Notiz hält ein Vorhaben von Brecht fest, die 1916 veröffentlichte Spoon River Anthology des amerikanischen Schriftstellers Edgar Lee Masters (1869–1950) als Film umzusetzen. Eine Begegnung zwischen beiden war dann in den Jahren 1944/45 geplant und sogar von Brechts Freund und “amerikanischem Mentor” Ferdinand Reyher in die Wege geleitet, fand jedoch nie statt. … Der wichtigste Grund, dass das Projekt wie das Hornberger Schießen ausging, war Masters’ Armut: er konnte sich die Eisenbahnfahrt zur Westküste nicht leisten…

Masters’ Spoon River Anthology besteht aus 212 kurzen Grabinschriften der Toten des fiktiven Dorfes Spoon River, so genannt nach dem Fluss Spoon, der in der Nähe des Geburtsorts von Masters, Lewistown im Bundesstaat Illinois, fließt. Die Epitaphien werden selbst von den Toten gesprochen und sollen das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt satirisch darstellen.

(Gerrit-Jan Berendse – Brecht–Masters–Kunert, in: The Brecht Yearbook 44, S.1f. Copyright © 2019 by the International Brecht
Society

Edgar Lee Masters. THE HILL:

18. Dezember – intern 7

Kennedy-Platz, 10 Uhr morgens. Alles grau in grau. Wir schlüpfen durch den Bauzaun aufs Gelände und tauschen am Sicherheitscontainer persönliche Daten gegen Schutzhelme. Dann geht’s rein! Heutiger Tagesordnungspunkt: Location-Scouting im Großen Haus. Nicht irgendein großes Haus, DAS Große Haus, die sanierungsbedürftige Hauptspielstätte des Staatstheaters, das Jahrhundertprojekt. Der denkmalgeschützte Bau wird als Drehorte für ein Digitalprojekt des Berliner Videogestalters Bert Zander (Vita) gescoutet. Exklusiv für das Brechtfestival sollen Musikclips entstehen, bei denen Videoaufnahmen der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot an Augsburger Fassaden projiziert und abgefilmt werden. Eine Location könnte das Große Haus werden – Baustellencharme inklusive! Schon im Treppenhaus wird klar warum: „Sanierungsfall“ steht in schwarzer Schrift unter einem holzgerahmten Fetzen Tapete. Kunst am Bau? Kunst auf’m Bau! Entlang gesprayter Neonpfeile mäandern wir durchs Gebäude. Wir starten im Parkett, wo Flatterband den gespenstischen Zuschauerraum umzäunt. Vom Rang aus ließe sich gut auf den gefegten Boden projizieren. Weiter geht’s hinter die Bühne, wo Höhe und Tiefe imposant die Dimension des Bauvorhabens aufzeigen. Wahrlich ein Jahrhundertprojekt! Nostalgie-Flash dann im Foyer, das sich für eine Projektion besonders zu eignen scheint, bevor es zum Ausklang der kleinen Führung in den Gewölbekeller geht. Hier sieht’s noch ordentlich nach Arbeit aus. Davon haben wir gerade selbst genug, also lieber schnell zurück ins Büro. 

Fabian Schreyer, Veranstaltungsmarketing 

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17. Dezember

Ben Hartmann, der mit dem Pianisten Johannes Aue die Band „Milliarden“ bildet, über ihr Projekt zu Brechts Frauen beim Brechtfestival 2021:

„…was da genau passiert, da habe ich keinen blassen Schimmer! Das werden wir herausfinden und dann werdet ihr euch das anschauen können bei den Augsburger Festspielen…äh… was steht da? Beim Brechtfestival!“

 

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16. Dezember

„Mit schwerem Herzen, aber hochkarätigen Programm: Tom Kühnel und Jürgen Kuttner betreten mit dem Brechtfestival 2021 nur noch die digitale Bühne.“

Kompletter Artikel in der heutigen Printausgabe der Augsburger Allgemeinen und online.

15. Dezember – intern 6

Wir sind im großen Sitzungssaal im Rathaus. Der Kulturausschuss tagt heute und die Festivalleiter stellen den aktuellen Stand der Festivalplanung vor.

„Produktion statt Reproduktion“ – das gilt auch wieder 2021 für das Brechtfestival, sagt Jürgen Kuttner – gemeinsam mit Tom Kühnel künstlerischer Leiter des Brechtfestivals. Lieber selber machen, als Fertiges abspielen. Darauf haben auch Künstler*innen wie Paula Beer, Corinna Harfouch und Charly Hübner Lust. Sie sind dabei – denn, ja: Es wird ein Brechtfestival 2021 geben! Das ist nicht selbstverständlich. Es wird anders. Es wird sich vielleicht mal was ändern. Aber es wird passieren – und sogar auf der ganzen Welt sichtbar sein können: #digitalbrecht via www.brechtfestival.de vom 26.2 bis zum 7.3.

Es wird ein Abenteuer – eine Premiere, eine Neuerfindung. Nicht ganz freiwillig, aber gut… wir sind gespannt. Wie sagt der Kuttner immer: Kunst kann keine sichere Nummer sein, sonst ist es langweilig. So ganz frei zitiert…

Die Sitzung selber gibt schon einen Vorgeschmack: die Festivalleiter werden nämlich online zugeschaltet.

Ich schicke jetzt meine Pressemitteilung zum Stand der Dinge raus, die Weihnachtspost ist schon unterwegs … To be continued.

Tina Bühner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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14. Dezember

Briefmarke Mutter Courage

Begleitend zum Stream von Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ (Regie: Brecht/Engel) gibt es heute zwischen 19 und 20 Uhr live aus dem Großen Haus des Berliner Ensembles ein Online-Publikumsgespräch mit Jürgen Kuttner und Dr. Erdmut Wizisla, Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs.

13. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Der kongeniale Majakowski-Übersetzer Hugo Huppert über Margarete Steffin:

„Grete Steffin machte auf mich den Eindruck einer Intellektuellen, die es nicht sein will. Und zwar aus Gründen ihrer immensen Bescheidenheit und eines Vorurteils gegen die zeitgenössische Intelligenzia… Das hat sich bei mir so tief eingewurzelt, daß sie selbst sagte: ‚Ich möchte gar nicht intelligent im Sinne dieser Schicht sein, sondern bestenfalls bin ich nicht dumm und nicht unerfahren und nicht ausgesprochen blöd… Grete Steffin war bezaubernd, wie sie sprach, wie sie lachte, wie sie andere zum Lachen bringen konnte, wie heiter ihr Gemüt war, auch noch in einer Lage, die sie vielleicht schon durchschaute.

(…) wir Literaten und unsere Angehörigen und Freunde besuchten sie ständig. Ich muß sagen, daß ich sie außerordentlich liebgewonnen habe. Wir sprachen vor allem über literarische, geschichtliche und philosophische Dinge. Ihre Gespräche waren von einer ungekünstelten Gescheitheit, die sich sehr oft in Humor verwandelte und für uns alle zwingend zum Lachen war, wo wir doch genau wußten, wie tragisch die Situation ist und wie wenig wir Grund haben, unsere Traurigkeit zu verbergen. Wir waren fortwährend im Zustand der Angst, der Beklemmung, der schrecklichen Erwartungen. Die Hoffnung auf eine Besserung, auf Genesung, schwand eigentlich von Tag zu Tag. Aber Grete war furchtlos. Ich möchte fast sagen, mit Todesverachtung ging sie in den Tod. Ich möchte nicht sagen, daß sie ihn gewünscht hat, aber sie hat sich zu ihm in einer unglaublich philosophisch ausgewogenen Art etabliert, seelisch etabliert. Sie war eine Frau von ungewöhnlichen Qualitäten.

Sie selbst sagte mir: ‚Ich wollte dir noch manches sagen, bevor ich abkratze.’ Dieses Wort hab ich mir eingeprägt.“

(Hugo Huppert, zit. Nach: Hartmut Reiber, Grüß den Brecht! Das Leben der Margarete Steffin, Eulenspiegel Verlag Berlin 2008, S. 329f)

12. Dezember

„Haben Sie von Carola gehört?“

Trickfilm von Irina Rastorgueva und Thomas Martin

„Wir begraben hier die größte deutsche Schauspielerin, CN, gestorben 23 Jahre alt, das strahlendste, was wir gehabt haben, viele, die sie gesehen haben, hatten vorher nicht gewußt, daß der Mensch sich so leicht bewegen könnte. Vor wenigen Jahren, als sie die Bühne betrat, konnte diese Frau nicht auf der Bühne, nicht auf der Straße gehen, hatte sie keine Stimme und vermochte sie nicht zu sprechen, sie hat es gelernt durch Willenskraft. Mit weniger Anstrengung und zu geringerem Nutzen können Weltreiche erobert werden. Und alle diese Anstrengung, Eignung und Plan für diese wenige Zeit! Das Schicksal ist wahnsinnig.

So fingiert Brecht 1928 in einer Grabrede auf Carola Neher einen Tod, der zwar später, dennoch viel zu früh und völlig anders kam, als im Dreigroschenoperjahr zu ahnen war. Was der „ersten aller denkenden Schauspielerinnen“ zustoßen würde steht, auch in der Verbindung von Kunst und Politik exemplarisch für das blutige 20. Jahrhundert.

Konkret ist es die tragische Geschichte einer Schauspielerin: Nach einer vielverheißenden Konstellation aus Kunst, Liebe und Erfolg, einer später sich katastrophal auswirkenden Verquickung von Kunst, Liebe, Politik, findet sie sich gefangen zwischen zwei totalitären Systemen wieder. 1934 emigriert sie von Berlin über Wien und Prag nach Moskau, wird zwei Jahre später wegen trotzkistischer Aktivitäten angeklagt und verurteilt. Sie stirbt, 41 Jahre alt, nahe der kasachischen Grenze in einem Durchgangslager während der Deportation nach Sibirien, an Typhus. Ihre Biographie liest sich wie ein tragischer Gegenentwurf zum Lebenslauf der westwärts ausgewanderten Marlene Dietrichs. Adorno hat es gewusst: „Es läßt sich privat nicht mehr leben.“ Carola Neher hat es erfahren.

Der Film collagiert Aufnahmen des heutigen Berlin mit Archivmaterial und Animationszeichnungen, kombiniert mit dreidimensionalen Modellen und Puppenspiel. Der Animationsteil zitiert Werke von Käthe Kollwitz, Otto Dix, George Grosz, John Heartfield, Wassily Kandinsky, El Lissitzky, Vladimir Tatlin, Alexander Deineka und anderen deutschen und russischen Künstlern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Briefe von Carola Neher, Brecht, Walter Benjamin, Lion Feuchtwanger und anderen gehen in den Dialogteil ein.

Eine Szene des Films und Skizzen aus dem Storyboard wurden im Februar 2019 im Rahmen der „Brecht-Tage“ im Literaturforum Berlin gezeigt und ausgestellt.

Eine erste Rohfassung des gesamten Films wird beim Brechtfestival 2021 zu sehen sein.

11. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Lou Eisler über Margarete Steffin 2:

 

Sie war enorm begabt, sie war in jeder Beziehung begabt. Sie hat eine Sprache sofort gelernt, sie hat Dänisch sofort gelernt, konnte Norwegisch und das Stück von Grieg gleich übersetzen. Niemand konnte das. Und als sie in Russland war hat sie sofort Russisch gelernt. Also sie war ungeheuer talentiert.

Als ich da war gerade schrieb sie den Dreigroschenroman ab. Sie hatte auch sehr viele Einwände, die immer diskutiert wurden: und Brecht hat absolut auf sie gehört. Ihr Urteil war ihm ungeheuer maßgebend.

 

https://i1.wp.com/forbiddenmusic.org/wp-content/uploads/2014/07/louise-eisler_10385-w1b10.jpg?ssl=1

10. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Ruth Berlaus Freund, der Architekt Mogens Voltelen, der nun seinerseits darunter leidet, dass er Berlau an Brecht verliert, hebt die irrationalen Anteile dieser Liebesverwicklungen hervor:

 

„Meine Beobachtungen damals waren die: So wie Steffin abhängig von Brecht war, so war auch Ruth abhängig. Ruth hatte eine snobistische Ader. Es war auch ein bisschen Snobismus in ihrer Beziehung zu Brecht. … Das Snobistische bei ihr war eben, dass Brecht ein großer Mann war, und sie war mit ihm verbunden, war ihm nahe, und das gefiel ihr. Leute, die ein gewisses Ansehen hatten, hatten ihr Interesse.

Mein Eindruck damals war, dass Brecht ziemlich rücksichtslos und stark dominierend war. Er hatte seine eigenen Bedürfnisse und Gesichtspunkte, und danach mussten sie sich alle richten. … Er wollte sich durchsetzen. Und das tat er auch in seinen Beziehungen zu den Frauen, die ihn umgaben. … Und über die Untreue hatte er die Meinung: Ein Mann kann natürlich untreu sein, aber die Frau nicht. Er hatte ein Bild dafür: Wenn ein Mann durch die Stadt geht, dann kann er in jedes Haus eintreten, es gibt nichts, was ihn daran hindern kann. Aber eine Frau darf in ihre eigene Wohnung keine fremden Leute einlassen. …

Das war sein Argument für die unterschiedlichen Verpflichtungen, die Männer und Frauen haben, und das ist natürlich eine Scheinlogik.

Grete Steffin war ein ganz anderer Charakter. Sie war sehr zurückhaltend, dänisch sagen wir »selusleted«, also selbstauswischend, ich weiß nicht ob es ein deutsches Wort dafür gibt. Das heißt, sie beteiligte sich gar nicht an diesen Rollenspielen… Auf so etwas verzichtete sie. Sie wollte gar keinen Eindruck auf andere machen…“

(Quelle: Hartmut Reiber, Grüß den Brecht! Das Leben der Margarete Steffin, Eulenspiegel Verlag Berlin 2008, S.278f.)

9. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Sabine Kebir über das Verhältnis von Brecht zu Margarete Steffin:

„Nein, Margarete Steffin wurde nicht von Bertolt Brecht ausgebeutet. Und eine große Schriftstellerin wäre sie ohne ihn auch nicht geworden. Ihre Briefe belegen, daß sie bei Brecht in dichterischer Ausbildung war und ihn dafür in politischen Fragen beriet.

(…)

Steffin befand sich bei Brecht in permanenter Ausbildung. Unter seinem Einfluß schrieb sie – teilweise in den Briefen enthaltene – beachtenswerte Gedichte und Kurzprosa. Ihre dramatischen Versuche beurteilte sie selbst als noch im Agitpropstil befangen. Für Brecht wiederum war sie nicht nur wichtig wegen seines unstillbaren Bedarfs an konkreten soziologischen Kenntnissen der proletarischen Welt, sie half ihm auch bei der Erzeugung einer zugleich klassischen wie auch den Arbeitern verständlichen Sprache. Welcher Art ihre Vorschläge waren und wie er sie verwertete, geht aus einem mit seinen Anmerkungen versehenen Brief zu einer Szene zu „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“ hervor.

Von dem zu Ende der fünfziger Jahre in der DDR proklamierten „Bitterfelder Weg“, der ebenfalls Arbeiter- und Hochkultur zusammenführen sollte, unterscheidet sich die künstlerische Symbiose Steffin/Brecht vor allem durch ihre basisdemokratische Ausrichtung. Obgleich Steffin der Partei näher stand als Brecht, schwebte auch ihr eine eher der Wirklichkeit als der Partei verbundene Literatur vor. Weil sich heutige Literaturmode gegen jede soziologische Fundierung sperrt, mag das Projekt Steffin/Brecht antiquiert erscheinen. Dennoch sollte es nicht nur als Beispiel ewigen Geschlechterkampfs gelten. Vielmehr müßte es als geglücktester Teil eines Kapitels deutscher Kulturgeschichte aufgearbeitet werden.

taz, 17.7 1999

(Quelle: https://web.archive.org/web/20010427040651/http://www.geocities.com/paris/2427/taz17071999ms.html

8. Dezember

1921: Brecht ist in Berlin und war im Kino:

„Ich laufe abends in den Kino, sehe nicht, was gegeben wird, oder doch: eine Frau kujoniert ein Schwein. Aber mir fiel das Schicksal des Dienstmädchens ein, das bei Warschauers in einem Loch haust und arbeitet, die Schwindsucht hat, keine Heimat, keinen Mann, das tagelang nichts spricht, und die Wohnung ist finster. Und ich sehe nicht mehr, wo der große Unterschied ist, ich bin weit entfernt von Mitleid, ich meine nur, wie arm wir sind, wie affenhaft und mißbrauchbar, elend, hungrig, geduldig.“

(GBA 26, S. 263)

7. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Brief von Margarete Steffin an Bertolt Brecht, Paris 1933

(Aus: Margarete Steffin – Prosa, Gedichte, Briefe by Ute Kaiser)

6. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Lou Eisler, langjährige Ehefrau Hanns Eislers, berichtet:

 

Dieser Jemand ist Walter Benjamin, der in Paris an seinem kommentierten Briefband »Deutsche Menschen« arbeitet. Drei Jahre später schickt er das Buch, »das nun endlich gedruckt ist«, mit einer Widmung an Grete Steffin und schreibt ihr:

»Sie erinnern sich gewiß noch, wie Sie vor zwei [sic] Jahren im Palace-Hotel an dem Manuskript gearbeitet haben.«

Seinen Schrecken hat er überwinden können. Der bald darauf einsetzende Briefwechsel mit Steffin zeugt von gegenseitigem Verständnis und einem freundschaftlichen Verhältnis, das in Paris unter anderem mit gemeinsamen Kinobesuchen begründet wird.

(Hartmut Reiber, Grüß den Brecht! Das Leben der Margarete Steffin, Eulenspiegel Verlag Berlin 2008, S.199)

5. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Therese Giehse, die große Münchner Volksschauspielerin, Freundin von Klaus und Erika Mann, die „Mutter“ in der Züricher Uraufführung von Brechts „Mutter Courage“, Tscharlies jüdische Oma – liest Brechts Nachruf auf Margarete Steffin.

„Nach dem Tod meiner Mitarbeiterin M.S.“:

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4. Dezember

FOKUS MARGARETE STEFFIN

Das Augsburger Brechtfestival 2021 will sich schwerpunktmäßig mit den Frauen Brechts beschäftigen. Partnerinnen, Freundinnen und Mitarbeiterinnen, bei denen die Geschlechts-, Liebes- und Produktionsverhältnisse mit Brecht munter durcheinandergingen. Im Verlauf dieses Monats werden wir uns in fünf, sechs kurzen Beiträgen unseres Arbeitsjournals daher mit Margarete Steffin beschäftigen.

Eisler nannte sie ein „ungeheures Talent“, Brecht eine „gute Genossin“ und „kleine Lehrerin“.

Am 30.6.1942 notiert er in seinem Arbeitsjournal:

„ich habe nichts getan und werde nichts tun, den verlust gretes zu ‚verwinden’. Sich mit geschehenem aussöhnen – wozu sollte das gut sein? Da sind viele enden an diesem strick, an die noch angeknüpft werden muß. Hitler hat sie umgebracht und der hunger. Hitler lebt noch, und der hunger beherrscht die welt. Bei meinem versuch, sie zu retten, bin ich geschlagen worden, und es ihr leicht zu machen, habe ich nicht vermocht, die gelungenen werke soll man vergessen, aber nicht die mißlungenen.“

(GBA 27, S.110)

3. Dezember

„Wiewohl nichts so gespenstig ist, wie das Mittagslicht, steht es doch statistisch fest, daß der Monat Dezember die meisten Selbstmorde hat.“

(GBA 26, S. 288)

2. Dezember

Die Töchter sind im Bett und schlafen: Corinna und Roland von der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot singen in Vorbereitung auf das Brechtfest 2021 das „Wiegenlied No 2“ von Brecht und Eisler:

Info zur Band: https://www.bolschewistischekurkapelle.org

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1. Dezember

70 Fassaden für Filmaufnahmen gesucht – Augsburgs Stadtkulisse wird zur Bühne für das Brechtfestival!

Für einen künstlerischen Beitrag zum Brechtfestival 2021 suchen wir bis zu 70 Häuser- und Gebäudefassaden im Augsburger Stadtgebiet. Gesucht werden alle möglichen Fassaden, egal ob mit oder ohne Fenster. Es geht darum, das mannigfaltige Stadtbild festzuhalten mit allem, was es zu bieten hat: vom Prachtbau bis zum Zweifamilienhaus über genossenschaftliche Wohnanlagen, Kirchen, Hochhäuser, Industrieanlagen und malerische Häuserzeilen. Auch die Größe und Höhe des Hauses spielt keine Rolle – Hauptsache vielseitig!

Mitmachen:

Interessierte Eigentümer*innen wenden sich bis 8.12.2020 mit einem Digitalfoto der Frontalansicht des Gebäudes per E-Mail an popkultur@augsburg.de.

Konkret geht es um eine gemeinsame künstlerische Filmarbeit von Bert Zander und der Berliner Brass-Band »Bolschewistische Kurkapelle Schwarz Rot« für das Brechtfestival 2021, in der Augsburgs Stadtbild eine tragende Rolle spielen wird. Der Regisseur und freie Videogestalter Bert Zander gehört zu den gefragtesten Videokünstlern des deutschsprachigen Theaters. Seine Arbeiten waren u. a. am Thalia Theater Hamburg, an der Berliner Volksbühne, bei den Salzburger Festspielen und am Burgtheater Wien zu sehen. Er kommt im Dezember zu Filmaufnahmen nach Augsburg. Die Drehorte werden bereits im Vorfeld von Bert Zander ausgewählt.

30. November

ERWARTE SIE MITTWOCH WENN MÖGLICH 9.30 ZU EINEM GESPRÄCH – BERLINER ENSEMBLE HELENE WEIGEL –

Er ist gekommen um zu bleiben: Mit 22 Jahren nimmt Schauspieler Werner Riemann ein Vorstellungsgespräch als Kleindarsteller am Berliner Ensemble wahr, heute zählt er zu den Urgesteinen der Hauptstadtbühne. Das „Gedächtnis des Hauses“ gewährt euch auf rbb Kultur heute einen besonderen Blick hinter die Kulissen und führt euch von Helene Weigels Direktionszimmer bis unter die von sowjetischen Panzerrädern betriebene Drehbühne.

Video: Die Geschichte des Berliner Ensembles

29. November

Brecht über das Sprichwort „In der Not frisst der Teufel Fliegen“:

„Das Unangenehme an den von der Not servierten Fliegen ist es gewöhnlich, daß man so ungeheuer viel davon braucht, bis man mengenmäßig ein mittleres Kotelett zusammen hat, sie sind so klein.“

(aus: Brief an Erwin Piscator, Februar/März 1937, GBA 29 S.13)

28. November

Juliette Gréco, die in diesem Herbst verstorbene „grande dame de la chanson“, mit „La fiancée du pirate“ – ihrer am 19. Dezember 1965 live mitgeschnittenen Interpretation von Brechts Ballade „Seeräuber-Jenny“ aus der Dreigroschenoper.

Credit: Ron Kroon / Anefo

27. November

„Ja wat denn? Ja wat denn? Wat ist dat für ne Stadt denn?“ Im Oktober 1928 präsentierte sich die damalige Reichshauptstadt Berlin – finanziert durch eine Kampagne der Elektroindustrie – eine Woche lang als zukunftsweisende Lichterstadt. Kurt Weill und Bertolt Brecht sind die Stars beim Festival „Berlin im Licht“. Kurt Weill komponierte aus diesem Anlass seinen Lichtsong, dessen Text von Bertolt Brecht stammt. BR Klassik nimmt euch im Radiobeitrag mit zurück in den Herbst 1928

26. November

Ihr sucht einen Mediathek-Tipp für kalte Winterabende und seid bereit für eine Portion Nostalgie? Der SWR hat sein umfangreiches Archiv durchforstet und präsentiert der Öffentlichkeit über den ARD-Mediathekenkanal „SWR Retro“ kulturhistorische Schätze aus über 60 Jahren Hörfunk- und Fernsehgeschichte. Heutige Entdeckung: ein Bericht über die Premiere von Peter Palitzschs Film „Mutter Courage“ in der Inszenierung durch das Berliner Ensemble in Stuttgart (4 Min.).

25. November

In Hanns Eislers „Balladenbuch für Gesang und Klavier – op. 18/1-6“ findet sich mit der auf einem Brecht-Text fußenden Ballade „Abortion is illegal“ / „Ballade zum § 218“ (1929) auch ein Protestsong gegen den in der Weimarer Republik gültigen Abtreibungsparagraphen: Ballade zu Paragraph 218 (1929)

24. November

Premieren-Streaming über Twitch, Virtual-Reality-Inszenierungen, Etablierung zukunftsträchtiger Erzählformen – als „Projektleiterin digitale Entwicklung“ ist Theaterwissenschaftlerin Tina Lorenz seit diesem Herbst beim Staatstheater Augsburg für Digitalisierungsprozesse zuständig. Mehr aus der Arbeitswelt einer „Digitalisierungsbeauftragten“ im Kulturbetrieb im Beitrag der Süddeutschen Zeitung.

23. November

Liederabend als Online-Konzert: Musikerinnen interpretieren Songs von Brecht, Kreisler und Weill

„Wer dieses Konzert von zuhause aus mitverfolgen möchte, kann sich per E-Mail bei 3klang (gottfried.herrmann@3klang-musik.de) anmelden. Die Interessent*innen bekommen einen Link per E-Mail zugesendet. Auf diesen drücken sie dann am Mittwoch um 19.25 Uhr und schon befinden sie sich in einem virtuellen Konzertsaal und können dieses Konzert, das etwa 45 Minuten dauert, live genießen. Der Eintritt ist frei.“ (Quelle: @sz)

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/sangeskunst-aus-freising-liederabend-als-online-konzert-1.5112209

22. November

Liebeslied – Goebbels, Harth, Krause, Stötzner

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21. November

Bertolt Brecht – Okumuş bir işçi soruyor (Fragen eines lesenden Arbeiters)

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19. November

Peter Kammerer: Ein Gespräch mit Käthe Reichel in Buckow (4.2.1990):

…Also, ich glaube schon, dass die Generation von Brecht, … diese ganze intellektuelle Elite so hypnotisiert vom Faschismus war, dass sie auch den Stalinismus, wenn sie was darüber hörte, sehr verdrängt hat. Ich erinnere mich z.B., dass der Brecht, wenn er Leute, die in russischer Emigration waren, nach Carola Neher befragte, sagte, sie sei umgekommen. Und ich war sehr erstaunt, dass er dieses Wort „umgekommen“ benutzte, er, der sonst so konkret war in Begriffen. „Umgekommen“ ist ja ein sehr abstruses Wort, hat ja nichts Konkretes an sich. Umkommen kann ich auch, wenn ich ins Wasser falle und nicht schwimmen kann, dann komme ich um. Nicht? Oder wenn ich den Berg runterstürze, dann komme ich auch um. Also, … , das war vielleicht auch ein Vorsichtswort natürlich, ein Wort der Vorsicht, aber es war auch der ungeheure Wunsch, dass der Stalinismus nicht so grausam gewesen sein sollte, wie der Kapitalismus behauptete. Es war ein großes, inniges Wünschen. Und da der Faschismus so schlimm war, war der Sozialismus in Russland immer besser, immer gar nicht vergleichbar, von seiner Idee her. Denn die Idee des Sozialismus ist nicht Auschwitz zu bauen, ein Volk auszurotten. Durch dieses Doppelte, das auf die DDR flog, einerseits Leute, die den Sozialismus bei Stalin gelernt hatten, die andererseits in ein Land kamen, das ihre Heimat war, unter dem sie fürchterlich als Emigranten gelitten hatten, das diesen Krieg von Berlin bis Moskau und nach Berlin zurück gewollt und nicht früher aufgegeben hatte, das keine ökonomisch günstigen Bedingungen hatte, das konnte eigentlich nicht, das ist ein dreifacher Salto, der da zu springen gewesen wäre, das konnte eigentlich nicht gut gehen, und trotzdem konnte man diesen Zipfel Hoffnung nicht aufgeben. Nicht?

(Political intimacies = Politische Traulichkeiten, The Brecht Yearbook/Das Brecht-Jahrbuch Volume 34, S.13)

18. November

Als Sokrates in den Krieg zog
Bertolt Brecht hat das Kunststück fertig gebracht, die Geschichte vom Kampf des Philosophen bei Delion komplett umzudrehen. In seiner Kalendergeschichte „Der verwundete Sokrates“ wird die Schlacht nicht gegen die Boötier sondern gegen die Perser ausgefochten und sogar gewonnen – ausgerechnet durch die Angst des Sokrates.

17. November

Wie halten Sie’s mit Brecht?
Heinrich Breloer im Tagesgespräch mit Zuschauern

15. November

Kurzhörspiel
Bertolt Brecht: Die Frage ob es einen Gott gibt
Regie & Produktion: David Tschöpe.  

Textrechte: Suhrkamp Verlag. 1992

14. November

Kurt Weill, Bertolt Brecht: Der Lindberghflug- Ozeanflug (1929, Fernsehinszenierung 1992)

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13. November

Americans Pronouncing Bertolt Brecht

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12. November

Brecht an Ruth Berlau:

„Von allen Menschen, die ich kenne, bist Du der großzügigste. Kaum je habe ich Dich für Dich selber etwas kaufen sehen. Das Geld, das ich Dir mitunter geben konnte, verwandtest Du sofort für mich—nicht nur für Arbeitsmaterial, sondern auch für kleine Bequemlichkeiten. Du selbst lebtest in aller größter Bescheidenheit, oft Armut, dabei tatest Du immer die Arbeit mehrerer Menschen zugleich, kleine Arbeiten und große, unermüdlich und fast unmerklich. Da stand plötzlich Essen, da schritt eine riesige Arbeit an Fotos über Nacht fort wie in einer ganzen Woche. Oft waren die Arbeiten Pionierarbeiten, die Umgebung verstand ihre Bedeutung nicht. So machtest Du solche Arbeiten nahezu gegen alle, ohne Furcht vor dem Gelächter oder der Intrige. Die Fotos zu Tausenden, die Du von Manuskripten und Aufführungen gemacht hast, sind Zeugen von chinesischem Fleiß und einer Unabhängigkeit des Geistes, die man kaum sonst findet. Dazu half Dir dann Dein Sinn für das Wichtige, der auch selten ist.“

b

14. März 1950 (GBABd.30: 19f.)

11. November

Die Moritat von Mackie Messer.
Gesungen von Bertolt Brecht.
Musik: Kurt Weil

10. November

SCHWÄCHEN

Du hattest keine.

Ich hatte eine:

ich liebte.

(Brechts Lai-tu. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau, Eulenspiegel-Verlag, S.262f)

9. November

Brecht/Weills „Haifisch“ auf brasilianisch: Der Musiker, Schriftsteller und Dramatiker Francisco Buarque de Hollanda aka Chico Buarque singt O Malandro

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7. November

Alte Frauen (Les petites Vieilles)

Lesung eines Gedichts von Charles Baudelaire in der Übersetzung von Bertolt Brecht und Walter Benjamin.

Ein Film von Foad Mir

 

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6. November

Und wie steht es mit Bertolt Brecht?

Den Gang entlang, rechte Seite, zweiter Schrank. Da finden Sie alles!

Augsburger Allgemeine

5. November

Dear Mr. Hoover:
I should like to make a confidential report. The day before yesterday the writer Berthold Brecht appeared before the Committee of un-American activities and stated that he never wrote communistic literature but road only against Hitler. In reality Brecht has always acted and written as a propagandist of Communism and Sovietism. In 1919 he was editorialist oft the„Rote Fahne“ (Red Flag) in Augsburg.
EINE ZEILE GESCHWÄRZT
I have followed Brechts career from that time on. Brecht was anunswering advocate of Soviet policy in Germany; he rode several outright communistic plays; among them „Die Massnahme“ /“The measure“) and „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“, 1932 („St.Joan oft he sloughter-houses“). The letter play is located in America and Brecht tries to prove the necessity of he downfall of capitalism and free enterprise. In 1932, the Democratic (Pre-Hitlerian) Government of Hesse (Darmstadt) forbade the performance of („St. Joan oft he sloughter-houses“ because of its communistic tendency. One oft he shorter plays of Brecht (I forgot the title) is written in praise oft he secret societies inall countries which work for Soviet-Russia. Berthold Brecht was in Moscow several times; he was co-editor oft he Russian Magazine „Das Wort“ (it appeared in Moscow during the Nazi-Regime in German language). I remember distinctly to have read in one of the issues a diatribe of Brecht against America. I happen to be in contact with friends of Brecht and therefor I know that he has not deviated a bit from the official Russian party line. Several weeks ago he said something like that he and his like are now obliged to palm themselves off „as democrats“. As far as I know Brecht planst o travel to Europe very soon via Switzerland and Iam convinced that he will try to move in the Eastern Zone of Germany in order to work for his communistic ideas. The above???? works of Brecht are available in the library of Congress. Nobody who reads them will doubt that they are communistic literature.
RESTLICHE CA SIEBEN ZEILEN GESCHWÄRZT

(FBI Updates Vault Home •Bertolt Brecht Part 3 of 4, p.92)

4. November

Aufruf an die Theater (1926):

»Wir müssen, um die theatralische Wirkung zu erreichen, unter Umständen das Theater selbst so weit ändern, daß der heutige Name ›Theater‹ kaum noch darauf paßt. Unaufhörlich müssen wir darüber nachdenken, wie das Theater sein müßte, damit es dieser Zeit, die sich von anderen Zeiten zumindest nicht weniger unterscheidet als jede Zeit von jeder anderen Zeit, etwas zu sagen habe, und unser einziges Kriterium ist unser eigener Spaß, den wir verspüren. Einwendungen, wir seien nicht maßgebend, unsere Art uns zu unterhalten, sei privat und individuell, dürfen wir kein Gehör schenken; denn es ist unsere einzige Möglichkeit, uns unsere Zuschauer selber zu schaffen.«

(GBA 21, S. 173)

3. November

„Die Toten brauchen keine Jeans, keine Kiwis“, sagt Heiner Müller

taz: Sie haben mal gesagt, dass Brecht, wie alle klugen Menschen, rechtzeitig gestorben ist–nämlich vor der Niederschlagung des Budapester Aufstands. Danach hätte er kein Kommunist mehr sein können. Und Sie? Sind Sie rechtzeitig gestorben?

Räuspert sich, trinkt Korn.

Sie waren der letzte sozialistische Schriftsteller?

Müller: Vielleicht. In einem der Svendborger Gespräche Walter Benjamins mit Brecht sagt Benjamin den dunklen Satz: „Kafka ist der erste bolschewistische Schriftsteller“, und Brecht erwiderte: „Dann bin ich der letzte katholische.“ Beide Sätze sind von der Geschichte bestätigt worden.

https://taz.de/Die-Toten-brauchen-keine-Jeans-keine-Kiwis-sagt-Heiner-Mueller/!809431

2. November

Frank Wolff, Cellist zwischen E und U, Mitbegründer des Frankfurter Kurorchesters, eingeladen zum Brechtfestival 2021.

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1. November

Eine Idee Brechts aus dem Zusammenhang des DDR-Schriftstellerkongresses 1956 in den Zusammenhang des Augsburger Brechtfestival 2021 gerissen:

„Ich wollte die Rede bringen noch auf einen andern Punkt, das ist die Frage: wie wir wieder kommen zu kleinen, wendigen Kampfformen, wie wir sie einmal in der Agitprop-Bewegung gehabt haben. Ich meine, dass man für die Dramatik, auch der Theater, sehr viel gewinnen würde….Wir haben Lastwägen zur Verfügung, wir haben junge Schauspieler an unseren Theater, Berufsschauspieler, die wahrscheinlich hier mitmachen würden…Ich kann mir das nicht schwierig vorstellen! Das können wir in einer halben Stunde organisieren in unserem Theater – also kann man es auch an jedem anderen Theater organisieren.“

AUDIO (Brecht-Rede vor der Sektion Dramatik IV. Deutscher Schriftstellerkongress der DDR im Berliner DT (CD2, Track 14)

31. Oktober

FATZER:

Auch habe ich starke Unlust, einzig zu tun

Von vielen Taten die, welche mir nützlich. Aber Lust

Zu vergraben das gute Fleisch und zu spucken

In das trinkbare Wasser

Dies ist nicht einfach.

Ihr aber rechnet auf den Bruchteil aus

Was mir zu tun bleibt, und setzts in die Rechnung.

Aber ich tus nicht! Rechnet!

Rechnet mit Fatzers Zehngroschen-Ausdauer

Und Fatzers täglichem Einfall!

Schätzt ab meinen Abgrund

Setzt für Unvorhergesehenes fünf

Behaltet von allem, was an mir ist

Nur das euch Nützliche.

Der Rest ist Fatzer.

 

(GBA 10, S.495 )

30. Oktober

Ein Blick zurück auf die Anfänge der Radiokunst im DLF.

Zitat:

„Am 9.Oktober 1923 geht in Berlin die erste deutsche Radiostation on air. Wohlgemerkt, die erste zivile Radiostation … Außer Bertolt Brecht und seinen Freunden Walter Benjamin und Kurt Weill … scheinen Schriftsteller und Komponisten einen Bogen um das Radio zu machen.“

29. Oktober

1928:

Henry Graf Kessler über einen Besuch in der Wohnung Erwin Piscators:

„Brecht kennengelernt. Auffallender Dekadentenkopf, fast schon Verbrecherphysiognomie, sehr dunkel, schwarzes Haar, schwarze Augen, dunkle Haut, ein eigenartig lauernder Gesichtsausdruck: fast der typische Ganove. Aber wenn man mit ihm spricht, taut er auf, wird fast naiv. Ich erzählte ihm, wie es schien zu seinem größten Vergnügen, d’Annunzio-Anekdoten. Er ist jedenfalls ,ein Kopf‘,  wenigstens äußerlich, und nicht unsympathisch (wie Bronnen).“

(Begegnungen mit Bertolt Brecht. Hg. v. Erdmut Wizisla. Leipzig: Lehmstedt, 2009, S. 10.)

28. Oktober

Update

Clemens Schönborn muss sein für das Brechtfestival geplantes Filmprojekt  (siehe Eintrag v. 23.9.) aus persönlichen Gründen leider absagen. Mit seiner Hilfe konnten wir aber Adrien Lamande gewinnen, mit Augsburger*innen einen „hit-and-run“-Film zu drehen.
Danke Clemens und alles Gute!

27. Oktober

Ein kurzer Film von Alexander Kluge.

„Man kann nicht lernen, nicht zu lernen/Menschlicher Entwurf“ (Alexander Kluge)

26. Oktober

Aus einem Brief an den Verleger Dr. Peter Suhrkamp:

Dienstag, 16. Januar 51

[…] Ich nahm ein Exemplar von … »Jedes Tier kann es« mit nach Hause. Ich blätterte bißchen rum, las hier und da etwas: Wissen Sie, es ist ein gutes Buch! Wirklich. Ich schrieb es ja auch mit Brecht zusammen. […]Das Buch ist modern und neuartig und brechtisch. Es ist auch so, daß Männer das Buch nicht gern lesen, es ist eine Kritik an Männern. Und vor allem müßte ich Ihnen sagen, da fehlt ein wichtiges Kapitel, ein Schlußkapitel, das ich mit Brecht schon geschrieben habe (nicht ganz fertig). Es ist eine Kritik an Frauen. Und, glauben Sie mir, da ist Brecht groß. Eigentlich verachtet er ja uns Frauen tief, nur über Rosa Luxemburg und über Krupskaja, Lenins Frau, kann man ihm Gutsagen abpressen. Ja, und natürlich über Weigel!!! Mich hat er immer behandelt wie den letzten Dreck – leider liebe ich ihn. […]

…Aber das Schlußkapitel für mein Buch ist wichtig. Das ist ein kräftiges Kapitel, denn natürlich haben die Frauen ebensoviel »Schuld« (wenn man überhaupt von Schuld sprechen kann) wie die lieben Männer.

(Brechts Lai-tu. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau, Eulenspiegel-Verlag, S.262f)

25. Oktober

Marion Brasch (die im Rahmen des Brechtfestivals lesen wird) war vor zwei Jahren länger in New York und hat Filmschnipsel gesammelt. Als durch Corona in Manhattan das öffentliche Leben völlig zum Erliegen kam, hat sie aus den Schnipseln und Tom Waits‘ Version von „Wovon lebt der Mensch“ aus der Dreigroschenoper dieses Video gemacht

24. Oktober

Audio: Brecht, Steffin, Benjamin – Flüchtlingsgespräche im dänischen Exil

23. Oktober

B.K.Tragelehn im Gespräch mit Holger Teschke

Du warst Brechts letzter Meisterschüler an der Berliner Akademie der Künste.

Praktisch war ich Regieassistent im Berliner Ensemble, mit dem Stipendium der Akademie. Mit meinen neunzehn Jahren hab ich alles aufgesogen wie ein Schwamm, gierig. Müller hab ich kennengelernt ein Jahr nach Brechts Tod. Der Lohndrücker war gedruckt worden. Müller hatte das Stück geschrieben, das Brecht nicht schreiben konnte, nach einer Materialsammlung, die für Brecht gemacht worden war. Käthe Rülickes Hans Garbe erzählt, ein Bio-Interview in der Tradition von Brechts Freund Tretjakow. Aber Bio-Interview durfte es damals nicht heißen, das galt als Proletkult, und die SED sah in ihrer Kulturpolitik von Anfang an auf bürgerliche Reputation, eines sozialdemokratische Tradition. Nach der Lektüre von Lohndrücker wußte ich, wo es weiter geht nach Brechts  Tod. Heiner war sieben Jahre älter als ich, und Brecht, der auch für ihn ein großer Eindruck gewesen ist, hätte er schon sortiert für sich. Brecht gebrauchen, ohne ihn zu kritisieren, ist Verrat, hat er später geschrieben. Müller hat mich davor bewahrt, ein Sektierer zu werden-etwa die Anbetung der Parabelform mitzumachen, die Kern von Wekwerths Erbepflege geworden ist am BE.

(B.K.Tragelehn: Der Resozismus im Abendlicht. Gespräch & Gedichte, Edition Ornament im quartus-Verlag 2014, S.9f)

22. Oktober – intern 5

Beim Ortstermin am 16.10. auf dem Gaswerk herrscht Aufbruchsstimmung. Jürgen Kuttner ist für diesen Ortstermin aus Berlin angereist. Die Technische Leitung geht noch einmal mit uns gemeinsam alle in Frage kommenden Spielorte durch: Großer und Kleiner Scheibengasbehälter, LKW-Wagenburg, KFZ-Gebäude und mit etwas Glück sogar ein ganzes Zirkuszelt (darüber muss der Stadtrat noch entscheiden).

In Gedanken projizieren wir großflächig Brecht-Filme auf die eingerüsteten Gebäude, stellen uns Feuerschalen vor und viele kleine Lagerfeuer über das ganze Gelände verstreut. Konrad Hölzl von der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz Rot ist da. Wir fragen ihn, ob die Musiker*innen die Außentreppe des Großen Scheibengasbehälters bespielen könnten. Könnten sie, sagt Konrad!

Überhaupt ist der Scheibengasbehälter an diesem Tag ein großer Hoffnungsschimmer. Mehr Leute im oberen Bereich als ursprünglich gedacht, mollige Wärme unten – all das scheint an diesem Tag im Bereich des Möglichen. Wir hätten sogar schon einen Ansatz für ein grobes Konzept, mit dem wir die Besucher*innen in vier verschiedenen Touren corona-konform über das Gelände lotsen könnten. „Wenn Christlkindlmärkte gehen“, sagt Jürgen dem A-TV Reporter – „dann kriegen wir doch auch ein Brechtfestival mit Außenbespielung im Frühjahr hin“.

Katrin Dollinger, Brechtbüro, Projektkoordination

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21. Oktober

Bis Ende des Jahres zeigt das Berliner Ensemble im „Stream des Monats“ historische Brecht-Inszenierungen: Ab 16. Oktober wird in Zusammenarbeit mit dem Bertolt-Brecht-Archiv der Akademie der Künste Brechts eigene Inszenierung von „Die Mutter“ mit Helene Weigel in der Titelrolle (1951/58, Regie Bertolt Brecht/Manfred Wekwerth) gezeigt.

Einführung durch Erdmut Wizisla.

20. Oktober

1916:
Brecht notiert Liebeskummer: „Heute bin ich wirklich in der Frühe die Kreuzstraße hinaufgegangen. Es regnete, und der Wind ging immer noch, und mein Herz war sehr rebellisch. Aber ich mußte die kleine Ostheimer* sehen oder ihre stillen Augen, denn ich muß wieder etwas haben, an das ich den ganzen Tag und die ganze Nacht denken kann. Aber sie kam nicht oder war schon in der Schule.[…] Man kann vielleicht mit ihr gehen und muß nichts reden. Das kann man mit Freunden nicht. Auch ist sie vielleicht gütig, sie hat ein gutes Lächeln, besonders, wenn sie auf Kinder sieht.“
(GBA 26, S. 107-108)
*Therese Ostheimer (1898-1977) besucht die Lehrerinnenbildungsanstalt des Englischen Instituts, heute Maria Ward.  Am 16. Juli1916 hat Brecht ihr einen langen Brief geschrieben (GBA 28, S. 20-22); sie scheint nicht reagiert zu haben.

19. Oktober

Brecht – Die Kunst zu leben (Joachim Lang, 2006)

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18. Oktober

In America, Brecht grew to love the idioms and regionalisms of American English, and these were the source from which the country’s folk music sprang. Brecht’s enthusiasm for Burl Ives has already been discussed. He also translated the black American blues singer Leadbelly’s version of the traditional song ‘The Gray Goose’. A young American woman he had befriended told Brecht that the goose in the song was an emblem of protest, representing the dogged survival of black Americans. In the song a goose is shot by a pastor, but it is too tough to be eaten by any of the family, even after being boiled for six weeks. When they try to feed it to the pigs, it breaks the sow’s jawbone, and when they then try to cut it in the sawmill, it breaks the saw’s teeth. In Leadbelly’s final verse the goose flies off to freedom over the ocean, followed by six goslings. Brecht’s treatment of the song indicates that he also practised free translation rather than absolute fidelity to the original. In his ‘Die haltbare Graugans’, which was later set to music by both Paul Dessau and Hanns Eisler, Brecht changed the cooking time to six years (the length of the war), which suggests that in his poem the goose represents Europe. Brecht the atheist replaced Leadbelly’s chorus of ‘Lawd Lawd’ with the German affirmative response: ‘Ja, ja’.

(Esther Jane Quin Harcourt, BERTOLT BRECHT AND BOB DYLAN: INFLUENCE AND IDENTITY. A thesis submitted to the Victoria University of Wellington 2006)

17. Oktober

Tagebuch 1921:

Ich habe Gilbert Keith Chestertons Detektivgeschichten in die Hände bekommen. Ich habe keine bessern gelesen. Hier löst tatsächlich der Verstand die Aufgabe. Diese Engländer, ob sie Patrioten sind wie Kipling oder Katholiken wie Chesterton, sie verstehen Ihr Geschäft und zerfasern nicht Probleme, sondern zeigen die praktischen, nützlichen Seiten ihrer Methoden, sie handeln zumeist wie gewisse Geschäftsreisende in Thermosflaschen, die ihre »unzerbrechllchen« Flaschen mit barbarischer Wut auf den Boden werfen oder mit anderen, zerbrechlicheren, zusammenschlagen, um die Güte ihrer Flasche zu beweisen.

(GBA, S. 244)

Anm: (Gilbert Keith Chesterstons Detektivgeschichten)

Einer der Kriminalromane Chestertons, die Brecht sehr beeindruckt haben, ist The Man Who Was Thursday (dt.: Der Mann, der Donnerstag war; 1910); er schenkt das Buch Hedda Kühn. 1921 notiert er:

„G.K.C. Er hat wirkliche Detektivgeschichten geschrieben, der Nachbar Doyles, der Philosoph, Detektivgeschichten.

Das heißt: eine Schlacht mit Hilfe von Geheimdetektiven gewinnen zu wollen.“ (Notizbuch 1921, Nachlaß.)

(GBA, S. 566)

16. Oktober

1938:

Abends verursacht B, der mit Helene Weigel und Margarete Steffin im Auto unterwegs ist, einen Unfall, über den die Kopenhagener Zeitung Politiken berichtet. Brecht korrigiert die Meldungen in einem Brief an die Redaktion. Er sei nicht von Scheinwerfern eines entgegenkommenden Autos geblendet gewesen. Um einen vor den Wagen springenden Jungen nicht zu verletzen, sei er nach rechts ausgewichen, wo er die Mutter des Jungenstreifte. „Vielleicht hätte ich auf keinen Fall auf den Fußweg abbiegen dürfen, auch nicht um ein Menschenleben zu schonen, und ganz gleichgültig, ob der Fußweg mir frei schien. Das mag, ich weiß es nicht, juristisch eingewendet werden können, aber schon aus Menschlichkeit wird wohl jeder Fahrer in solchen Situationen zu vermeiden suchen, jemanden zu überfahren.“ Im Verlauf mehrerer Verhandlungen wird, wie Margarete Steffin (im Dezember 1939) Fredrik Martner mitteilt, ein Gerichtstermin über den Unfall auf den 14.12.39 festgesetzt.  Ob Steffin beim Gericht eine Verschiebung durchsetzten konnte, wie sie das wünscht, um daran teilzunehmen, ist nicht bekannt.

(Werner Hecht: Brecht Chronik. Suhrkamp, Frankfurt a. M. S. 555.)

Dazu und sehr lesenswert:

„Ein lehhreicher Unfall des Dichters Brecht“

(aus: „SCHROTT. Bilder aus der Geschwindigkeitsfabrik. Eine fragmentarische Kulturgeschichtedes Autounfalls“. Eine Website von Matthias Bickenbach & Michael Stolzke)

15. Oktober

Es war einmal ein Rabe
Ein schlauer alter Knabe
Dem sagte ein Kanari, der
In seinem Käfig sang: Schau her
Von Kunst
Hast Du keinen Dunst.
Der Rabe sagte ärgerlich:
Wenn Du nicht singen könntest
Wärst Du so frei wie ich

(GBA 14, S. 243)

14. Oktober

What Keeps Mankind Alive – William S. Burroughs

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13. Oktober

Wladimir Kaminer

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12. Oktober

Kurzhörspiel
Bertolt Brecht: „Herr Keuner und die Schauspielerin“
Regie & Produktion: David Tschöpe.

Textrechte: Suhrkamp Verlag. 1992

 

11. Oktober

Nachtrag zum 10. Oktober
„Ein Star der alles dürfen darf“ – Lotte Lenya
HIER in der Mediathek des ORF

10. Oktober

1932:
Helene Weigel … findet ihre Bereitschaft, sich mit B zu arrangieren, von ihm nicht in gleichem Maße erwidert. Durch sein Zusammensein mit der kranken Margarete Steffin sieht sie außerdem die ganze Familie gesundheitlich gefährdet. Die Ehe gerät in eine schwere Krise.
Margarete Steffin ist inzwischen von B schwanger; sie entschließt sich zu einer Abtreibung. Da sie bereits vor ihrer Bekanntschaft mit B 1928 und 1930 Schwangerschaftsabbrüche vornehmen ließ, belastet sie der erneute Entschluß sehr stark. Sie schreibt darüber das Gedicht Natürlich hab ich als Kind ,in dem eine Strophe lautet: »Auch die größte Liebe weiß uns /Bei der Sorge um Brot keinen Rat. / Wer keine Stellung hat, muß sorgen / Daß er keine Kinder hat.«

(Werner Hecht, Brecht-Chronik 1898-1956 S. 326)

9. Oktober – intern 4

Bei der gestrigen Videoschalte hatten wir unsere Graphik-Agentur KW Neun zu Gast. Kuttner wünscht sich von Mara und Arthur einen minimalistischen, funktionalen Brechtlook: „grau, eckig, stapelbar“ – oder wie Brecht sagte, ihm sei jede Farbe recht, nur grau müsse sie sein. Die Vorstellungen davon, wie das aussehen soll fallen in der Runde noch sehr unterschiedlich aus. Auch was die Spielorte angeht muss weiter nachgedacht werden. Das Parkhaus auf dem Gaswerk hat sich inzwischen als Spielort gedanklich pulverisiert. Brandschutz! Da ist Kunst ausgeschlossen. Dazu noch Corona-Maßnahmen. Seit Dienstag ist Berlin Risikogebiet. Wer immer auch nächste Woche aus Berlin zum Dispotermin nach Augsburg kommen soll, muss im Hotel  einen negativen Corona-Test vorweisen und das kostet. Man munkelt von bis zu 150 Euro pro Test und das Ergebnis darf bei der Einreise nicht älter als 48 Stunden sein. „Ich bin mir nicht sicher, dass das Brechtfestival im Februar so stattfinden kann, wie wir das gerade planen“, hör ich Kuttner sagen. „Corona kann mich mal“, denk ich. Unerschütterliche Optimistin die ich bin, tüftle ich in Gedanken an einer Logistik für Schnelltests für unsere Künstler*innen und plane dafür einen großzügigen Posten im Festivalbudget ein.

Katrin Dollinger, Brechtbüro, Projektkoordination

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8. Oktober

Gefragt, was er mit Brecht gemeinsam habe, antwortete Peter Handke 1966:
»Die gleiche Zahl von Buchstaben im Nachnamen und den Verleger.«

(Quelle: Peter Handke/Siegfried Unseld, Der Briefwechsel, Suhrkamp Verlag 2012)

7. Oktober

1921: Brecht mag den Plärrer nicht mehr

„Es ist ein Oktoberfest hier, Buden mit Bier, Clowns, Akten, Konzert! Man fährt auf Karussells, die einen in die Luftschleudern. Schaukeln kraft eigener Muskelkraft. Es ist so langweilig. Welche Abortwand-Visagen! Welch haustierische Stimmen! Attraktionsbuden pumpen die Romantik hoch, das Volk, dumm, lasterhaft, geduldig, läßt sich kitzeln. Man lebt nicht ewig.”

(GBA 26, S. 250)

6. Oktober

Margarete Steffins Theaterstück »Wenn er einen Engel hätte«:

Um den 5. Oktober 1934 herum verläßt sie Moskau und kommt nach einer langen Bahnfahrt in Arasindo im Kaukasus an, einem schwer erreichbaren Kurort im Gebirge, »7 1/2 Bahnstunden u. 4 scheußliche Autostunden« von Tbilissi entfernt. Wenige Wochen später schickt sie Brecht aus dem Sanatorium einen Entwurf zu ihrem Theaterstück »Wenn er einen Engel hätte«. Brecht ist inzwischen auf Arbeitssuche in London und versucht dort einen Film herzustellen, der dann aber nicht realisiert wird. Er ist von Steffins Entwurf sehr angetan:

»Schick doch bald mehr von der >Schutzengel<-Geschichte! Sie kam mir sehr amüsant vor, ich lachte sogar laut.«

Er rät ihr, die Szenen zuerst einmal in Prosa zu schreiben, einfach und realistisch. Grete Steffin arbeitet in einer Umgebung, die sie nicht auf Ruhe und Konzentration einstimmt, aber das scheint sie nicht zu stören:

»Besinnen Sie sich noch auf den kleinen Plan des >Schutzengels< , von dem ich Ihnen mal erzählte?«, schreibt sie an Walter Benjamin. »Ich habe jetzt im Klub inmitten spielender, erzählender, klavierender Leute einen Rohentwurf fertig gemacht und bin sehr befriedigt davon, obwohl er ganz auf Agitprop-Ton abgestimmt ist, was nicht bleiben darf.«

Während des Schreibens stellt sich heraus, daß sie nicht nur den Agitprop-Ton zu überwinden hat, der ebenso wie Thema und Stoff der Fabel auf ihre Kindheits-und Jugenderfahrungen zurückgeht. Den eigentlichen Teil der Arbeit macht die Transformation vom Agitprop in die Gestalt eines Dramas aus-für Grete Steffin ein entscheidender Sprung in ihrer Entwicklung als Autorin.

(Hartmut Reiber: Grüß den Brecht. Das Leben der Margarete Steffin, Eulenspiegel Verlag 2008, S. 229)

5. Oktober

Im Herbst 1963 sorgt eine Werbeaktion für Brecht in Frankfurt für Aufsehen. Die Kino-Wochenschau „Zeit unter der Lupe“ hat die Aktion mit der Kamera dokumentiert. Wir veröffentlichen den Ausschnitt hier mit freundlicher Genehmigung des Bundesfilmarchivs:

4. Oktober

Interview mit Knut Cordsen von BR2 zu 100 Jahre Radio und Brecht.Blöderweise vergessen, unsere Zusammenarbeit von Brechtfestival und Bayerischem Rundfunk zu erwähnen! 🙁
Sowas passiert eben, wenn man früh morgens vom Radio überfallen wird…

https://www.br.de/nachrichten/kultur/100-jahre-radio-von-rundfunk-utopien-zur-digitalen-revolution,SCFxXI8

3. Oktober – Tag der Deutschen Einheit

Heiner Müller:
“Das Besondere unserer früheren Abgeschlossenheit war, daß der Druck hier (gemeint ist die DDR – JK) in einem viel stärkeren Maße Erfahrungsdruck war, was auch seine Vorteile hat. Brecht hat das in seiner Emigration in den USA beschrieben, wo er ja sehr isoliert und ein fremdes Gewächs war. Das hat ihn gezwungen, dauerhaft zu schreiben. Dagegen geht es in der Bundesrepublik, in die wir jetzt selig eingetreten, nicht um Dauer, sondern um momentane Anwesenheit, um die Präsenz. Und das ist für Kunst einigermaßen tödlich.”
[1990]

(in: Heiner Müller, Der amerikanische Leviathan, Herausgegeben und mit einem Nachwort von Frank M. Raddatz edition suhrkamp 2756)

Müller schlug übrigens vor, Brecht Kinderhymne zur neuen
Nationalhymne des wiedervereinigten Deutschlands zu machen:

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

2. Oktober

Das neue Dreigroschenheft (4/2020) ist erschienen.
Schwerpunkt: Rosa Amann, der Brechts “Erinnerung an die Marie
A.” gilt. Eine wunderbare, kleine Publikation – zu Unrecht
viel zu unbekannt!
Das Download-Archiv sämtlicher Hefte seit 1994(!) findet sich
unter folgendem Link:
https://www.dreigroschenheft.de/hefte-zum-download

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1. Oktober

Heute ab 19.00 Uhr live im Audio-Stream : Brechtfestivalleiter Jürgen Kuttner moderiert die Eröffnung zur Ausstellung „ON AIR. 100 Jahre Radio“ im Museum für Kommunikation Berlin.

Kuttnervisual 100Jahre Radio

AUDIO-STREAM am 1. Oktober 2020 um 19 Uhr. Schalten Sie ein!

 

Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. Und wer waren alle?“

Bertolt Brecht

Zur Ausstellung „ON AIR. 100 Jahre Radio“ arbeitet das Brechtfestivals erstmals mit dem Museum für Kommunikation in Berlin zusammen. Brechtfestivalleiter und Radio-Experte Jürgen Kuttner moderiert, ist DJ, führt Gespräche und leitet Sie durch einen abwechslungsreichen Radio-Abend live aus dem Museum für Kommunikation Berlin. Stay tuned!
Credits: Zitat aus: Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Schriften 1. Bd. 21. S. 552ff. Suhrkamp. 1992. Bild: Mit freundlicher Genehmigung des Museums für Kommunikation.
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30. September

JETZT MITMACHEN!

Kreativwettbewerb für Schülerinnen und Schüler macht Brechts Jugendliebe zum Thema.
Einreichfrist ist der 18. Oktober.
Die besten Arbeiten werden beim Brechtfestival 2021 prämiert.

Brecht ist 18 Jahre alt, als er sich Hals über Kopf in die damals 15 jährige Maria Rosa Amann verliebt. Ein heftiger Crush, ganz ohne Happy End, von dem wir auch nur deshalb wissen, weil Brecht in einem seiner berühmtesten Gedichte darauf anspielt – „Erinnerung an die Marie A.“ führt zu Maria Rosa Amann.

Der Brechtkreis und das Brechtbüro laden Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse dazu ein, sich aus ihrer Sicht mit dem Gedicht und seiner Protagonistin zu beschäftigen.
Einen Einstieg dazu bildet die aktuelle Ausstellung zu Maria Rosa Amann im Brechthaus.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Gedichte, Bilder, Filme, Songs, Storys oder Minidramen einreichen.
Die Wahl der Medien ist frei. Auch Insta-Stories und Tik Toks sind möglich. Es kann alleine oder in Gruppen gearbeitet werden.

Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge werden von einer Jury bewertet.
Die Autorinnen und Autoren der besten Arbeiten werden die Möglichkeit bekommen, ihre Werke unter professionellen Bedingungen weiterzuentwickeln und beim Brechtfestival im März 2021 zu präsentieren.

Darüber hinaus gibt es Bücher- und Kinogutscheine und eine Urkunde für alle, die mitmachen.
Gerne weitersagen!

Einreichfrist: 18. Oktober 2020.

Kontakt:
Brechtkreis e.V. c/o Brechthaus.
Auf dem Rain 7, 86150 Augsburg.
friedrichs@wissner.com.

Einreichungen per E-Mail werden bevorzugt.

Illustration: Nontira Kigle

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29. September

1922: Uraufführung von Brechts Kriegsheimkehrer-Drama Trommeln in der Nacht am im Hinterhoftheater der Münchener Kammerspiele an der Augustenstraße 89 unter der Regie von Otto Falckenberg.

Alexander Abusch in der Schwäbischen Volkszeitung vom 19. Dezember 1922 zum Gastspiel der Kammerspiele in Augsburg:

„Bei einem Gastspiel der Münchner Spieler im Augsburger Stadttheater saß die ganze Blase des kleinbürgerlichen Theaterpublikums wie angedonnert vom Inhalt des Brechtschen Stückes. Besonders die Gehirne der tonangebenden Bürger und Bürgerinnen versagten den Dienst ob der ungewohnten Speise.“

(Dirk Heißerer, TROMMELN IN DER NACHT – DAS GASTSPIEL DER MÜNCHENER KAMMERSPIELE IN AUGSBURG 1922, in: Dreigroschenheft 3/20212, S. 30)

28. September


Roy Black, der andere grosse Sohn Augsburgs, rezitiert Brecht.

Nachtrag: Unbekannte stehlen eine neu enthüllte Roy-Black-Büste

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27. September

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wb-von-bertold-brecht-gelesen-von-thomas-huber-15342438.html

26. September

1928: Nach einer persönlichen Erklärung vor dem Amtsgericht wird auf einer Karteikarte der Jüdischen Gemeinde vermerkt, daß Helene Weigel aus dem Judentum ausgetreten ist.

Aus: Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.252

25. September

Karl Kraus über den vom Theaterkritiker Alfred Kerr ausgelösten Plagiatsskandal um die Dreigroschenoper

„Im kleinen Finger der Hand (…) ist dieser Brecht originaler als der Kerr, der ihm dahintergekommen ist; und hat für mein Gefühl (…) mehr Beziehung zu den lebendigen Dingen der Lyrik und der Szene als das furchtbare Geschlecht des Tages, das sich nun an seine Sohlen geheftet hat. (…) Ausbündig ist die Trottelei, die einem weismachen will, dieser so geartete, so begabte und so sichtbar abwegige Autor hätte es nötig gehabt (…) die Verse, die ihm für den Bühnenzweck praktikabel schienen (…) als literarische Kontrebande auf die Seite zu bringen. Eine Bewusstseinshandlung, die hier noch ein »Copyright« anbringt, zu unterstellen, ist nicht die Bosheit der Satire, sondern der Idiotie.“

Aus: Karl Kraus, Kerrs Enthüllung, in: Kanonade auf Spatzen. Glossen 1920-1936. In:

https://www.projekt-gutenberg.org/kraus/kanonade/chap010.html)

24. September

Bertolt Brecht an Margarete Steffin in Moskau:

„Liebe Grete, ich war froh. Deine Stimme zu hören. Deine Armut ist eine große Sorge. Heute geh ich wieder zur Botschaft, um noch was zu unternehmen. Hoffentlich klappt es. Für das russische Dramenbändchen müssen noch Rückstand 1000 Rubel da sein. Willy muß ebenfalls was tun. Es wird alles gehen, wenn Du nur jetzt nicht Mangel hast! – Hier ist es trist. Regen. Erkältung. Bei der Arbeit (und sonst) bin ich nurmehr die eine Hälfte. Liebe Grete.

g.g.                 b

Schreibe oft. oft. oft!

Aus Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 28 S. 442, Suhrkamp, 1998

23. September

Kuttner/Schönborn

Clemens Schönborn plant im Rahmen des Brechtfestivals einen (?) Film mit Laien zu produzieren. Das Ganze als schnelle Hit-And-Run-Produktion. Tag 1: Casting, Tag 2 und 3: Dreh, Tag 4: Schnitt, Tag 5: Premiere. Also so in etwa! Das Ganze kann sich auch noch ändern. Es schwebt ihm nämlich auch vor, sämtliche Drehbuch-Entwürfe Brechts zu verfilmen. In derselben Zeit. Wir werden sehen …

Wer sich von Clemens Arbeit schon einmal vorab einen Eindruck verschaffen will, kann das hier tun.

Update

Clemens Schönborn muss sein für das Brechtfestival geplantes Filmprojekt  (siehe Eintrag v.23.9.) aus persönlichen Gründen leider absagen. Mit seiner Hilfe konnten wir aber Adrien Lamande gewinnen, mit Augsburger*innen einen „hit-and-run“-Film zu drehen.
Danke Clemens und alles Gute!

22. September

HELLI Driver – ein nichtalltäglicher Gebrauchtwagenkauf

Gleich nach dem Krieg und seiner Rückkehr aus dem Exil nach Berlin kauft Brecht sich ein Steyr Cabriolet. Nicht sein
erster Steyr. Dieses Fahrzeug fährt er zehn Jahre lang, bis 1955.  In einem Brief schrieb Brecht:

„Das Auto stinkt.“

Die Liebe zum österreichischen Steyr ist also vorbei. Die Liebe zum Auto hat sich vielleicht übertragen: Helene „Helli“ Weigel bestellt 1967 als Intendantin des Berliner Ensembles einen Mercedes Ponton (Baujahr 1959) und meldete ihn als Dienstfahrzeug an. 2018 bekam ich dann eine SMS von einer mir unbekannten Nummer. sie lautete etwa so:

„ich habe gehört, dass Sie am Berliner Ensmeble arbeiten werden. ich besitze den Dienstwagen von Helene Weigel mit dem originalen Fahrzeugbrief, in dem als Erstbesitzerin Helene Weigel und als Adresse das Berliner Ensemble eingetragen sind. Ich würde mich freuen, wenn der Mercedes wieder nach Hause darf!“

Ich habe die SMS gelesen und gemeinsam mit dem bildenden Künstler, Olaf Nicolai, das Auto gekauft. Es steht mittelweile in Berlin. Fahrtüchtig.

(Sabrina Zwach, Dramaturgin)

19. September – intern 3

Große Planungsrunde im Kulturamt und erstes gemeinsames Briefing. Eigentlich geht’s um Kommunikation. Aber irgendwie geht’s erstmal auch um Räume, Areale und Zonen. Um
explodierende Emotionen, unzähmbare Zahlenkolonnen und frei flottierende Minusgradängste. Wohin mit den raren Moneten? Festivals, die alles neu erfinden, sind so aufwändig!
Kommunikation soll nicht so viel kosten! Ich überlege mir, ob es dabei um mich geht, halte aber erst mal die Klappe. Also, hopp! Wir wollen ermöglichen. Wir wollen mitreißen. Programmpunkte werden erläutert, Zeitpläne geschmiedet, Kollaborationen erfunden, Netzwerke aktiviert und Ideen durch die Runde gekullert. Es geht um Frauen. Eine davon klingt angeblich wie PJ Harvey, von der Kuttner wohl ein Fan ist. Zwischenzeitlich erscheint mir das als die beste Nachricht des Tages. Aber so ist das halt. Ohne vernünftigen Soundtrack ist auch die produktivste Arbeitsbesprechung nur eine Runde. Wir hier jedenfalls bringen erstmal die Steine ins Rollen und dann das Festival auf die Straße. Und ins Netz. So ist der Plan, würde ich sagen.

Tina Bühner, Brechtfestival Pressearbeit.

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19. September

1913: „Schule. Abends gefaulenzt. Lese fast nichts!“
(Brecht, Bertolt: Tagebuch N. 10 1913. Hrsg. v. Siegfried Unseld. Suhrkamp Verlag. Frankfurt, 1989. S. 77.)

17. September

1939: In Verbindung mit dem 100. Geburtstag seiner Großmutter Karoline Brecht entsteht die Geschichte Die unwürdige Greisin.
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 590, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

1944: Brecht rät seiner Tochter Barbara, die bei ihren Steppübungen schwitzt, »lieber mehr zu können, als sie macht, als mehr zu machen, als sie kann, bis sie soviel macht, als sie kann«
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 740, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

16. September – intern 2

„Ja, mach nur einen Plan“

Das Brechtfestival 2021 findet statt. Es ist aber noch nicht entschieden wo. Wandern wir aufs Gaswerk aus und schultern neben allen Unwägbarkeiten, die Corona mit sich bringt, die Erschließung von fünf nackten Industriehallen? Die Akustik im Scheibengasbehälter ist atemberaubend. Das Parkdeck gegenüber der Brechtbühne kurios. Die technischen Pläne für das Gaswerkareal haben wir erstellen lassen. Sie liegen jetzt beim Tiefbauamt. Ob wir sie genehmigt bekommen, wissen wir nicht. Während ich mir Sorgen um Hygienekonzepte und Leitsysteme für Besucherinnen einer Industriebrache im winterlichen Dämmerlicht mache, lautet die Ansage für unsere Künstler*innen: „Mobiles Straßentheater!“ Auf der anderen Seite stehen der martini-Park und das Textilviertel, das wir mit dem Brechtfestival 2020 schon bespielt haben und 2021 mit TIM und Provino erweitern könnten. Die Erfahrungen von diesem Jahr könnten wir ins nächste Jahr mitnehmen. Neue Hallen erschließen. Die schon beheizt sind. Schöne industrielle Kellergewölbe eröffnen. Genug Räume für Garderoben und Catering. Kuttner wird sagen: das brauchen wir alles nicht. Ich zeig ihm die Bilder von der wunderschönen Brache, auf der man auch ganz hervorragend eine LKW Wagenburg aufbauen kann. Von der sehr schönen industriellen Turbine, die den Kanal im martini-Park antreibt. Mobiles Straßentheater geht auch da. TIM und Provino sind auch in Laufweite. Morgen ist Ortstermin. Mit Festivalleitung aus Berlin. Dann muss eine Entscheidung her. Ich bin gespannt.
(Katrin Dollinger, brechtbüro)

15. September

1935: Die Nürnberger Gesetze, die „Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ verbieten werden vom Reichstag einstimmig angenommen.

Aus: Bertolt Brecht: Ballade von der Judenhure Marie Sanders

Eines Morgens, früh um neun Uhr

Fuhr sie durch die Stadt

Im Hemd, um den Hals ein Schild, das Haar geschoren.

Die Gasse johlte. Sie

blickte kalt.

Das Fleisch schlägt auf in den Vorstädten

Der Streicher spricht heute nacht.

Großer Gott, wenn sie ein Ohr hätten

Wüßten sie, was man mit Ihnen macht.

(GBA 12, S. 16f.)

 

1940: Ruth Berlau ist inzwischen wegen ihres Verhaltens … aus dem Gutshaus verwiesen worden. … »

Ich zog … weg und schlug ein Zelt in dem Birkenwäldchen auf. Es war nur einen Katzensprung von Brechts Haus entfernt. Ich hatte meine Schreibmaschine bei mir. Brecht besuchte mich in dem Zelt, und wir arbeiteten miteinander.«

Da sie ihn mehr für sich beansprucht, als ihm lieb ist, versucht ihr B zu erklären, daß er inmitten von Arbeiten »ganz und gar unsinnlich« sei und ihm »die harmlosesten Bemerkungen erotischer Art fast unerträglich werden«. »In solchen Zeiten finde ich jeden Gedanken von Dir, ich könnte hier eine finnische Sommernacht etablieren, schrecklich unadaequat, in der Tat beleidigend.«

(Werner Hecht, Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.621)

14. September

Eric Bentley (14.9.1916-5.8.2020) singt „Ballad of the Dead Soldier“:

13. September

DER DRAMATIKER PETER HACKS ÜBER BRECHT:

„Ich habe lange mit meiner Meinung geschwankt, ob Brecht bleiben wird. Ich bin deshalb auch oft widersprüchlich gewesen. Jetzt bin ich mir aber sicher: Er wird bleiben. Bei Brecht ist es dasselbe wie bei Tolstoi oder Wagner. Über letzteren habe ich einmal den Satz gelesen: ›Wagner hat sämtliche Irrtümer des 19. Jahrhunderts in seinem Werk versammelt.‹ Von Brecht kann man sagen: Bei ihm finden sich alle Irrtümer des 20. Jahrhunderts. Aber da ist kein Zweifel, ein solches Werk bleibt.“

(André Müller sen., Gespräche mit Hacks 1963 – 2003, Eulenspiegel Verlag, S. 327)

12. September

Maria Rose Amman – Die stille, blasse Liebe Bert Brechts

David Bowie besingt sie in „Remembering Marie A.“

11. September

DER SPIEGEL NR. 3/1967

10. September

Brecht-Boykott: …Im Jahre 1954 starteten Hans Weigel und Friedrich Torberg eine Kampagne gegen Brecht-Aufführungen in Wien. Schon 1946 hatte Torberg geschrieben: „Brecht, aus dem nun freilich seit zehn Jahren nur noch die blanke Scheiße herauskommt, doch vorher wenigstens etwas war, und es so einmalig war, dass diese Einmaligkeit ihm bis heute geblieben und anzurechnen ist?“ In der politisch-literarischen Zeitschrift FORVM (Deren Geldgeber war damals die  CIA-Vorfeldorganisaton „Congrès pour la Liberté de la Culture“) stellte Torberg die Frage „Soll Brecht in Österreich gespielt werden?“. Wobei er betonte „Ich bin nicht gegen Brecht. Ich bin gegen die Brechtokokken.“…

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Brecht-Boykott – cite_note-8)

9. September – intern 1

Jürgen Kuttner (mit Tom Kühnel Leiter des Brechtfestivals 2021) über die Schwierigkeiten eines Festivals in Corona-Zeiten und Sinn und Absichten dieses „Arbeitsjournals“

 

8. September

Bericht zur Brechtfestival-Planung in der Stadtzeitung

2020: heute, 20.10 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

BILDBESCHREIBUNG, Hörspiel von Heiner Müller

Bearbeitung und Regie: Stephan Heilmann
Mit: Hille Darjes, Felix von Manteuffel, Herbert Fritsch, Angelika Schett
Produktion: DRS 1987

7. September

1942: „sehe einen hübschen film the remarkable andrew. Ein stadtschreiber entdeckt fälschungen in den büchern der Stadt, er ist mit zitaten von jefferson und franklin aufgezogen worden, und so besucht ihn eines tages der general jackson, um ihn in seinem fall gegen die Stadtverwaltung zu beraten, er wird angeklagt, er habe Unterschlagungen begangen, im gerichtssaal erscheinen als anwälte franklin, washington usw. — der film ist mit bemerkenswerter phantasielosigkeit fotografiert, die ständigen gespräche des (durch seine ehrlichkeit) bemerkenswerten andrew mit den historischen gestalten, …, sind unglaublich nüchtern und dilettantisch aufgenommen, ebenso die anwesenheit der erlauchten anwälte im gerichtssaal. — der film ist übrigens kein erfolg.“

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal 1938-1945, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977)

6. September

1921: „Auf jeden Fall sollte man sich nicht allzuweit von den einfachen Zielen losseilen. Seit zum ersten Male billige Bretter über Schnapsfässer gelegt wurden und zwei Burschen öffentlich irgendelnen Handel austrugen, war die Unterhaltung der Zuschauer das bezahlte Ziel. … Die naiven Abenteuer mußten bald durch lebenskluge, praktische Maximen gewürzt, durch leicht eingehende Stimmungen leicht verdaulich gemacht, durch halb verhüllten oder frech platzenden Witz gepfeffert werden. Jetzt, am Endpunkt einer Entwicklung, befriedigt nur mehr die Eitelkeit der Akteure jene eines Parterres von Köchen und Topfguckern.“

(Bertolt Brecht, Tagebuch 1921, BFA 26, S.236)

5. September

1945: Das FBI registriert, daß Brecht mit Peter Lorre eine dem Geheimdienst unbekannte Arbeit beginnt; es handelt sich um die Filmgeschichte Lady Macbeth of the Yards.

(Link zur Quelle)

3. September

1944: „Zu dieser Zeit wurde ich durch Brecht schwanger. Ich war sehr glücklich, und Brecht war es auch, obwohl er äußerst bemüht war, meinen Zustand geheimzuhalten. Wir hatten uns auch schon über Namen geeinigt. Ein Mädchen sollte Susanne heißen, ein Junge Michel —wie das Kind im »Kreidekreis«. Kurz nachdem Brecht das Stück beendet hatte, am 3. September 1944, wurde Michel geboren. Brecht notierte in seinem »Journal«, daß ich in einem Hospital von Los Angeles »operiert« worden sei.

Ich war tat sächlich schwerkrank und lag mit hohem Fieber. Der Arzt verlangte eine Entscheidung: die Mutter oder das Kind? Ich sagte: »Rettet das Kind!« In diesem Augenblick stürmte Bertolt Brecht mit weißem Kittel und weißer Haube herein und rief: »Ich bin hier, ich bin gekommen.« Brecht kam jeden Tag. Davon hatte ich aber nicht viel, denn ich lag unter einem Atemgerät und war dem Sterben näher als dem Leben. Brecht hat seinen Sohn in dem Raum für Frühgeburten gesehen. Er erzählte mir später, daß ich immer nur nach Michel gefragt habe und daß mir nichts wichtiger war als die Rettung des Kindes.“

(BRECHTS LAI-TU. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Bunge, 1985 Luchterhand Verlag Darmstadt)

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1929: Theater am Schiffbauerdamm. Uraufführung von Happy End, „eine Magazingeschichte von Dorothy Lane“ (Anm: d.i. Elisabeth Hauptmann), Songs von Bertolt Brecht und Kurt Weill.

Alfred Kerr im Berliner Tagblatt 3.9.: „Ein paar nette Einfälle. Eine schmeichelnde Musik. Aber manchmal ein Gipfel der Stupidität. Der Beifall kam von einem bestimmten Teil der Zuschauerschaft“

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1. September

1939: „früh 8 uhr 45. deutschland warnt alle neutralen, das polnische staatsgebiet zu überfliegen. Hitler an die deutsche wehrmacht. Dazwischen die melancholische marschmusik mit der die deutschen militaristen ihre schlächtereien einleiten.

das ist die clique, der gang, der fremdkörper, der den krieg beginnt ohne gott und mit brotkarte…“

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal 1938-1945, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977)

Intro / intern 1

Jürgen Kuttner (mit Tom Kühnel Leiter des Brechtfestivals 2021) über die Schwierigkeiten eines Festivals in Corona-Zeiten und Sinn und Absichten dieses „Arbeitsjournals“

FAQ

In den kommenden Wochen und Monaten bis zum nächsten Brechtfestival wird auf unserer Website ein digitales Arbeitsjournal entstehen.

Genauso wie Brecht sein kreatives Schaffen dokumentierte, wollen auch wir unseren Prozess offenlegen. Mit den Einträgen in unserem Arbeitsjournal werden wir Brecht, sein Werk und das Kollektiv, das ihn umgab umkreisen. Helene Weigel, Elisabeth Hauptmann, Margarethe Steffin, Ruth Berlau und einige andere waren wichtige Mitarbeiterinnen für Brecht. Ihre künstlerischen Beiträge standen allerdings lange im Schatten der öffentlichen Figur, die Brecht nach außen darstellte. Ganz im Gegensatz zu ihrer Rolle als Brechts Freundinnen oder Geliebte. Mit Zeitzeugnissen, Schnipseln und Fundstücken aus den Archiven werden wir das spannungsreiche Verhältnis in Brechts Kollektiv dokumentieren. Dazwischen mischen sich Momentaufnahmen aus unserem eigenen, von den Folgen der Corona-Pandemie gebeutelten Arbeitsstand. Dazu zählen Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, die sich genauso wenig wie wir von einem Virus davon abhalten lassen, neue Ideen zu entwickeln und sich öffentlichkeitswirksam mit Brecht und seinen Positionen zu beschäftigen. Welche Bedingungen wir dafür im Februar 2021 vorfinden? Können wir nicht sagen. Wir werden sicherlich unsere Wege finden.

 

Netzpremiere!

Das Brechtfestival produziert für Euch Live-Streams, Kurzfilme, Musikvideos, Konzerte und Lesungen, die Ihr vom 26.2.2021 bis 7.3.2021 exklusiv online bei uns erleben könnt.

So funktionierts!

Unter #digitalbrecht findet Ihr unsere Programmvorschau. Zum Festival loggt Ihr euch mit unserem Festivalpass ein. Wie und wo Ihr den bekommt, erfahrt Ihr ab Januar hier (siehe auch unter Tickets).

Wer ist dabei?

Wir freuen uns auf Beiträge von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, des Staatstheaters Augsburg, der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot, Lina Beckmann, Charly Hübner, Corinna Harfouch, Hanna Hilsdorf, Goshawk, Dakh Daughters, Frank Wolff, Banda Internationale feat. Bernadette La Hengst, Charlotte Brandi, Suse Wächter, Winnie Böwe, Bluespots Productions, theter, der Otto Falckenberg Schule München, Stefanie Reinsperger und vielen mehr!

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