ARBEITSJOURNAL

Intro / intern 1

Jürgen Kuttner (mit Tom Kühnel Leiter des Brechtfestivals 2021) über die Schwierigkeiten eines Festivals in Corona-Zeiten und Sinn und Absichten dieses „Arbeitsjournals“

22. Oktober – intern 5

Beim Ortstermin am 16.10. auf dem Gaswerk herrscht Aufbruchsstimmung. Jürgen Kuttner ist für diesen Ortstermin aus Berlin angereist. Die Technische Leitung geht noch einmal mit uns gemeinsam alle in Frage kommenden Spielorte durch: Großer und Kleiner Scheibengasbehälter, LKW-Wagenburg, KFZ-Gebäude und mit etwas Glück sogar ein ganzes Zirkuszelt (darüber muss der Stadtrat noch entscheiden).

In Gedanken projizieren wir großflächig Brecht-Filme auf die eingerüsteten Gebäude, stellen uns Feuerschalen vor und viele kleine Lagerfeuer über das ganze Gelände verstreut. Konrad Hölzl von der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz Rot ist da. Wir fragen ihn, ob die Musiker*innen die Außentreppe des Großen Scheibengasbehälters bespielen könnten. Könnten sie, sagt Konrad!

Überhaupt ist der Scheibengasbehälter an diesem Tag ein großer Hoffnungsschimmer. Mehr Leute im oberen Bereich als ursprünglich gedacht, mollige Wärme unten – all das scheint an diesem Tag im Bereich des Möglichen. Wir hätten sogar schon einen Ansatz für ein grobes Konzept, mit dem wir die Besucher*innen in vier verschiedenen Touren corona-konform über das Gelände lotsen könnten. „Wenn Christlkindlmärkte gehen“, sagt Jürgen dem A-TV Reporter – „dann kriegen wir doch auch ein Brechtfestival mit Außenbespielung im Frühjahr hin“.

Katrin Dollinger, Brechtbüro, Projektkoordination

21. Oktober

Bis Ende des Jahres zeigt das Berliner Ensemble im „Stream des Monats“ historische Brecht-Inszenierungen: Ab 16. Oktober wird in Zusammenarbeit mit dem Bertolt-Brecht-Archiv der Akademie der Künste Brechts eigene Inszenierung von „Die Mutter“ mit Helene Weigel in der Titelrolle (1951/58, Regie Bertolt Brecht/Manfred Wekwerth) gezeigt.

Einführung durch Erdmut Wizisla.

20. Oktober

1916:
Brecht notiert Liebeskummer: „Heute bin ich wirklich in der Frühe die Kreuzstraße hinaufgegangen. Es regnete, und der Wind ging immer noch, und mein Herz war sehr rebellisch. Aber ich mußte die kleine Ostheimer* sehen oder ihre stillen Augen, denn ich muß wieder etwas haben, an das ich den ganzen Tag und die ganze Nacht denken kann. Aber sie kam nicht oder war schon in der Schule.[…] Man kann vielleicht mit ihr gehen und muß nichts reden. Das kann man mit Freunden nicht. Auch ist sie vielleicht gütig, sie hat ein gutes Lächeln, besonders, wenn sie auf Kinder sieht.“
(GBA 26, S. 107-108)
*Therese Ostheimer (1898-1977) besucht die Lehrerinnenbildungsanstalt des Englischen Instituts, heute Maria Ward.  Am 16. Juli1916 hat Brecht ihr einen langen Brief geschrieben (GBA 28, S. 20-22); sie scheint nicht reagiert zu haben.

19. Oktober

Brecht – Die Kunst zu leben (Joachim Lang, 2006)

18. Oktober

In America, Brecht grew to love the idioms and regionalisms of American English, and these were the source from which the country’s folk music sprang. Brecht’s enthusiasm for Burl Ives has already been discussed. He also translated the black American blues singer Leadbelly’s version of the traditional song ‘The Gray Goose’. A young American woman he had befriended told Brecht that the goose in the song was an emblem of protest, representing the dogged survival of black Americans. In the song a goose is shot by a pastor, but it is too tough to be eaten by any of the family, even after being boiled for six weeks. When they try to feed it to the pigs, it breaks the sow’s jawbone, and when they then try to cut it in the sawmill, it breaks the saw’s teeth. In Leadbelly’s final verse the goose flies off to freedom over the ocean, followed by six goslings. Brecht’s treatment of the song indicates that he also practised free translation rather than absolute fidelity to the original. In his ‘Die haltbare Graugans’, which was later set to music by both Paul Dessau and Hanns Eisler, Brecht changed the cooking time to six years (the length of the war), which suggests that in his poem the goose represents Europe. Brecht the atheist replaced Leadbelly’s chorus of ‘Lawd Lawd’ with the German affirmative response: ‘Ja, ja’.

(Esther Jane Quin Harcourt, BERTOLT BRECHT AND BOB DYLAN: INFLUENCE AND IDENTITY. A thesis submitted to the Victoria University of Wellington 2006)

17. Oktober

Tagebuch 1921:

Ich habe Gilbert Keith Chestertons Detektivgeschichten in die Hände bekommen. Ich habe keine bessern gelesen. Hier löst tatsächlich der Verstand die Aufgabe. Diese Engländer, ob sie Patrioten sind wie Kipling oder Katholiken wie Chesterton, sie verstehen Ihr Geschäft und zerfasern nicht Probleme, sondern zeigen die praktischen, nützlichen Seiten ihrer Methoden, sie handeln zumeist wie gewisse Geschäftsreisende in Thermosflaschen, die ihre »unzerbrechllchen« Flaschen mit barbarischer Wut auf den Boden werfen oder mit anderen, zerbrechlicheren, zusammenschlagen, um die Güte ihrer Flasche zu beweisen.

(GBA, S. 244)

Anm: (Gilbert Keith Chesterstons Detektivgeschichten)

Einer der Kriminalromane Chestertons, die Brecht sehr beeindruckt haben, ist The Man Who Was Thursday (dt.: Der Mann, der Donnerstag war; 1910); er schenkt das Buch Hedda Kühn. 1921 notiert er:

„G.K.C. Er hat wirkliche Detektivgeschichten geschrieben, der Nachbar Doyles, der Philosoph, Detektivgeschichten.

Das heißt: eine Schlacht mit Hilfe von Geheimdetektiven gewinnen zu wollen.“ (Notizbuch 1921, Nachlaß.)

(GBA, S. 566)

16. Oktober

1938:

Abends verursacht B, der mit Helene Weigel und Margarete Steffin im Auto unterwegs ist, einen Unfall, über den die Kopenhagener Zeitung Politiken berichtet. Brecht korrigiert die Meldungen in einem Brief an die Redaktion. Er sei nicht von Scheinwerfern eines entgegenkommenden Autos geblendet gewesen. Um einen vor den Wagen springenden Jungen nicht zu verletzen, sei er nach rechts ausgewichen, wo er die Mutter des Jungenstreifte. „Vielleicht hätte ich auf keinen Fall auf den Fußweg abbiegen dürfen, auch nicht um ein Menschenleben zu schonen, und ganz gleichgültig, ob der Fußweg mir frei schien. Das mag, ich weiß es nicht, juristisch eingewendet werden können, aber schon aus Menschlichkeit wird wohl jeder Fahrer in solchen Situationen zu vermeiden suchen, jemanden zu überfahren.“ Im Verlauf mehrerer Verhandlungen wird, wie Margarete Steffin (im Dezember 1939) Fredrik Martner mitteilt, ein Gerichtstermin über den Unfall auf den 14.12.39 festgesetzt.  Ob Steffin beim Gericht eine Verschiebung durchsetzten konnte, wie sie das wünscht, um daran teilzunehmen, ist nicht bekannt.

(Werner Hecht: Brecht Chronik. Suhrkamp, Frankfurt a. M. S. 555.)

Dazu und sehr lesenswert:

„Ein lehhreicher Unfall des Dichters Brecht“

(aus: „SCHROTT. Bilder aus der Geschwindigkeitsfabrik. Eine fragmentarische Kulturgeschichtedes Autounfalls“. Eine Website von Matthias Bickenbach & Michael Stolzke)

15. Oktober

Es war einmal ein Rabe
Ein schlauer alter Knabe
Dem sagte ein Kanari, der
In seinem Käfig sang: Schau her
Von Kunst
Hast Du keinen Dunst.
Der Rabe sagte ärgerlich:
Wenn Du nicht singen könntest
Wärst Du so frei wie ich

(GBA 14, S. 243)

14. Oktober

What Keeps Mankind Alive – William S. Burroughs

13. Oktober

Wladimir Kaminer

12. Oktober

Kurzhörspiel
Bertolt Brecht: „Herr Keuner und die Schauspielerin“
Regie & Produktion: David Tschöpe.

Textrechte: Suhrkamp Verlag. 1992

 

11. Oktober

Nachtrag zum 10. Oktober
„Ein Star der alles dürfen darf“ – Lotte Lenya
HIER in der Mediathek des ORF

10. Oktober

1932:
Helene Weigel … findet ihre Bereitschaft, sich mit B zu arrangieren, von ihm nicht in gleichem Maße erwidert. Durch sein Zusammensein mit der kranken Margarete Steffin sieht sie außerdem die ganze Familie gesundheitlich gefährdet. Die Ehe gerät in eine schwere Krise.
Margarete Steffin ist inzwischen von B schwanger; sie entschließt sich zu einer Abtreibung. Da sie bereits vor ihrer Bekanntschaft mit B 1928 und 1930 Schwangerschaftsabbrüche vornehmen ließ, belastet sie der erneute Entschluß sehr stark. Sie schreibt darüber das Gedicht Natürlich hab ich als Kind ,in dem eine Strophe lautet: »Auch die größte Liebe weiß uns /Bei der Sorge um Brot keinen Rat. / Wer keine Stellung hat, muß sorgen / Daß er keine Kinder hat.«

(Werner Hecht, Brecht-Chronik 1898-1956 S. 326)

9. Oktober – intern 4

Bei der gestrigen Videoschalte hatten wir unsere Graphik-Agentur KW Neun zu Gast. Kuttner wünscht sich von Mara und Arthur einen minimalistischen, funktionalen Brechtlook: „grau, eckig, stapelbar“ – oder wie Brecht sagte, ihm sei jede Farbe recht, nur grau müsse sie sein. Die Vorstellungen davon, wie das aussehen soll fallen in der Runde noch sehr unterschiedlich aus. Auch was die Spielorte angeht muss weiter nachgedacht werden. Das Parkhaus auf dem Gaswerk hat sich inzwischen als Spielort gedanklich pulverisiert. Brandschutz! Da ist Kunst ausgeschlossen. Dazu noch Corona-Maßnahmen. Seit Dienstag ist Berlin Risikogebiet. Wer immer auch nächste Woche aus Berlin zum Dispotermin nach Augsburg kommen soll, muss im Hotel  einen negativen Corona-Test vorweisen und das kostet. Man munkelt von bis zu 150 Euro pro Test und das Ergebnis darf bei der Einreise nicht älter als 48 Stunden sein. „Ich bin mir nicht sicher, dass das Brechtfestival im Februar so stattfinden kann, wie wir das gerade planen“, hör ich Kuttner sagen. „Corona kann mich mal“, denk ich. Unerschütterliche Optimistin die ich bin, tüftle ich in Gedanken an einer Logistik für Schnelltests für unsere Künstler*innen und plane dafür einen großzügigen Posten im Festivalbudget ein.

Katrin Dollinger, Brechtbüro, Projektkoordination

8. Oktober

Gefragt, was er mit Brecht gemeinsam habe, antwortete Peter Handke 1966:
»Die gleiche Zahl von Buchstaben im Nachnamen und den Verleger.«

(Quelle: Peter Handke/Siegfried Unseld, Der Briefwechsel, Suhrkamp Verlag 2012)

7. Oktober

1921: Brecht mag den Plärrer nicht mehr

„Es ist ein Oktoberfest hier, Buden mit Bier, Clowns, Akten, Konzert! Man fährt auf Karussells, die einen in die Luftschleudern. Schaukeln kraft eigener Muskelkraft. Es ist so langweilig. Welche Abortwand-Visagen! Welch haustierische Stimmen! Attraktionsbuden pumpen die Romantik hoch, das Volk, dumm, lasterhaft, geduldig, läßt sich kitzeln. Man lebt nicht ewig.”

(GBA 26, S. 250)

6. Oktober

Margarete Steffins Theaterstück »Wenn er einen Engel hätte«:

Um den 5. Oktober 1934 herum verläßt sie Moskau und kommt nach einer langen Bahnfahrt in Arasindo im Kaukasus an, einem schwer erreichbaren Kurort im Gebirge, »7 1/2 Bahnstunden u. 4 scheußliche Autostunden« von Tbilissi entfernt. Wenige Wochen später schickt sie Brecht aus dem Sanatorium einen Entwurf zu ihrem Theaterstück »Wenn er einen Engel hätte«. Brecht ist inzwischen auf Arbeitssuche in London und versucht dort einen Film herzustellen, der dann aber nicht realisiert wird. Er ist von Steffins Entwurf sehr angetan:

»Schick doch bald mehr von der >Schutzengel<-Geschichte! Sie kam mir sehr amüsant vor, ich lachte sogar laut.«

Er rät ihr, die Szenen zuerst einmal in Prosa zu schreiben, einfach und realistisch. Grete Steffin arbeitet in einer Umgebung, die sie nicht auf Ruhe und Konzentration einstimmt, aber das scheint sie nicht zu stören:

»Besinnen Sie sich noch auf den kleinen Plan des >Schutzengels< , von dem ich Ihnen mal erzählte?«, schreibt sie an Walter Benjamin. »Ich habe jetzt im Klub inmitten spielender, erzählender, klavierender Leute einen Rohentwurf fertig gemacht und bin sehr befriedigt davon, obwohl er ganz auf Agitprop-Ton abgestimmt ist, was nicht bleiben darf.«

Während des Schreibens stellt sich heraus, daß sie nicht nur den Agitprop-Ton zu überwinden hat, der ebenso wie Thema und Stoff der Fabel auf ihre Kindheits-und Jugenderfahrungen zurückgeht. Den eigentlichen Teil der Arbeit macht die Transformation vom Agitprop in die Gestalt eines Dramas aus-für Grete Steffin ein entscheidender Sprung in ihrer Entwicklung als Autorin.

(Hartmut Reiber: Grüß den Brecht. Das Leben der Margarete Steffin, Eulenspiegel Verlag 2008, S. 229)

5. Oktober

Im Herbst 1963 sorgt eine Werbeaktion für Brecht in Frankfurt für Aufsehen. Die Kino-Wochenschau „Zeit unter der Lupe“ hat die Aktion mit der Kamera dokumentiert. Wir veröffentlichen den Ausschnitt hier mit freundlicher Genehmigung des Bundesfilmarchivs:

4. Oktober

Interview mit Knut Cordsen von BR2 zu 100 Jahre Radio und Brecht.Blöderweise vergessen, unsere Zusammenarbeit von Brechtfestival und Bayerischem Rundfunk zu erwähnen! 🙁
Sowas passiert eben, wenn man früh morgens vom Radio überfallen wird…

https://www.br.de/nachrichten/kultur/100-jahre-radio-von-rundfunk-utopien-zur-digitalen-revolution,SCFxXI8

3. Oktober – Tag der Deutschen Einheit

Heiner Müller:
“Das Besondere unserer früheren Abgeschlossenheit war, daß der Druck hier (gemeint ist die DDR – JK) in einem viel stärkeren Maße Erfahrungsdruck war, was auch seine Vorteile hat. Brecht hat das in seiner Emigration in den USA beschrieben, wo er ja sehr isoliert und ein fremdes Gewächs war. Das hat ihn gezwungen, dauerhaft zu schreiben. Dagegen geht es in der Bundesrepublik, in die wir jetzt selig eingetreten, nicht um Dauer, sondern um momentane Anwesenheit, um die Präsenz. Und das ist für Kunst einigermaßen tödlich.”
[1990]

(in: Heiner Müller, Der amerikanische Leviathan, Herausgegeben und mit einem Nachwort von Frank M. Raddatz edition suhrkamp 2756)

Müller schlug übrigens vor, Brecht Kinderhymne zur neuen
Nationalhymne des wiedervereinigten Deutschlands zu machen:

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

2. Oktober

Das neue Dreigroschenheft (4/2020) ist erschienen.
Schwerpunkt: Rosa Amann, der Brechts “Erinnerung an die Marie
A.” gilt. Eine wunderbare, kleine Publikation – zu Unrecht
viel zu unbekannt!
Das Download-Archiv sämtlicher Hefte seit 1994(!) findet sich
unter folgendem Link:
https://www.dreigroschenheft.de/hefte-zum-download

1. Oktober

Heute ab 19.00 Uhr live im Audio-Stream : Brechtfestivalleiter Jürgen Kuttner moderiert die Eröffnung zur Ausstellung „ON AIR. 100 Jahre Radio“ im Museum für Kommunikation Berlin.

Kuttnervisual 100Jahre Radio

AUDIO-STREAM am 1. Oktober 2020 um 19 Uhr. Schalten Sie ein!

 

Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. Und wer waren alle?“

Bertolt Brecht

Zur Ausstellung „ON AIR. 100 Jahre Radio“ arbeitet das Brechtfestivals erstmals mit dem Museum für Kommunikation in Berlin zusammen. Brechtfestivalleiter und Radio-Experte Jürgen Kuttner moderiert, ist DJ, führt Gespräche und leitet Sie durch einen abwechslungsreichen Radio-Abend live aus dem Museum für Kommunikation Berlin. Stay tuned!
Credits: Zitat aus: Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Schriften 1. Bd. 21. S. 552ff. Suhrkamp. 1992. Bild: Mit freundlicher Genehmigung des Museums für Kommunikation.
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30. September

JETZT MITMACHEN!

Kreativwettbewerb für Schülerinnen und Schüler macht Brechts Jugendliebe zum Thema.
Einreichfrist ist der 18. Oktober.
Die besten Arbeiten werden beim Brechtfestival 2021 prämiert.

Brecht ist 18 Jahre alt, als er sich Hals über Kopf in die damals 15 jährige Maria Rosa Amann verliebt. Ein heftiger Crush, ganz ohne Happy End, von dem wir auch nur deshalb wissen, weil Brecht in einem seiner berühmtesten Gedichte darauf anspielt – „Erinnerung an die Marie A.“ führt zu Maria Rosa Amann.

Der Brechtkreis und das Brechtbüro laden Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse dazu ein, sich aus ihrer Sicht mit dem Gedicht und seiner Protagonistin zu beschäftigen.
Einen Einstieg dazu bildet die aktuelle Ausstellung zu Maria Rosa Amann im Brechthaus.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Gedichte, Bilder, Filme, Songs, Storys oder Minidramen einreichen.
Die Wahl der Medien ist frei. Auch Insta-Stories und Tik Toks sind möglich. Es kann alleine oder in Gruppen gearbeitet werden.

Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge werden von einer Jury bewertet.
Die Autorinnen und Autoren der besten Arbeiten werden die Möglichkeit bekommen, ihre Werke unter professionellen Bedingungen weiterzuentwickeln und beim Brechtfestival im März 2021 zu präsentieren.

Darüber hinaus gibt es Bücher- und Kinogutscheine und eine Urkunde für alle, die mitmachen.
Gerne weitersagen!

Einreichfrist: 18. Oktober 2020.

Kontakt:
Brechtkreis e.V. c/o Brechthaus.
Auf dem Rain 7, 86150 Augsburg.
friedrichs@wissner.com.

Einreichungen per E-Mail werden bevorzugt.

Illustration: Nontira Kigle

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29. September

1922: Uraufführung von Brechts Kriegsheimkehrer-Drama Trommeln in der Nacht am im Hinterhoftheater der Münchener Kammerspiele an der Augustenstraße 89 unter der Regie von Otto Falckenberg.

Alexander Abusch in der Schwäbischen Volkszeitung vom 19. Dezember 1922 zum Gastspiel der Kammerspiele in Augsburg:

„Bei einem Gastspiel der Münchner Spieler im Augsburger Stadttheater saß die ganze Blase des kleinbürgerlichen Theaterpublikums wie angedonnert vom Inhalt des Brechtschen Stückes. Besonders die Gehirne der tonangebenden Bürger und Bürgerinnen versagten den Dienst ob der ungewohnten Speise.“

(Dirk Heißerer, TROMMELN IN DER NACHT – DAS GASTSPIEL DER MÜNCHENER KAMMERSPIELE IN AUGSBURG 1922, in: Dreigroschenheft 3/20212, S. 30)

28. September


 

Roy Black, der andere grosse Sohn Augsburgs, rezitiert Brecht.

Nachtrag: Unbekannte stehlen eine neu enthüllte Roy-Black-Büste

27. September

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wb-von-bertold-brecht-gelesen-von-thomas-huber-15342438.html

26. September

1928: Nach einer persönlichen Erklärung vor dem Amtsgericht wird auf einer Karteikarte der Jüdischen Gemeinde vermerkt, daß Helene Weigel aus dem Judentum ausgetreten ist.

Aus: Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.252

25. September

Karl Kraus über den vom Theaterkritiker Alfred Kerr ausgelösten Plagiatsskandal um die Dreigroschenoper

„Im kleinen Finger der Hand (…) ist dieser Brecht originaler als der Kerr, der ihm dahintergekommen ist; und hat für mein Gefühl (…) mehr Beziehung zu den lebendigen Dingen der Lyrik und der Szene als das furchtbare Geschlecht des Tages, das sich nun an seine Sohlen geheftet hat. (…) Ausbündig ist die Trottelei, die einem weismachen will, dieser so geartete, so begabte und so sichtbar abwegige Autor hätte es nötig gehabt (…) die Verse, die ihm für den Bühnenzweck praktikabel schienen (…) als literarische Kontrebande auf die Seite zu bringen. Eine Bewusstseinshandlung, die hier noch ein »Copyright« anbringt, zu unterstellen, ist nicht die Bosheit der Satire, sondern der Idiotie.“

Aus: Karl Kraus, Kerrs Enthüllung, in: Kanonade auf Spatzen. Glossen 1920-1936. In:

https://www.projekt-gutenberg.org/kraus/kanonade/chap010.html)

24. September

Bertolt Brecht an Margarete Steffin in Moskau:

„Liebe Grete, ich war froh. Deine Stimme zu hören. Deine Armut ist eine große Sorge. Heute geh ich wieder zur Botschaft, um noch was zu unternehmen. Hoffentlich klappt es. Für das russische Dramenbändchen müssen noch Rückstand 1000 Rubel da sein. Willy muß ebenfalls was tun. Es wird alles gehen, wenn Du nur jetzt nicht Mangel hast! – Hier ist es trist. Regen. Erkältung. Bei der Arbeit (und sonst) bin ich nurmehr die eine Hälfte. Liebe Grete.

g.g.                 b

Schreibe oft. oft. oft!

Aus Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 28 S. 442, Suhrkamp, 1998

23. September

Kuttner/Schönborn.

Clemens Schönborn plant im Rahmen des Brechtfestivals einen (?) Film mit Laien zu produzieren. Das Ganze als schnelle Hit-And-Run-Produktion. Tag 1: Casting, Tag 2 und 3: Dreh, Tag 4: Schnitt, Tag 5: Premiere. Also so in etwa! Das Ganze kann sich auch noch ändern. Es schwebt ihm nämlich auch vor, sämtliche Drehbuch-Entwürfe Brechts zu verfilmen. In derselben Zeit. Wir werden sehen …
Wer sich von Clemens Arbeit schon einmal vorab einen Eindruck verschaffen will, kann das hier tun.

22. September

HELLI Driver – ein nichtalltäglicher Gebrauchtwagenkauf

Gleich nach dem Krieg und seiner Rückkehr aus dem Exil nach Berlin kauft Brecht sich ein Steyr Cabriolet. Nicht sein
erster Steyr. Dieses Fahrzeug fährt er zehn Jahre lang, bis 1955.  In einem Brief schrieb Brecht:

„Das Auto stinkt.“

Die Liebe zum österreichischen Steyr ist also vorbei. Die Liebe zum Auto hat sich vielleicht übertragen: Helene „Helli“ Weigel bestellt 1967 als Intendantin des Berliner Ensembles einen Mercedes Ponton (Baujahr 1959) und meldete ihn als Dienstfahrzeug an. 2018 bekam ich dann eine SMS von einer mir unbekannten Nummer. sie lautete etwa so:

„ich habe gehört, dass Sie am Berliner Ensmeble arbeiten werden. ich besitze den Dienstwagen von Helene Weigel mit dem originalen Fahrzeugbrief, in dem als Erstbesitzerin Helene Weigel und als Adresse das Berliner Ensemble eingetragen sind. Ich würde mich freuen, wenn der Mercedes wieder nach Hause darf!“

Ich habe die SMS gelesen und gemeinsam mit dem bildenden Künstler, Olaf Nicolai, das Auto gekauft. Es steht mittelweile in Berlin. Fahrtüchtig.

(Sabrina Zwach, Dramaturgin)

20. September

 

Voices & Piano: No. 1, Bertolt Brecht · Nicolas Hodges · Peter Ablinger

 

19. September – intern 3

Große Planungsrunde im Kulturamt und erstes gemeinsames Briefing. Eigentlich geht’s um Kommunikation. Aber irgendwie geht’s erstmal auch um Räume, Areale und Zonen. Um
explodierende Emotionen, unzähmbare Zahlenkolonnen und frei flottierende Minusgradängste. Wohin mit den raren Moneten? Festivals, die alles neu erfinden, sind so aufwändig!
Kommunikation soll nicht so viel kosten! Ich überlege mir, ob es dabei um mich geht, halte aber erst mal die Klappe. Also, hopp! Wir wollen ermöglichen. Wir wollen mitreißen. Programmpunkte werden erläutert, Zeitpläne geschmiedet, Kollaborationen erfunden, Netzwerke aktiviert und Ideen durch die Runde gekullert. Es geht um Frauen. Eine davon klingt angeblich wie PJ Harvey, von der Kuttner wohl ein Fan ist. Zwischenzeitlich erscheint mir das als die beste Nachricht des Tages. Aber so ist das halt. Ohne vernünftigen Soundtrack ist auch die produktivste Arbeitsbesprechung nur eine Runde. Wir hier jedenfalls bringen erstmal die Steine ins Rollen und dann das Festival auf die Straße. Und ins Netz. So ist der Plan, würde ich sagen.

Tina Bühner, Brechtfestival Pressearbeit.

19. September

1913: „Schule. Abends gefaulenzt. Lese fast nichts!“
(Brecht, Bertolt: Tagebuch N. 10 1913. Hrsg. v. Siegfried Unseld. Suhrkamp Verlag. Frankfurt, 1989. S. 77.)

17. September

1939: In Verbindung mit dem 100. Geburtstag seiner Großmutter Karoline Brecht entsteht die Geschichte Die unwürdige Greisin.
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 590, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

1944: Brecht rät seiner Tochter Barbara, die bei ihren Steppübungen schwitzt, »lieber mehr zu können, als sie macht, als mehr zu machen, als sie kann, bis sie soviel macht, als sie kann«
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 740, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

16. September

Brechtbüro

intern 2

„Ja, mach nur einen Plan“

Das Brechtfestival 2021 findet statt. Es ist aber noch nicht entschieden wo. Wandern wir aufs Gaswerk aus und schultern neben allen Unwägbarkeiten, die Corona mit sich bringt, die Erschließung von fünf nackten Industriehallen? Die Akustik im Scheibengasbehälter ist atemberaubend. Das Parkdeck gegenüber der Brechtbühne kurios. Die technischen Pläne für das Gaswerkareal haben wir erstellen lassen. Sie liegen jetzt beim Tiefbauamt. Ob wir sie genehmigt bekommen, wissen wir nicht. Während ich mir Sorgen um Hygienekonzepte und Leitsysteme für Besucherinnen einer Industriebrache im winterlichen Dämmerlicht mache, lautet die Ansage für unsere Künstler*innen: „Mobiles Straßentheater!“ Auf der anderen Seite stehen der martini-Park und das Textilviertel, das wir mit dem Brechtfestival 2020 schon bespielt haben und 2021 mit TIM und Provino erweitern könnten. Die Erfahrungen von diesem Jahr könnten wir ins nächste Jahr mitnehmen. Neue Hallen erschließen. Die schon beheizt sind. Schöne industrielle Kellergewölbe eröffnen. Genug Räume für Garderoben und Catering. Kuttner wird sagen: das brauchen wir alles nicht. Ich zeig ihm die Bilder von der wunderschönen Brache, auf der man auch ganz hervorragend eine LKW Wagenburg aufbauen kann. Von der sehr schönen industriellen Turbine, die den Kanal im martini-Park antreibt. Mobiles Straßentheater geht auch da. TIM und Provino sind auch in Laufweite. Morgen ist Ortstermin. Mit Festivalleitung aus Berlin. Dann muss eine Entscheidung her. Ich bin gespannt.
(Katrin Dollinger, brechtbüro)

15. September

1935: Die Nürnberger Gesetze, die „Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ verbieten werden vom Reichstag einstimmig angenommen.

 

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Aus: Bertolt Brecht: Ballade von der Judenhure Marie Sanders

 

Eines Morgens, früh um neun Uhr

Fuhr sie durch die Stadt

Im Hemd, um den Hals ein Schild, das Haar geschoren.

Die Gasse johlte. Sie

blickte kalt.

Das Fleisch schlägt auf in den Vorstädten

Der Streicher spricht heute nacht.

Großer Gott, wenn sie ein Ohr hätten

Wüßten sie, was man mit Ihnen macht.

(GBA 12, S. 16f.)

 

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1940: Ruth Berlau ist inzwischen wegen ihres Verhaltens … aus dem Gutshaus verwiesen worden. … »

Ich zog … weg und schlug ein Zelt in dem Birkenwäldchen auf. Es war nur einen Katzensprung von Brechts Haus entfernt. Ich hatte meine Schreibmaschine bei mir. Brecht besuchte mich in dem Zelt, und wir arbeiteten miteinander.«

Da sie ihn mehr für sich beansprucht, als ihm lieb ist, versucht ihr B zu erklären, daß er inmitten von Arbeiten »ganz und gar unsinnlich« sei und ihm »die harmlosesten Bemerkungen erotischer Art fast unerträglich werden«. »In solchen Zeiten finde ich jeden Gedanken von Dir, ich könnte hier eine finnische Sommernacht etablieren, schrecklich unadaequat, in der Tat beleidigend.«

(Werner Hecht, Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.621)

 

14. September

Eric Bentley (14.9.1916-5.8.2020) singt „Ballad of the Dead Soldier“:

13. September

DER DRAMATIKER PETER HACKS ÜBER BRECHT:

„Ich habe lange mit meiner Meinung geschwankt, ob Brecht bleiben wird. Ich bin deshalb auch oft widersprüchlich gewesen. Jetzt bin ich mir aber sicher: Er wird bleiben. Bei Brecht ist es dasselbe wie bei Tolstoi oder Wagner. Über letzteren habe ich einmal den Satz gelesen: ›Wagner hat sämtliche Irrtümer des 19. Jahrhunderts in seinem Werk versammelt.‹ Von Brecht kann man sagen: Bei ihm finden sich alle Irrtümer des 20. Jahrhunderts. Aber da ist kein Zweifel, ein solches Werk bleibt.“

(André Müller sen., Gespräche mit Hacks 1963 – 2003, Eulenspiegel Verlag, S. 327)

12. September

Maria Rose Amman – Die stille, blasse Liebe Bert Brechts

David Bowie besingt sie in „Remembering Marie A.“

11. September

 

DER SPIEGEL NR. 3/1967

10. September

Brecht-Boykott: …Im Jahre 1954 starteten Hans Weigel und Friedrich Torberg eine Kampagne gegen Brecht-Aufführungen in Wien. Schon 1946 hatte Torberg geschrieben: „Brecht, aus dem nun freilich seit zehn Jahren nur noch die blanke Scheiße herauskommt, doch vorher wenigstens etwas war, und es so einmalig war, dass diese Einmaligkeit ihm bis heute geblieben und anzurechnen ist?“ In der politisch-literarischen Zeitschrift FORVM (Deren Geldgeber war damals die  CIA-Vorfeldorganisaton „Congrès pour la Liberté de la Culture“) stellte Torberg die Frage „Soll Brecht in Österreich gespielt werden?“. Wobei er betonte „Ich bin nicht gegen Brecht. Ich bin gegen die Brechtokokken.“…

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Brecht-Boykott – cite_note-8)

 

9. September

intern 1

Jürgen Kuttner (mit Tom Kühnel Leiter des Brechtfestivals 2021) über die Schwierigkeiten eines Festivals in Corona-Zeiten und Sinn und Absichten dieses „Arbeitsjournals“

8. September

Bericht zur Brechtfestival-Planung in der Stadtzeitung

 


2020: heute, 20.10 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

BILDBESCHREIBUNG, Hörspiel von Heiner Müller

Bearbeitung und Regie: Stephan Heilmann
Mit: Hille Darjes, Felix von Manteuffel, Herbert Fritsch, Angelika Schett
Produktion: DRS 1987

7. September

1942: „sehe einen hübschen film the remarkable andrew. Ein stadtschreiber entdeckt fälschungen in den büchern der Stadt, er ist mit zitaten von jefferson und franklin aufgezogen worden, und so besucht ihn eines tages der general jackson, um ihn in seinem fall gegen die Stadtverwaltung zu beraten, er wird angeklagt, er habe Unterschlagungen begangen, im gerichtssaal erscheinen als anwälte franklin, washington usw. — der film ist mit bemerkenswerter phantasielosigkeit fotografiert, die ständigen gespräche des (durch seine ehrlichkeit) bemerkenswerten andrew mit den historischen gestalten, …, sind unglaublich nüchtern und dilettantisch aufgenommen, ebenso die anwesenheit der erlauchten anwälte im gerichtssaal. — der film ist übrigens kein erfolg.“

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal 1938-1945, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977)

6. September

1921: „Auf jeden Fall sollte man sich nicht allzuweit von den einfachen Zielen losseilen. Seit zum ersten Male billige Bretter über Schnapsfässer gelegt wurden und zwei Burschen öffentlich irgendelnen Handel austrugen, war die Unterhaltung der Zuschauer das bezahlte Ziel. … Die naiven Abenteuer mußten bald durch lebenskluge, praktische Maximen gewürzt, durch leicht eingehende Stimmungen leicht verdaulich gemacht, durch halb verhüllten oder frech platzenden Witz gepfeffert werden. Jetzt, am Endpunkt einer Entwicklung, befriedigt nur mehr die Eitelkeit der Akteure jene eines Parterres von Köchen und Topfguckern.“

(Bertolt Brecht, Tagebuch 1921, BFA 26, S.236)

5. September

1945: Das FBI registriert, daß Brecht mit Peter Lorre eine dem Geheimdienst unbekannte Arbeit beginnt; es handelt sich um die Filmgeschichte Lady Macbeth of the Yards.

 

(Link zur Quelle)

4. September

3. September

1944: „Zu dieser Zeit wurde ich durch Brecht schwanger. Ich war sehr glücklich, und Brecht war es auch, obwohl er äußerst bemüht war, meinen Zustand geheimzuhalten. Wir hatten uns auch schon über Namen geeinigt. Ein Mädchen sollte Susanne heißen, ein Junge Michel —wie das Kind im »Kreidekreis«. Kurz nachdem Brecht das Stück beendet hatte, am 3. September 1944, wurde Michel geboren. Brecht notierte in seinem »Journal«, daß ich in einem Hospital von Los Angeles »operiert« worden sei.

Ich war tat sächlich schwerkrank und lag mit hohem Fieber. Der Arzt verlangte eine Entscheidung: die Mutter oder das Kind? Ich sagte: »Rettet das Kind!« In diesem Augenblick stürmte Bertolt Brecht mit weißem Kittel und weißer Haube herein und rief: »Ich bin hier, ich bin gekommen.« Brecht kam jeden Tag. Davon hatte ich aber nicht viel, denn ich lag unter einem Atemgerät und war dem Sterben näher als dem Leben. Brecht hat seinen Sohn in dem Raum für Frühgeburten gesehen. Er erzählte mir später, daß ich immer nur nach Michel gefragt habe und daß mir nichts wichtiger war als die Rettung des Kindes.“

(BRECHTS LAI-TU. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Bunge, 1985 Luchterhand Verlag Darmstadt)

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2. September

1929: Theater am Schiffbauerdamm. Uraufführung von Happy End, „eine Magazingeschichte von Dorothy Lane“ (Anm: d.i. Elisabeth Hauptmann), Songs von Bertolt Brecht und Kurt Weill.

Alfred Kerr im Berliner Tagblatt 3.9.: „Ein paar nette Einfälle. Eine schmeichelnde Musik. Aber manchmal ein Gipfel der Stupidität. Der Beifall kam von einem bestimmten Teil der Zuschauerschaft“

1. September

1939: „früh 8 uhr 45. deutschland warnt alle neutralen, das polnische staatsgebiet zu überfliegen. Hitler an die deutsche wehrmacht. Dazwischen die melancholische marschmusik mit der die deutschen militaristen ihre schlächtereien einleiten.

das ist die clique, der gang, der fremdkörper, der den krieg beginnt ohne gott und mit brotkarte…“

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal 1938-1945, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1977)

FAQ

In den kommenden Wochen und Monaten bis zum nächsten Brechtfestival wird auf unserer Website ein digitales Arbeitsjournal entstehen.

Genauso wie Brecht sein kreatives Schaffen dokumentierte, wollen auch wir unseren Prozess offenlegen. Mit den Einträgen in unserem Arbeitsjournal werden wir Brecht, sein Werk und das Kollektiv, das ihn umgab umkreisen. Helene Weigel, Elisabeth Hauptmann, Margarethe Steffin, Ruth Berlau und einige andere waren wichtige Mitarbeiterinnen für Brecht. Ihre künstlerischen Beiträge standen allerdings lange im Schatten der öffentlichen Figur, die Brecht nach außen darstellte. Ganz im Gegensatz zu ihrer Rolle als Brechts Freundinnen oder Geliebte. Mit Zeitzeugnissen, Schnipseln und Fundstücken aus den Archiven werden wir das spannungsreiche Verhältnis in Brechts Kollektiv dokumentieren. Dazwischen mischen sich Momentaufnahmen aus unserem eigenen, von den Folgen der Corona-Pandemie gebeutelten Arbeitsstand. Dazu zählen Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, die sich genauso wenig wie wir von einem Virus davon abhalten lassen, neue Ideen zu entwickeln und sich öffentlichkeitswirksam mit Brecht und seinen Positionen zu beschäftigen. Welche Bedingungen wir dafür im Februar 2021 vorfinden? Können wir nicht sagen. Wir werden sicherlich unsere Wege finden.

 

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