“Worldwide Brecht – Beiträge aus Beijing, China”

Siting Yang: „V.A.B.E.L (Vom Armen BB Et aL)“

Liu Chengzhen: „Fuck Brecht“

Yi Dian: „b. solo b.“

Lai Haifeng: “Something about workers”

Zhao Yingru: „Orges Blick“

Filmpremiere in englischer und chinesischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Kuratiert von Kai Tuchmann

Film und Diskurs

Live

>>  Festivalzentrale im Staatlichen Textil- und Industriemuseum (tim)
>> Freitag, 25.2.2022, 19.00 Uhr,  Tickets

 

Digitalprogramm

>>  Freitag, 25.2.2022, 19.00 Uhr im Livestream
>> im Anschluss in der Mediathek verfügbar
>> Tickets
Angehende Theatermacher*innen aus China setzen ihre Lebensrealität in Bezug zu Texten von Bertolt Brecht. Sie entdecken biographische Resonanzräume, zum Beispiel im Gedicht „Vom armen B.B.“. Sie reiben sich an diesem westlichen Autor, der nur Debatten und Verwirrung stiftet. Sie erzählen von der Freundschaft zwischen Bertolt Brecht und Bai Juyi, einem chinesischen Dichter der Brecht in den 1940er Jahren im Exil begegnet und werfen ein Schlaglicht auf die aktuelle Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter, über die Brecht immer wieder geschrieben hat.

„V.A.B.E.L – Vom Armen Bb Et aL“

Ein Kurzfilm von Jiayi Cheng, Diankun Feng, Jiayi Ou, Tianyi Wang, Siting Yang, Haohan Zhao
Es war ein strenger Winter für Bertolt Brecht in Berlin, 1922, als er als aufstrebender junger Mann gerade aus „den schwarzen Wäldern“, seiner Heimatstadt Augsburg, weggezogen war. In einem von Brechts frühen Stadtgedichten, Vom Armen B. B. (1926-27), zeigt das nachrevolutionäre Berlin sein gnadenloses, alltägliches und herausforderndes Gesicht.
Für Brechts heutige chinesische Freunde in Shanghai, 2022, ist es ein harter Winter. Drei Wanderarbeiter, die sich treiben lassen und sich abmühen, um nicht unterzugehen. Ihre Schilderungen stehen stellvertretend für die Erfahrung von Millionen von unterversorgten Wanderarbeitern in China. Was führt dazu, dass ihr Leben und ihre Sehnsüchte in Shanghai kollidieren? Was haben sie über die konstruktiven und destruktiven Auswirkungen Shanghais auf ihre Arbeit, ihr Leben oder sogar ihre Existenz zu sagen?
VABEL – Vom Armen Bb Et aL versucht, die Erfahrung der Verortung unter den Wanderarbeitern mit kreativen formalen Mitteln zu verkörpern und präsentiert die Geschichte der Protagonisten als Brechtsche Fabel, die in engem Bezug zu ihren sozialen Interaktionen und Verlusten gestaltet ist. In VABEL -Vom Armen Bb Et aL komponieren die humorvollen Dialoge der Protagonisten in verschiedenen Dialekten, gepaart mit Puppenspiel, Collage und mehr, das Stadtgedicht von Shanghai, China, 2022.
Konzept und Regie von Siting Yang
Dramaturgie und Produktionsdesign von Yizhou Zhang

„Fuck Brecht“

Ein auf Recherche basierender Film.
Wer zum Teufel ist überhaupt Brecht? Er ist ein Deutscher, der uns Debatten und Verwirrung bringt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Brecht nach China kam, begann sich das Chaos zu verbreiten. Ja, wir brauchen ihn.  Seine Ideologie ist kein Problem und trägt zu unserer kommunistischen Sache bei, aber dieser seltsame westliche Schriftsteller… Wer ist er? Was ist der Verfremdungseffekt? Wie entsteht die Distanz zwischen der Bühne und dem Publikum? Wie geht man mit der verdammten Empathie um?
In dieser Videoarbeit reflektieren fünf Studierende über ihre Beziehungen zu Brecht – mit all ihren Emotionen, ihrer Wut, ihrer Rationalität, ihrer Analyse, ihrer Verwirrung, ihrer Entdeckungslust. Sie stellen historisches Archivmaterial und Aufnahmen aktueller Brecht-Inszenierungen einander gegenüber und verbinden sie mit persönlichen Gefühlen und akademischen Konzepten.
Dramaturgie: Liu Chengzhen
Entwickelt von: Han Lele, Yang Lin, Lian Zikun, Sun Yaqi.
Schnitt: Yang Lin, Han Lele

„B. solo B.“

Ein Schattenspielfilm.
Es war einmal in Buckow: ein Wolke hüllte Brecht ein, und als sie sich auflöste, war Brecht ein großer Vogel geworden. Dieser große Vogel fliegt durch die Nebelschwaden und trifft in der Kaiserstadt auf Bai Juyi. Gemeinsam schwimmen sie durch die tiefen, schwarzen Tintentümpel, durch Wolken- und Schattenschichten und rezitieren im späten Frühling gemeinsam Gedichte. Schließlich verwandelt sich der große Vogel wieder in Brecht und kehrt nach Buckow zurück.
Bai Juyi (772-846) war ein berühmter Dichter der mittleren Tang-Dynastie, der in der Zeit lebte, als die Tang-Dynastie im Niedergang begriffen war. Seine Gedichte stellten den dekadenten Luxus der Aristokratie bloß und spiegelten die Not des Volkes wider. Diese tiefe Auseinandersetzung mit der Alltagsrealität brachte Bai Juyi in Konflikt mit dem Tang-Hof und seinem Kaiser. In der Tat fiel Bai Juyi in Ungnade und wurde schließlich verbannt. Brecht übersetzte seine Gedichte aus einer Sammlung von englischen Übersetzungen von Tang-Gedichten ins Deutsche. Im Jahr 1952 veröffentlichte Brecht diese Übersetzungen in seinen „Versuchen“. Brecht selbst lebte zu dieser Zeit wie ein Einsiedler in Buckow.
B. solo B. geht der Frage nach, was Exil ist. Ist das Exil lediglich eine materielle Veränderung in Zeit und Raum? Oder ist es eine Veränderung des menschlichen Geistes? Die Antwort findet man, indem man Brechts Dialog mit Bai Juyis Gedichten lauscht.
von Yi Dian, Wu Anqi, Li Ruobing, Shen Wenjing, Qu Xueyu, Chen Ziying

„Something About Workers“

Viele von Brechts Werken befassen sich mit Menschen am unteren Ende der Gesellschaft, wie Soldaten, Bürgern, Dienern, Verkäufern und Arbeitern, wie z. B. seine beiden Gedichte Fragen eines  lesenden Arbeiters und Die Macht der Arbeiter.
In China gibt es einen jungen Dichter namens Xu Lizhi. Er war früher ein Arbeiter am Fließband bei Foxconn. Er schrieb als Amateur Gedichte und veröffentlichte sie im Internet. Im September 2014 beging er Selbstmord, indem er von einem Gebäude sprang. Jemand stellte seine fast 200 Gedichte in einer Gedichtsammlung zusammen und veröffentlichte sie unter dem Titel Ein neuer Tag. Xu Lizhi ist weniger als zehn Jahre von uns entfernt. Die Lektüre seiner Gedichte hallt noch immer in uns nach.
Soemthing about workers stellt Brechts idealisierte Arbeiter Xu Lizhis Beschreibungen der Realität der Fließbänder in China gegenüber.
geschrieben und inszeniert von Lai Haifeng, Ou Jingwei, Peng Yanhan, Yu Lihui und Zheng Haoyue

 

Orges Blick

Ein Konzept-Kurzfilm
Brechts Gedicht Orges Wunschliste wurde 1917 geschrieben. Seitdem ist der Text zu einer guten Referenz für das Leben in der heutigen Zeit in China geworden. Als wir uns an der Akademie einschrieben, hatten auch wir eine ähnliche Vision wie der 19-jährige Brecht. Wir glaubten fest daran, ein freies und romantisches Leben zu führen und künstlerische Kreationen zu schaffen, die für die Menschen stehen. Nach dem Abschluss des Studiums haben uns der harte und unerbittliche soziale Wettbewerb, die allgegenwärtige geschlechtsspezifische Gewalt und die Sparmaßnahmen sowie die kollektiv-unbewusste Umgebung des politischen Diskurses fast besiegt. Wenn man sich der Realität wirklich stellen will, muss man sich wieder der Quelle des Schmerzes stellen und die Dunkelheit in der Poesie verstehen.
Orges Blick untersucht die in Orges Wunschliste verwendeten Wörter aus einer sozialen und historischen Perspektive, die meisten von ihnen haben starke politische Implikationen und sind mit Problemen in der heutigen Gesellschaft verbunden: ‚Haut‘, ‚Mädchen‘, ‚Frau‘, ‚Feindseligkeit‘, ‚Wohnung‘, ‚Kunst‘, ‚Lehrer‘, ‚Götter‘, ‚Tod‘, usw. In unserem eigenen Leben benutzen Männer „weiß, jung und schwach“, um eine Gruppe von Frauen zu beschreiben, die leicht zu kontrollieren und als sexuelles Werkzeug zu benutzen sind. Die „unbeschädigte weiße Haut“ im Originaltext spiegelt nicht nur die Objektivierung von Frauen in der patriarchalischen Gesellschaft wider, sondern auch das Problem des Rassismus.
von Wang Guanyu, Sun Peijie, Ma Yixuan, Zhao Yingru, Zhang Yuanrong

Mit freundlicher Unterstützung von:

 

 

   

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

OK