Double-Feature: "Hamletmaschine" & "Bildbeschreibung" von Heiner Müller

Mit Einführungen von Wolfgang Rindfleisch und Dr. Kalliniki Fili

Zerberstendes Glas, Geraune im Zuschauerraum. Etwas Metallisches, das fortwährend auf etwas Anderes einschlägt, als wollte es das schwächere Material formen. Der Klangraum, den die Hörspielfassung von Heiner Müllers „Hamletmaschine“ aufmacht, ist brachial. Eine assoziative Bildkaskade, ein eingedampfter, auf das Wesentliche reduzierter Shakespeare. Der Torso eines Theatertexts ohne Figuren, Psychologie und dramatischen Konflikt. Unter dem Eindruck des Selbstmords seiner Frau und den Arbeitsbedingungen für Künstler*innen in der DDR komponiert Heiner Müller 1977 ein hellsichtiges Szenario, das die Verschmelzung von Mensch und Maschine im digitalen Zeitalter vorwegnimmt. Auch in „Bildbeschreibung“ ist die Schlüsselfigur eine Frau: Ende der 1980er Jahre, kurz vor der Wende haben Heiner Müller und der US-amerikanische Kultregisseur Robert Wilson „Alkestis“ im Visier: In aufopferungsvoller Liebe, so heißt es, habe diese sagenhafte Gestalt aus dem Mythos ihr Leben für das ihres Ehemanns hingegeben. Ende der Überlieferung. Wilson hatte dazu eine bildgewaltige Überschreibung im Sinn. Müller mit „Bildbeschreibung“ den Prolog in der Tasche: eine in Worte gegossene „Landschaft jenseits des Todes“ unter deren dünner Oberfläche albtraumhafte Abgründe lauern. Die Hörspielfassung weckt in der Manier gut gemachter Horrorfilme ein inneres Bedrohungsszenario. Mit der Originalmusik der Einstürzenden Neubauten und der Stimme von David Bennent als Sprecher, entfaltet sich ein Sturm archaischer Bilder einer unumkehrbaren Vergangenheit. Das Brechtfestival präsentiert „Hamletmaschine“ in Anwesenheit von Wolfgang Rindfleisch. Er war an der Hörspielproduktion beteiligt und kann aus erster Hand berichten, wie die Hörspielfassung in der Dämmerung des 90. Brechtgeburtstags in Ostberlin entstanden ist. Die Müller-Expertin Dr. Kalliniki Fili gibt eine Einführung in „Bildbeschreibung“.


19.00 Uhr „HAMLETMASCHINE“
nach dem gleichnamigen Theaterstück von Heiner Müller
Mit: Blixa Bargeld (Hamlet), Gudrun Gut (Ophelia), Heiner Müller (Sprecher). Ensemble: Einstürzende Neubauten. Regie: Wolfgang Rindfleisch; Blixa Bargeld Rundfunk der DDR 1990. Erstsendung: 27.09.1990
Dauer: ca. 30 Minuten + Einführung Wolfgang Rindfleisch


20.00 Uhr „BILDBESCHREIBUNG”
Bearbeitung (Wort): Peter Goslicki, Wolfgang Rindfleisch, Achim Scholz • Dramaturgie: Peter Goslicki • Regie: Achim Scholz • Ensemble: Einstürzende Neubauten
Dauer: ca. 40 Minuten + Einführung Dr. Kalliniki Fili