2018-02-10

>>Brecht-Meisterschüler B.K. Tragelehn (82) zu Gast beim Brechtfestival-Werkstatttag am 3. März<<


Am 10. Februar 2018 ist Bertolt Brechts 120. Geburtstag. Genau drei Wochen später besucht im Rahmen des Brechtfestivals sein Meisterschüler B.K. Tragelehn Brechts Heimatstadt Augsburg. B.K. Tragelehn (*1936 in Dresden) zählt zu den bekanntesten Regisseuren der Nachkriegszeit. Von 1955 bis 1958 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin (Ost) bei Bertolt Brecht. Damit dürfte er einer der letzten noch lebenden Brechtschüler sein – wenn nicht sogar der letzte. Mit dem Dramatiker Heiner Müller verband Tragelehn eine enge Freundschaft. Beim Werkstatttag des Brechtfestivals kann man dem 82-jährigen ganz persönlich begegnen.

Bei diesem Format, das es erstmals beim letzten Brechtfestival gab, nähern sich Experten und Gäste einen Nachmittag lang gemeinsam ausgewählten Aspekten aus Brechts Leben und Werk. Vorträge und Tischgespräche auf Augenhöhe sind die Grundlage der Begegnung, die Atmosphäre im Sensemble Theater ist sehr persönlich. Titel der diesjährigen Ausgabe ist „Revolution Revisited: Scheitern als Chance?“ Dabei geht es u.a. um die Revolutionen von 1918 und 1968, um Brechts „Fatzer“, „Trommeln in der Nacht“ und einige Ausschnitte aus dem Werk Heiner Müllers. Teilnehmen können alle Interessierten: Theatergänger, Studierende, Brechtfans.

Tragelehn blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Er war als Theater-Regisseur, Schriftsteller und Übersetzer tätig und arbeitete unter anderem am Berliner Ensemble, Schauspiel Frankfurt und Staatsschauspiel Dresden. In Düsseldorf war Tragelehn ab 1987 Schauspieldirektor. Seine künstlerische Laufbahn begann in Berlin bzw. der damaligen DDR. Tragelehn geriet aufgrund seiner Inszenierungen mehrfach ins Visier der SED. Im September 1961, einen Monat nach dem Bau der Berliner Mauer, verursachte seine Uraufführung von Heiner Müllers Stück „Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande“ den größten Theaterskandal der DDR, in dessen Folge Tragelehn strafweise zum Braunkohletageabbau geschickt wurde. In den 70er Jahren erhielt er ein Arbeitsverbot. Von 1979 bis 1989 lebte und arbeitete Tragelehn in Westdeutschland. Nach der Wende zog er zurück nach Berlin. Mit Heiner Müller verband ihn eine langjährige und sehr enge Freundschaft und eine intensive künstlerische Zusammenarbeit.

B.K. Tragelehn ist Vorsitzender der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft, sowie Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

Noch zwei weitere Experten für Kunst als realpolitische Praxis laden zum Werkstatt-Tag ins Sensemble Theater: Der in Berlin lebende Alexander Karschnia ist Theatermacher und -wissenschaftler. Er ist als Performer, Texter und Theoretiker tätig und Mitbegründer des Theater- und Performance-Kollektivs andcompany&Co. Mit Christoph Schlingensiefs Partei „Chance 2000“ hat er einst die Regierung Kohl herausgefordert. Florian Schneider verbindet Wissenschaft, Kunst und Aktivismus. Als Wissenschaftler mit internationaler Expertise leitet er die Academy of Fine Arts an der Fakultät für Architektur und Bildender Kunst an der Norges Teknisk-Naturvitenskapelige Universitet in Trondheim. 1997 initiierte er als künstlerische Reaktion auf die europäische Grenzpolitik mit einigen Mitstreiter*innen die Kampagne „Kein Mensch ist illegal“.

Der Werkstatttag im Rahmen des Brechtfestivals „Revolution Revistited: Scheitern als Chance?“ findet am 3. März im Sensemble Theater statt.

Dauer: 12 bis 16 Uhr.
Tickets kosten 15€ und 12 €.

Freier Eintritt mit Theaterticket: Studierende und Besucher*innen der Vorstellungen von „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“, „Der Gute Mensch von Sezuan“ und „Dickicht“ haben freien Eintritt. Bitte Ticket bzw. Studienausweis mitbringen.

Karten, Anmeldung und Informationen unter www.brechtfestival.de und brecht@augsburg.de.

Brechtfestival 2018: Vom 23. Februar bis zum 4. März stehen beim Brechtfestival hochkarätige Theatergastspiele, Theaterpremieren, Konzerte, Lesungen, Literaturveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Workshops für Erwachsene und junges Publikum auf dem Programm. Das Festival steht 2018 unter dem Motto »Egoismus versus Solidarität«, flankiert von dem Zitat »Ich glaub nicht, was ich denk«. Das Programm möchte lustvoll und experimentell »die Gegenwart mit Brecht und Brechts Werk mit der Gegenwart konfrontieren«, so Festivalleiter Patrick Wengenroth. Auf dem Programm stehen u.a. Gastspielen des Theaters Bremen und des Maxim Gorki Theaters Berlin. Im Musikprogramm der Langen Brechtnacht sind neben vielen weiteren Acts die US-Band Algiers und die Düsseldorfer Antilopen Gang zu hören. Wengenroth leitet das Festival noch bis 2019. Das Programm ist online unter www.brechtfestival.de

Bertolt-Brecht-Preis: Am 19. April wird der Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg verliehen. Er geht an Nino Haratischwili. Weitere Informationen hierzu erteilt das Kulturreferat der Stadt Augsburg: kulturreferat@augsburg.de.

Pressekontakt
Tina Bühner
Tel.: +49 821 2440 7597
Mobil: +49 151 12 90 8000
brecht-presse@augsburg.de
buehner@kulturmagd-pr.de
Pressematerialien: www.brechtfestival.de/presse und auf Anfrage.

Kontakt Brechtbüro im Kulturamt der Stadt Augsburg
Katrin Dollinger
Tel.: +49 821 324 342 71
brecht@augsburg.de
www.brechtfestival.de

Info
Das Brechtfestival Augsburg findet jährlich statt und wird veranstaltet vom Brechtbüro im Kulturamt der Stadt Augsburg in Kooperation mit dem Theater Augsburg. Seit 2017 wird die künstlerische Leitung des Festivals alle drei Jahre neu besetzt. Von 2017 bis 2019 liegt diese bei Patrick Wengenroth. Partner des Brechtfestivals ist die Stadtsparkasse Augsburg. Mit freundlicher Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, der Stadtwerke Augsburg, des Bezirks Schwaben sowie weiterer Förderer und Sponsoren. Danke an die Medienpartner: Bayern 2, Augsburger Allgemeine, TAZ, Theater der Zeit, nachtkritik.de und Münchner Feuilleton.


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