Wahres Schreiben

Michael Friedrichs über den Schulwettbewerb des kommenden Brechtfestivals

Herr Dr. Friedrichs, der vom Bert Brecht Kreis ins Leben gerufene Schulwettbewerb hat in der vergangenen Festivalausgabe einen neuen Rekord erzielt: 75 Einreichungen mit 217 Beteiligten. Was bedeutet der Wettbewerb für die Schüler*innen?


Ich glaube, da gibt es zwei Dinge: beim Schulwettbewerb werden Gemeinschaftsarbeiten bevorzugt, und in der Wahl des Mediums sind die Teilnehmer*innen völlig frei. Beim kreativen Schreiben, Filmen oder Komponieren kann man Fähigkeiten entwickeln und Talente entdecken, die beim Deutschaufsatz in der Schule weniger gefragt sind.

2020 werden Brechts Thesen zu den „Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“ zum Thema. Was hat es damit auf sich?

Das bezieht sich auf einen Artikel, den Brecht 1934/35 im Exil in Dänemark geschrieben hat: „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“. Darin suchte er nach Möglichkeiten, den Nationalsozialismus in Deutschland mit Argumenten zu bekämpfen.
Er schrieb, dass man Mut, Klugheit und List bräuchte. Die Wahrheit muss dann als Waffe eingesetzt werden und man muss sich gut überlegen, an wen man sie weitergeben kann. Es gelang ihm sogar, diese Schrift auf Deutsch im Ausland zu veröffentlichen. Auch heute ist die Pressefreiheit in vielen Ländern bedroht. Aber es kann auch andere Gründe geben, die es schwierig machen, die Wahrheit zu schreiben, z.B. wenn man mit jemandem Schluss machen will, wenn man sich beschweren möchte oder auch, weil man die Wahrheit einfach nicht herausbekommt. All diese Arten von Schwierigkeit können bei diesem Wettbewerb Thema sein, und wir freuen uns auf große Vielfalt.


Der Wettbewerb lädt Schüler*innen dazu ein, sich kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen. Unterschiedlichste Ausdrucksformen sind erlaubt: Wie kann, darf, muss, soll Bertolt dabei ein Vorbild sein?

Brecht war ein moderner Autor, der alle ihm verfügbaren Medien nutzte: neben Büchern, Zeitschriften und Theater auch Radio und Film. Er hat sich dabei über deren Wirkungsweise viele Gedanken gemacht. Das Medium beeinflusst die Wirkung auf die Leser/Hörer/Zuschauer*innen: Ein Theaterstück wirkt beim Lesen anders als auf der Bühne, anders in der Verfilmung.
Aber da gibt es noch etwas: Schon Brecht fand es wichtig, mit seiner Kunst auch was zu verdienen. Auch bei unserem Schulwettbewerb gibt es (in bescheidenem Rahmen) etwas zu gewinnen: Gemeinschaftserlebnisse und Einzelpreise.



Bis zum 4. Dezember 2019 sind Schüler*innen der Augsburger Schulen ab Klasse 5 dazu aufgerufen, Szenen, Geschichten, Gedichte, Lieder, Bilder oder Filme einzureichen, die das Thema frei bearbeiten oder auf Brechts bekannte Schrift „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“ Bezug nehmen. Einreichungen sind per E-Mail an friedrichs@wissner.com zu richten oder per Post an Brechtkreis e.V., c/o Brechthaus, Auf dem Rain 7, 86150 Augsburg. Die eingereichten Einzel- und Gruppenarbeiten werden im Anschluss von einer Jury bewertet und bei einer Preisverleihung im Rahmen des Brechtfestivals im Februar 2020 prämiert.