Das Brechtfestival in den Medien

Was unsere Besucher*innen schreiben

(c) KW Neun

"Mit dem Gastspiel „Auf der Straße“ des Berliner Ensembles im Martinipark bekommt das Brechtfestival 2019 gleich eine brisante Note. In dem Stück geht es um die vielen Obdachlosen in Berlin, ein Abend, der nachwirkt",  berichtet Richard Mayr. In der Onlineausgabe der Augsburger Allgemeinen zeigt eine Bildergalerie erste Eindrücke vom gestrigen Eröffnungsabend im martini-Park.

Stephanie Metzger hat für die Bayern2 kulturwelt die Festivaleröffnung besucht:
"Patrick Wengenroth hat mit seinem Programm ein sicheres Gespür für Theater auf der Höhe der Zeit: Neben She She Pops "Oratorium" ist auch "Unendlicher Spaß" von Thorsten Lensing dieses Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen (...) Die formale Vielfalt der Theaterproduktionen lässt schon jetzt vermuten: Theater machen und Theater schauen ist nicht nur an diesen zehn Festivaltagen Gemeinschaftsarbeit. Im Idealfall ein Versuch, Machtstrukturen auszuhebeln, neue Orte und Denkräume zu erkunden und sowohl beim Besucher, als auch in der Welt Spuren zu hinterlassen, die andere sind als Plastiktüte, Tetrapack und Pappbecher..."
Über das Gastspiel des Berliner Ensembles sagt sie: „Dieser Abend leistet Aufklärung, berührt.“ Auf subtile Weise befasst sich die interaktive Performance „Böse Häuser“ von Turbo Pascal mit fremden Perspektiven und lässt das Publikum mit dem Körper denken: „Wechseln wir Perspektiven, konfrontieren wir uns mit Fremden, überwinden wir Grenzen. Theateraufführungen beim Brechtfestival sind dafür nur eine, aber eine vielversprechende Möglichkeit.“

„Auf der Straße“ von Karen Breece und Ensemble eröffnet als Gastspiel des Berliner Ensembles das Brechtfestival. Zahlen und Fakten über Armut und Obdachlosigkeit bleiben hier nicht bloße Ziffer sondern bekommen ein Gesicht und gehen unter die Haut, beschreibt Richard Mayr von der Augsburger Allgemeinen seinen Eindruck: „Warum gibt es hier Armut? Je länger dieser Abend dauert, desto quälender wird diese Frage. Ja warum? Da spannt Breece einen weiten Bogen, in dem sie am Anfang und Ende Solon zitiert (…) Jubel und langer Applaus für diesen packenden Beginn!"

Alois Knoller von der Augsburger Allgemeinen berichtet, dass Electronic City im Sensemble Theater „als Lehrstück über entfremdetes Leben und Lieben im Zeitalter der Globalisierung packt … Konsequent bedient sich Sebastian Seidel bei seiner Inszenierung der Mittel von Brechts epischem Theater. (…) Birgit Linner, Jörg Schur und Sarah Hieber agieren fast wie ein antiker Chor, eine unerbittliche Schicksalsmacht. Langer, ergriffener Beifall nach 75 intensiven Spielminuten.“ Renate Baumiller-Guggenberger (A3 Kultur)  sieht in Electronic City  "einen überzeugenden Beitrag zum »Brechtfestival für Städtebewohner*innen«, der dank starker Ensembleleistung und raffinierter Regie den Publikumspuls beschleunigte."

In der Stadtbücherei erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer am Samstag eine "Lyrik-Matinee im XXL-Format (...) Es ist bemerkenswert, wie vielfältig dieser Morgen ist", berichtet Richard Mayr für die Augsburger Allgemeine. "Die Zuschauer versetzt dieser Lyrik Marathon in einen eigentümlichen Zustand (...) Lyrik gesprochen macht es schwer, den Inhalt in all seinen Verästelungen und Andeutungen ganz zu ergründen, dafür führt die Stimme der Autoren in ganz andere Bereiche, öffnet neue Räume, in denen einzelne Verse oder Bilder immer weiter nachklingen. Applaus nach dreieinhalb kurzweiligen Stunden." 

Rüdiger Heinze (Augsburger Allgemeine) erlebte am Samstag Abend auf der brechtbühne einen "geboten schmutzigen, geboten räudigen, geboten harten Staatstheater-Abend" getragen von Natalie Hünig als wenig Hoffnung verströmendem Baal. Auch Willibald Spatz zeigt sich auf Nachtkritik beeindruckt von Mareike Mikats Regie und Natalie Hünigs Darstellung des Baal. Hünig schaffe es, dieser Figur, von der Brecht selbst sagte: "Er ist asozial, aber in einer asozialen Gesellschaft", einen unsicheren Kern zu geben. Und plötzlich sei Baal kein Ekel mehr, plötzlich empfinde man Mitleid mit ihm. "Das ist bei dieser Textvorlage, die es darauf anlegt, dass man am Schluss alle widerwärtig findet, eine nicht geringe schauspielerische und inszenatorische Leistung."