Apokalypse im Wohnzimmer – das Live-Hörspiel „Geschichte meiner Einschätzung ..."

(c) Christian Menkel
Der Reiz bei Live-Hörspielen liegt im inneren Auge des Betrachters/der Betrachterin. Er oder sie muss selbst aktiv werden, das Kino im Kopf anschalten, so das in der Welt der Gedanken ein sehr eigenes persönliches Ganzes entsteht. Der/die Zuhörerin wird zum/zur Produzentin, ganz im Sinne Brechts. In Augsburg sind Live-Hörspiele eine Seltenheit. Grund genug für das Brechtfestival mit „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“ von PeterLicht ein bisschen Pionierarbeit zu leisten. Entstanden ist das Stück als Auftragsarbeit für Deutschlandfunk Kultur, als der Autor PeterLicht sich noch beharrlich weigerte, sein Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen oder sich fotografieren zu lassen. Anja Caspary, die Musikchefin von Radio Eins interviewt den Festivalleiter Patrick Wengenroth, der von sich selbst behauptet, der Autor zu sein. Eingebettet in PeterLichts „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“ und Songs von PeterLicht entspinnt sich ein kurzweiliges, tiefgründiges Spiel:

„Ich empfinde, dass sich die Dinge ändern. Alles ändert sich zurzeit. Was ich verfolge, ist ein Gedankenexperiment. Ich behaupte: Es könnte sich auch alles anders ändern. Es könnte doch sein, dass es den Kapitalismus ab morgen nicht mehr gibt. Dass die Menschen sich rausstellen und einmal das System betrachten – anstatt zur Arbeit zu gehen. Dieses Ausrufen vom Ende des Kapitalismus ist auch der Versuch, einen schönen Gedanken wie eine Blase aufsteigen zu lassen und zu beobachten, wie weit er fliegt“.
PeterLicht

Text und Musik: PeterLicht, Szenische Einrichtung: Patrick Wengenroth
Mit: Patrick Wengenroth, Matze Kloppe, Anja Caspary, Musikalisches Arrangement: Matze Kloppe, Künstlerische Mitarbeit: Vivien Mahler