Kontakt

Brechtbüro im Kulturamt Stadt Augsburg Bahnhofstraße 18 1/3a D-86150 Augsburg Deutschland Tel 0821 / 324 34270 brecht(at)augsburg.de

Künstlerische Leitung:
Tom Kühnel, Jürgen Kuttner

Projektkoordination:
Katrin Dollinger

Kuration Musikveranstaltungen und Best of Poetry:
Girisha Fernando

Kulturmagd PR, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Tina Bühner

Projektmitarbeit:
Manuela Sedlmair

Über uns

Das Brechtfestival ist Theater, Literatur, Musik und Diskurs. Es performt, präsentiert, produziert und provoziert. Es generiert Gesprächsstoff und Meinungen. Das Brechtfestival ist Pop und Chor-Kantate. Es kann Holzhammer und Feinsinn. Haut rein und räumt auf. Streitbar und unterhaltsam, gnadenlos und sinnlich. Ganz im Sinne und im Geiste seines Namensgebers Bertolt Brecht.

 

Bertolt Brecht wurde am 10.2.1898 in Augsburg geboren und starb am 14.8.1956 in Ost-Berlin. Dazwischen liegt ein unglaubliches Künstlerleben, das durch und durch von den Wirren der Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt ist.

 

Bertolt Brecht hat Spuren hinterlassen. Als Autor, Lyriker, Theatermacher und Denker. In seinem epischen Theater verbindet er gesellschaftskritische Texte, Theater und Musik. Von den Menschen verlangt es, auf die Dinge „drauf“ zu schauen und selbst aktiv zu werden. Weil, so die Theorie, pures Mitgefühl nichts an den gesellschaftlichen Verhältnissen ändern wird. Als Künstler hat Brecht mit Konventionen gebrochen. Er hat festgefahrene Vorstellungen davon, wie und was die Kunst im Allgemeinen und Theater im Speziellen zu sein haben, auf den Kopf gestellt. Er hat Widersprüche benannt und Ausflüchte erschwert.

 

Theater auf der ganzen Welt spielen Brechts Stücke. Seine Ideen haben Generationen von Künstler*innen beeinflusst, darunter auch Popmusiker*innen und Songwriter*innen wie Bob Dylan, Patti Smith und David Bowie, auf die sich weitere beziehen. Da verwundert es nicht, dass man Brecht auf großen Bühnen ebenso findet wie in Clubs und Off-Theatern. Brecht ist Champagner und Schnaps gleichermaßen. Und sein Werk inspiriert, fasziniert und provoziert Künstler*innen, Zuschauer*innen und Leser*innen unterschiedlichster Generationen, Art und Weise. Das Brechtfestival macht das erlebbar.

Hier findet man renommierte Künstler*innen neben Neuentdeckungen, Augenscheinliches neben Hintergründigem und Etabliertes neben Experimentellem. Der Einladung nach Augsburg folgen Schauspieler*innen, Musiker*innen, Slam-Poet*innen, Literat*innen, Filmemacher*innen und Brechtforscher*innen. Gemeinsam mit Kulturakteur*innen und Brecht-Institutionen vor Ort prägen sie das Profil des generationen- und genreübergreifend konzipierten Festivals.

Mit Tom Kühnel und Jürgen Kuttner erfährt das Brechtfestival 2020 eine Neuausrichtung. Seit der temporären Schließung des Großen Hauses 2017 befindet sich Augsburgs Theaterlandschaft im Übergang. Auch dem Brechtfestival fehlt seitdem ein zentraler Spielort für technisch anspruchsvolle Gastspiele. Der Bühnenturm eines klassischen Schauspielhauses misst in der Regel über 12 Meter. Nun diktiert die Raumhöhe der Halle B13 im Textilviertel die Gastspielauswahl. Alles, was vier Meter übersteigt, scheidet von vorn herein aus.

Gastspieleinladungen sind damit nur mit technischen Einschnitten, verhältnismäßig hohem Aufwand und großer Kompromissbereitschaft seitens der Künstlerinnen und Künstler möglich.

Tom Kühnel und Jürgen Kuttner machen aus der Not eine Tugend. Sie verstärken die Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Augsburg und setzen auf Eigenes, d.h. auf Stücke, die man nur beim Brechtfestival sehen kann.

Das Festival schöpft aus der Fülle von Brechts Werk. Selten gespielte Lehrstücke, Kantaten und Lyrik werden in originären Miniproduktionen von Künstlerinnen und Künstlern wie Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Charlie Hübner und Milan Peschel präsentiert. Die beiden Festivalleiter laden das Gymnasium bei St. Stephan ein, eigens für das Festival Brechts Chorstück „Der Jasager“ zu erarbeiten. Die Brechtbühne im Gaswerk wird zur Lehrstückzentrale, die namhafte Akteure aus der Freien Szene mit einem Regisseur aus Sakhalin in Russland und einer Regisseurin aus Wyoming in den USA vernetzt. Das Programm schafft Verbindungen von Brecht zu Heiner Müller und Lothar Trolle. Schließlich wird das komplette Format wird neu gedacht. Rund 30 Veranstaltungen konzentrieren sich auf zwei Spektakel-Wochenenden im martini-Park. Riesenrad, Zuckerwatte, Popcorn und Ochs am Spieß sorgen dort für Brechtsche Jahrmarktsatmosphäre. Unter der Woche erleben die Festivalbesucher*innen Hörspiele, Film und Poetry in der Stadt. Mit dieser Neuausrichtung gelingt es Menschen aller Altersschichten für Brecht zu begeistern und das Festivalmotto „Er ist vernünftig, jeder versteht ihn“ geht hervorragend auf.

Das Brechtfestival 2017 – 2019 unter der künstlerischen Leitung von Patrick Wengenroth Seit 2017 ist die künstlerische Leitung des Festivals auf jeweils drei Jahre ausgerichtet und verleiht dem Festival eine dynamische und abwechslungsreiche Handschrift. In seinem Lehrstück „Die Maßnahme“ (1930/31) lässt Brecht den Kontrollchor singen: “Ändere die Welt: sie braucht es!“. Diese zeitlose Botschaft liegt Brechts Haltung und seinem Werk zugrunde und übertitelte das Brechtfestival 2017 (3.-12. März), das erstmals der in Berlin lebende Regisseur und Schauspieler Patrick Wengenroth als künstlerischer Leiter konzipierte und thematisch verantwortete. Seitdem stehen das Politische Denken und die ästhetische Praxis im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung – mit ihrer ungebrochenen Relevanz und Aktualität angesichts der gegenwärtigen Erosionsphänomene, Kulturkrisen und brennenden gesellschaftlichen Fragen, die Deutschland, Europa und die ganze Welt bewegen. Lustvoll und experimentell erkundet Patrick Wengenroth mit seinem Programm, inwieweit Kunst ein Motor sein kann, um den Menschen den Glauben an eine Veränderbarkeit der Welt durch Kreativität und Phantasie vor Augen und Ohren zu führen. „Ändere die Welt, sie braucht es.“– Ja, genau. Denn Krise ist immer – innen wie außen. Und die Welt, die es zu verändern gilt, ist oftmals nicht mehr zu verstehen: »Ich glaub nicht, was ich denk« heißt es in Brechts Fatzer-Fragment. Von der Frage nach der Veränderungsnotwendigkeit der Welt spinnt das Brechtfestival 2018 den Faden weiter zu den Möglichkeiten der Veränderung. Die Begriffe Egoismus und Solidarität bilden dabei die Grundlage der Auseinandersetzung mit Brecht und der Gegenwart. Weniger als Gegensätze, zwischen denen es zu wählen gilt, sondern als semantisches Feld, in dem diese Auseinandersetzung geführt wird.

Das Festival von den Anfängen bis 2016

Das Brechtfestival ist das Nachfolgeprojekt des Literatur-Festivals „abc“ (augsburg brecht connected), das unter der Leitung des Schriftstellers Albert Ostermaier zwischen 2006 und 2008 stattfand. Von 2010 bis 2016 war der Journalist, Regisseur und Autor Dr. Joachim A. Lang Leiter des Brechtfestivals.

Seine Programmatik näherte sich Brecht in seinen unterschiedlichen Lebensphasen an. Einen Überblick über die Programmpunkte dieser Zeit bietet unser Archiv.

Über Bertolt Brecht

Eugen Berthold Friedrich Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Mit seiner Dichtkunst prägte er die Literatur des 20. Jahrhunderts. „Ändere die Welt, sie braucht es!“ ist ein berühmtes Zitat von ihm. Er selbst arbeitete daran zeitlebens mit seiner Kunst. Bei seinem Namen fing er an: Aus Eugen wurde „Bertolt Brecht“, kurz „B.B.“. Das prägnante Kürzel steht heute für ein umfangreiches Werk: 2300 Gedichte, 200 Erzählungen und 48 Theaterstücke. Dazu kommen philosophische und theoretische Abhandlungen, Briefe, Hörspiele und Drehbücher. B.B. beherrschte die unterschiedlichsten literarischen Formen und hat mit dem „epischen Theater“ das bürgerliche Theater in Europa revolutioniert.

„Ich möchte gern eine Kunst machen, die die tiefsten und wichtigsten Dinge berührt und tausend Jahre geht: Sie soll nicht so ernst sein.“ (GBA 26/ S.289).

Unmenschlichkeit, Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit – Brecht schrieb darüber, wo er sie sah. Dass er bei aller Nüchternheit ein leidenschaftlich Liebender war, bezeugen seine Liebesgedichte. Schreibend wurde er zu einem hellsichtigen Chronisten seiner Zeit. Seine Schulkameraden wurden als Soldaten für Kaiser Wilhelm in den Krieg geschickt. Er erlebte die Anfänge der Weimarer Republik, die Weltwirtschaftskrise, schließlich den Aufstieg des Faschismus zu Beginn der 1930er Jahre, der Deutschland in den Zweiten Weltkrieg stürzte. Noch bevor die Nationalsozialisten seine Bücher verbrannten, ging B.B. mit seiner Familie ins Exil: Prag, Wien, Zürich, Paris, Svendborg in Dänemark, Stockholm und Helsinki waren Stationen. 1941 gelangte Brecht in die USA. Nachdem man ihn dort beschuldigt hatte, sich für die Kommunistische Partei zu engagieren, kehrte er auf den Kontinent zurück. Bis Kriegsende fand er Zuflucht in der Schweiz. 1949 übernahm er in der DDR zusammen mit seiner Frau Helene Weigel das Theater am Schiffbauerdamm. Dort gründeten die beiden das „Berliner Ensemble“. Lebenslange Freundschaften verbanden Brecht mit außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeiten, darunter einige kluge Frauen, die als Mitarbeiterinnen zu seinem literarischen Erfolg beitrugen, wie Ruth Berlau, Margarethe Steffin und Elisabeth Hauptmann.

Mit der Forderung nach einer „epischen Spielweise“ verfolgte der Theatermacher Bertolt Brecht ein aufklärerisches Anliegen. Das Publikum sollte sich nicht länger von der dargestellten Handlung mitreißen lassen und den eigenen Schmerz im Schicksal der vorgeführten Figuren wiedererkennen. Deshalb setzte Brecht in seinem „epischen“ Theater Verfremdungs- (V-) Effekte ein. Das Publikum sollte dazu gebracht werden, aus der Distanz heraus, kritisch über die Ursachen gesellschaftlicher Missstände nachzudenken. Denn „Das Schicksal des Menschen ist der Mensch“, davon war Brecht überzeugt.

Seine Theaterstücke zählen bis heute zu den meistgespielten der Weltliteratur.

Archiv

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