„Fatzer“ nach Bertolt Brecht

Chiten (Kyoto), Japanische Erstaufführung (2013)

In japanischer Sprache mit deutschen Übertiteln

>> Festivalzentrale im Staatlichen Textil- und Industriemuseum (tim)
>> online: Dienstag, 22.2.2022, 19.30 Uhr
>> Festivalpass (online)
Fatzer gehört zu einer Gruppe von Soldaten, die von ihrer Einheit geflohen sind. In ihrem Kellerversteck warten die Deserteure auf die Revolution, von der sie sich ein Ende der Kriegshandlungen erhoffen. Doch in der langen Zeit des Wartens zerbröckelt ihre Solidarität. Das Brechtfestival zeigt erstmals die japanische Erstaufführung von Brechts Fragment gebliebenem Stück. Der Originaltext umfasst 500 Seiten Verse und Notizen. Chiten nutzen für ihre Inszenierung die Fassung „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ von Heiner Müller, reichern diese aber noch mit weiteren Textstellen an. Der apokalyptische Soundtrack zum Stück kommt von der Band Kukangendai. So entsteht eine wilde Klangkulisse aus elektronischer Musik, Kugelhagel und Todesschreien, die sich mit den Stimmen der Schauspieler zu einer dynamisch dichten Atmosphäre verbinden.
Motoi Miura: „Ich suchte nach einem Text, der nicht an den strengen Ablauf einer Geschichte gefesselt war. Der unvollendete „Fatzer“ kam diesem Wunsch entgegen und es traf sich gut, weil ich Lust hatte ein Brechtstück zu inszenieren. Es ist faszinierend die Grausamkeit der menschlichen Gesellschaft zu zeichnen, in der es immer um Anarchismus geht und das Scheitern von Gemeinschaft“ erklärt Regisseur Motoi Miura. “Der Humor und die Ironie, die man beim Lesen von Brechts Texten zu spüren bekommt, kommt auch in Japan gut an. Humor und Ironie bringen Freude und Lachen in den Alltag einer im Schrumpfen begriffenen Lebendigkeit innerhalb der geschlossen Grenzen der Gesellschaft.  Sich auf den Weg machen und die Welt zu erforschen, die Brecht versucht hat zu sehen, war für uns ein Versuch unsere soziale Situation nocheinmal ohne Pessimismus zu überprüfen.“

„Chiten“

bedeutet auf Japanisch „Ort“ oder „Punkt“. Die freie Gruppe in der künstlerischen Leitung von Motoi Miura hat sich auf Performances spezialisiert, die als Collage aus vorgefundenen Textfragmenten entstehen. Bei Chiten wird Sprache zum Material: ursprüngliche Wortbetonungen, natürliche Sprachrhythmen werden verschoben. Im Vordergrund steht der Klang. Was so entsteht, hat starke musikalische Qualitäten. Chiten sucht immer nach neuen Möglichkeiten sich den bearbeiteten Texten, anzunähern. Zu den bisher wichtigsten Arbeiten gehören Theatertexte von Anton Tschechow, Bertolt Brechts „Fatzer“ und „Kein Licht“ von Elfriede Jelinek.
Chiten wurde in Tokyo gegründet. 2005 zog die Gruppe nach Kyoto. Seit 2013 gibt es mit dem „UNDER-THROW“ ein eigenes Studiotheater in einem ehemals verfallenen Musikclub. Dort zeigt Chiten sein Repertoire und neue Arbeiten. Chiten gastierten bereits im Meyerhold Center in Moskau, im Globe Theatre London und beim IBS Kongress in Leipzig.
www.chiten.org

 

Text:

Bertolt Brecht

Übersetzung:

Masayuki Tsuzaki

Regie:

Motoi Miura

Musik:

Kukangendai

Bühnenbild:

Itaru Sguyiama, Karasuya

Licht:

Yasuhiro Fujiwara

Ton:

Toshihiro Dooka

Kostüm:

Kyoko Domoto

Bühnenmeister:

Nobuaki Oshika

Produktionsleitung:

Aya Komori, Yuna Tajima

Bild:

Chiten, Hisaki Matsumoto

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