1. Oktober

1. Oktober

Heute ab 19.00 Uhr live im Audio-Stream : Brechtfestivalleiter Jürgen Kuttner moderiert die Eröffnung zur Ausstellung „ON AIR. 100 Jahre Radio“ im Museum für Kommunikation Berlin.

Kuttnervisual 100Jahre Radio

AUDIO-STREAM am 1. Oktober 2020 um 19 Uhr. Schalten Sie ein!

 

Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. Und wer waren alle?“

Bertolt Brecht

Credits: Zitat aus: Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Schriften 1. Bd. 21. S. 552ff. Suhrkamp. 1992. Bild: Mit freundlicher Genehmigung des Museums für Kommunikation.
30. September

JETZT MITMACHEN!

Kreativwettbewerb für Schülerinnen und Schüler macht Brechts Jugendliebe zum Thema.
Einreichfrist ist der 18. Oktober.
Die besten Arbeiten werden beim Brechtfestival 2021 prämiert.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Gedichte, Bilder, Filme, Songs, Storys oder Minidramen einreichen.
Die Wahl der Medien ist frei. Auch Insta-Stories und Tik Toks sind möglich. Es kann alleine oder in Gruppen gearbeitet werden.

Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge werden von einer Jury bewertet.
Die Autorinnen und Autoren der besten Arbeiten werden die Möglichkeit bekommen, ihre Werke unter professionellen Bedingungen weiterzuentwickeln und beim Brechtfestival im März 2021 zu präsentieren.

Darüber hinaus gibt es Bücher- und Kinogutscheine und eine Urkunde für alle, die mitmachen.
Gerne weitersagen!

Einreichfrist: 18. Oktober 2020.

Kontakt:
Brechtkreis e.V. c/o Brechthaus.
Auf dem Rain 7, 86150 Augsburg.
friedrichs@wissner.com.

Einreichungen per E-Mail werden bevorzugt.

Illustration: Nontira Kigle

29. September

1922: Uraufführung von Brechts Kriegsheimkehrer-Drama Trommeln in der Nacht am im Hinterhoftheater der Münchener Kammerspiele an der Augustenstraße 89 unter der Regie von Otto Falckenberg.

Alexander Abusch in der Schwäbischen Volkszeitung vom 19. Dezember 1922 zum Gastspiel der Kammerspiele in Augsburg:

„Bei einem Gastspiel der Münchner Spieler im Augsburger Stadttheater saß die ganze Blase des kleinbürgerlichen Theaterpublikums wie angedonnert vom Inhalt des Brechtschen Stückes. Besonders die Gehirne der tonangebenden Bürger und Bürgerinnen versagten den Dienst ob der ungewohnten Speise.“

(Dirk Heißerer, TROMMELN IN DER NACHT – DAS GASTSPIEL DER MÜNCHENER KAMMERSPIELE IN AUGSBURG 1922, in: Dreigroschenheft 3/20212, S. 30)

28. September


Roy Black, der andere grosse Sohn Augsburgs, rezitiert Brecht.

Nachtrag: Unbekannte stehlen eine neu enthüllte Roy-Black-Büste

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27. September

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wb-von-bertold-brecht-gelesen-von-thomas-huber-15342438.html

26. September

1928: Nach einer persönlichen Erklärung vor dem Amtsgericht wird auf einer Karteikarte der Jüdischen Gemeinde vermerkt, daß Helene Weigel aus dem Judentum ausgetreten ist.

Aus: Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.252

25. September

Karl Kraus über den vom Theaterkritiker Alfred Kerr ausgelösten Plagiatsskandal um die Dreigroschenoper

„Im kleinen Finger der Hand (…) ist dieser Brecht originaler als der Kerr, der ihm dahintergekommen ist; und hat für mein Gefühl (…) mehr Beziehung zu den lebendigen Dingen der Lyrik und der Szene als das furchtbare Geschlecht des Tages, das sich nun an seine Sohlen geheftet hat. (…) Ausbündig ist die Trottelei, die einem weismachen will, dieser so geartete, so begabte und so sichtbar abwegige Autor hätte es nötig gehabt (…) die Verse, die ihm für den Bühnenzweck praktikabel schienen (…) als literarische Kontrebande auf die Seite zu bringen. Eine Bewusstseinshandlung, die hier noch ein »Copyright« anbringt, zu unterstellen, ist nicht die Bosheit der Satire, sondern der Idiotie.“

Aus: Karl Kraus, Kerrs Enthüllung, in: Kanonade auf Spatzen. Glossen 1920-1936. In:

https://www.projekt-gutenberg.org/kraus/kanonade/chap010.html)

24. September

Bertolt Brecht an Margarete Steffin in Moskau:

„Liebe Grete, ich war froh. Deine Stimme zu hören. Deine Armut ist eine große Sorge. Heute geh ich wieder zur Botschaft, um noch was zu unternehmen. Hoffentlich klappt es. Für das russische Dramenbändchen müssen noch Rückstand 1000 Rubel da sein. Willy muß ebenfalls was tun. Es wird alles gehen, wenn Du nur jetzt nicht Mangel hast! – Hier ist es trist. Regen. Erkältung. Bei der Arbeit (und sonst) bin ich nurmehr die eine Hälfte. Liebe Grete.

g.g.                 b

Schreibe oft. oft. oft!

Aus Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 28 S. 442, Suhrkamp, 1998

23. September
Kuttner/Schönborn

Clemens Schönborn plant im Rahmen des Brechtfestivals einen (?) Film mit Laien zu produzieren. Das Ganze als schnelle Hit-And-Run-Produktion. Tag 1: Casting, Tag 2 und 3: Dreh, Tag 4: Schnitt, Tag 5: Premiere. Also so in etwa! Das Ganze kann sich auch noch ändern. Es schwebt ihm nämlich auch vor, sämtliche Drehbuch-Entwürfe Brechts zu verfilmen. In derselben Zeit. Wir werden sehen …

Wer sich von Clemens Arbeit schon einmal vorab einen Eindruck verschaffen will, kann das hier tun.

Update

Clemens Schönborn muss sein für das Brechtfestival geplantes Filmprojekt  (siehe Eintrag v.23.9.) aus persönlichen Gründen leider absagen. Mit seiner Hilfe konnten wir aber Adrien Lamande gewinnen, mit Augsburger*innen einen „hit-and-run“-Film zu drehen.
Danke Clemens und alles Gute!

22. September

HELLI Driver – ein nichtalltäglicher Gebrauchtwagenkauf

Gleich nach dem Krieg und seiner Rückkehr aus dem Exil nach Berlin kauft Brecht sich ein Steyr Cabriolet. Nicht sein
erster Steyr. Dieses Fahrzeug fährt er zehn Jahre lang, bis 1955.  In einem Brief schrieb Brecht:

„Das Auto stinkt.“

Die Liebe zum österreichischen Steyr ist also vorbei. Die Liebe zum Auto hat sich vielleicht übertragen: Helene „Helli“ Weigel bestellt 1967 als Intendantin des Berliner Ensembles einen Mercedes Ponton (Baujahr 1959) und meldete ihn als Dienstfahrzeug an. 2018 bekam ich dann eine SMS von einer mir unbekannten Nummer. sie lautete etwa so:

„ich habe gehört, dass Sie am Berliner Ensmeble arbeiten werden. ich besitze den Dienstwagen von Helene Weigel mit dem originalen Fahrzeugbrief, in dem als Erstbesitzerin Helene Weigel und als Adresse das Berliner Ensemble eingetragen sind. Ich würde mich freuen, wenn der Mercedes wieder nach Hause darf!“

Ich habe die SMS gelesen und gemeinsam mit dem bildenden Künstler, Olaf Nicolai, das Auto gekauft. Es steht mittelweile in Berlin. Fahrtüchtig.

(Sabrina Zwach, Dramaturgin)

19. September – intern 3

Große Planungsrunde im Kulturamt und erstes gemeinsames Briefing. Eigentlich geht’s um Kommunikation. Aber irgendwie geht’s erstmal auch um Räume, Areale und Zonen. Um
explodierende Emotionen, unzähmbare Zahlenkolonnen und frei flottierende Minusgradängste. Wohin mit den raren Moneten? Festivals, die alles neu erfinden, sind so aufwändig!
Kommunikation soll nicht so viel kosten! Ich überlege mir, ob es dabei um mich geht, halte aber erst mal die Klappe. Also, hopp! Wir wollen ermöglichen. Wir wollen mitreißen. Programmpunkte werden erläutert, Zeitpläne geschmiedet, Kollaborationen erfunden, Netzwerke aktiviert und Ideen durch die Runde gekullert. Es geht um Frauen. Eine davon klingt angeblich wie PJ Harvey, von der Kuttner wohl ein Fan ist. Zwischenzeitlich erscheint mir das als die beste Nachricht des Tages. Aber so ist das halt. Ohne vernünftigen Soundtrack ist auch die produktivste Arbeitsbesprechung nur eine Runde. Wir hier jedenfalls bringen erstmal die Steine ins Rollen und dann das Festival auf die Straße. Und ins Netz. So ist der Plan, würde ich sagen.

Tina Bühner, Brechtfestival Pressearbeit.

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19. September

1913: „Schule. Abends gefaulenzt. Lese fast nichts!“
(Brecht, Bertolt: Tagebuch N. 10 1913. Hrsg. v. Siegfried Unseld. Suhrkamp Verlag. Frankfurt, 1989. S. 77.)

17. September

1939: In Verbindung mit dem 100. Geburtstag seiner Großmutter Karoline Brecht entsteht die Geschichte Die unwürdige Greisin.
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 590, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

1944: Brecht rät seiner Tochter Barbara, die bei ihren Steppübungen schwitzt, »lieber mehr zu können, als sie macht, als mehr zu machen, als sie kann, bis sie soviel macht, als sie kann«
Aus: Werner Hecht: Brecht Chronik. S. 740, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1998

16. September – intern 2

15. September

1935: Die Nürnberger Gesetze, die „Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ verbieten werden vom Reichstag einstimmig angenommen.

Aus: Bertolt Brecht: Ballade von der Judenhure Marie Sanders

Eines Morgens, früh um neun Uhr

Fuhr sie durch die Stadt

Im Hemd, um den Hals ein Schild, das Haar geschoren.

Die Gasse johlte. Sie

blickte kalt.

Das Fleisch schlägt auf in den Vorstädten

Der Streicher spricht heute nacht.

Großer Gott, wenn sie ein Ohr hätten

Wüßten sie, was man mit Ihnen macht.

(GBA 12, S. 16f.)

 

1940: Ruth Berlau ist inzwischen wegen ihres Verhaltens … aus dem Gutshaus verwiesen worden. … »

Ich zog … weg und schlug ein Zelt in dem Birkenwäldchen auf. Es war nur einen Katzensprung von Brechts Haus entfernt. Ich hatte meine Schreibmaschine bei mir. Brecht besuchte mich in dem Zelt, und wir arbeiteten miteinander.«

Da sie ihn mehr für sich beansprucht, als ihm lieb ist, versucht ihr B zu erklären, daß er inmitten von Arbeiten »ganz und gar unsinnlich« sei und ihm »die harmlosesten Bemerkungen erotischer Art fast unerträglich werden«. »In solchen Zeiten finde ich jeden Gedanken von Dir, ich könnte hier eine finnische Sommernacht etablieren, schrecklich unadaequat, in der Tat beleidigend.«

(Werner Hecht, Werner Hecht, Brecht Chronik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1997, S.621)

14. September

Eric Bentley (14.9.1916-5.8.2020) singt „Ballad of the Dead Soldier“:

13. September
12. September
11. September
10. September
9. September – intern 1
8. September
7. September
6. September
5. September
3. September

Ich war tat sächlich schwerkrank und lag mit hohem Fieber. Der Arzt verlangte eine Entscheidung: die Mutter oder das Kind? Ich sagte: »Rettet das Kind!« In diesem Augenblick stürmte Bertolt Brecht mit weißem Kittel und weißer Haube herein und rief: »Ich bin hier, ich bin gekommen.« Brecht kam jeden Tag. Davon hatte ich aber nicht viel, denn ich lag unter einem Atemgerät und war dem Sterben näher als dem Leben. Brecht hat seinen Sohn in dem Raum für Frühgeburten gesehen. Er erzählte mir später, daß ich immer nur nach Michel gefragt habe und daß mir nichts wichtiger war als die Rettung des Kindes.“

(BRECHTS LAI-TU. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Bunge, 1985 Luchterhand Verlag Darmstadt)

1. September
Intro / intern 1
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