11. Januar

Ein Gastbeitrag von Michael Friedrichs, Herausgeber des verdienstvollen „Dreigroschenhefts“:

„Brecht und Frauen“ – da sind nicht nur die bekannten Namen interessant. Über einen Artikel von Hans Peter Neureuter zu Brechts Gedicht „Die haltbare Graugans“ bin ich kürzlich auf eine Dichterin gestoßen, die für Brecht in seiner US-Zeit wichtig war und die verblüffenderweise noch lebt, inzwischen 102-jährig: Naomi Replansky. Zeitzeugin! Sie lebt in New York. Sie hat Brecht mit dem Lied „The Grey Goose“ des schwarzen Songwriters Leadbelly bekannt gemacht, (zu hören hier), aus dem dann Brecht sein Gedicht „Die haltbare Graugans“ machte.

James K. Lyon hat in seinem Buch Brecht in Amerika einiges über ihre Zusammenarbeit mit Brecht in Santa Monica festgehalten.

2012 sind Naomi Replanskys „Collected Poems“ erschienen, und für das Yearbook der International Brecht Society 1995, „Brecht Then and Now“, hat sie Erinnerungen notiert. Sie ist auch im Internet erfreulich präsent, z.B. mit ihrer Lesung bei der Manhattan Review 2017. In der Zeitschrift Twice a Year (1948) – also erst nach Brechts eiliger Abreise aus den USA – sind einige seiner Gedichte in der Übersetzung von Naomi Replansky erschienen.

Hier eines davon:

I, THE SURVIVOR
: Of course I know: only through luck 
have I survived so many friends. But tonight, in dream,
 I heard these friends say of me: The strongest survive.
And I hated myself.
1946

Es handelt sich um das Gedicht „Ich, der Überlebende“ (GBA 12, 125). Brecht bat Naomi Replansky übrigens nicht nur um Übersetzungen, sondern akzeptierte auch Kritik von ihr, so wie sie seine. Und er hat ihr mit „Kinderkreuzzug“ und „Kriegsfibel“ einige seiner wichtigsten Gedichte anvertraut.

Mehr dazu im nächsten Dreigroschenheft, das im April erscheint.

(Michael Friedrichs)

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